Der Kongress tanzt

Musikalische Komödie mit der Musik von Werner Richard Heymann und der Bühnenfassung von Michael Quast und Rainer Dachselt, Liedtexte schrieb u. a. Robert Gilbert

MusikWerner Richard Heymann
OriginalarrangementsCarsten Gerlitz
einzelne Liedtexte ('Das gibt's nur einmal')Robert Gilbert
BühnenfassungMichael Quast
BühnenfassungRainer Dachselt
Original TitelDer Kongress tanzt
Vorlage»Der Kongress tanzt«, Revue-Operetten-Film von Erik Charell, der 1931 Premiere im Scala-Kino in Wien feierte
Uraufführung Am 25. Mai 2007 am Theater Baden-Baden unter Regie von Stefan Huber
Österreichische Erstaufführung Am 20. Februar 2016 an der Volksoper in Wien unter Regie von Robert Meyer
Der Kongress tanzt (Wien 2016)
Verlag Felix Bloch Erben

Produktionen

Handlung

Nach Napoleons Verbannung auf die Insel Elba versammeln sich 1814 die Fürsten und Könige Europas zum Wiener Kongreß, um die Ansprüche und Grenzen neu zu ordnen. Wien hat seine Sensation, als all die gekrönten Häupter mit Böllerschüssen begrüßt werden. Die Handschuhmacherin Christel Weinzinger benutzt den Einzug der Majestäten zur Werbung für ihren Laden und wirft ihnen von einer Tribüne aus Blumenbouquets mit ihrem Reklameaufdruck zu. Der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich sieht Christels Treiben als groben Unfug an und beauftragt daher seinen Geheimsekretär Pepi, der Christel liebt, dem Mädel weitere Werbemaßnahmen zu untersagen. Christel macht sich aber nur wenig aus Pepi und dem Verbot Metternichs. Als der Wagen des russischen Zaren Alexander vorüberfährt, wirft sie ihm ebenfalls ein Bouquet zu, verfehlt ihn aber und trifft seinen Tschako. Da man annimmt, es handele sich um ein Bombenattentat, wird Christel verhaftet und zu fünfundzwanzig Stockschlägen auf die Kehrseite verurteilt. Pepi kann die Exekution im letzten Augenblick verhindern, indem er dem Zaren Bericht erstattet. Zar Alexander greift nun ein und verliebt sich in Christel, als er sie im Bestrafungsraum erblickt. Damit kommt er den Plänen Metternichs sehr entgegen, weil der Zar, wie er hofft, nun anderweitig beschäftigt ist und an den Sitzungen des Wiener Kongresses nicht mehr teilnehmen wird. Bibikoff, der Adjutant des Zaren, hat aber einen Doppelgänger Alexanders mitgebracht. Er heißt Uralsky und wird von Bibikoff geschickt zur Vertretung des Zaren eingesetzt. Wehen Herzens muß Pepi ansehen, wie Christel sich in den Zaren verliebt, mit ihm zum Heurigen geht und schließlich sogar von einer feudalen Kutsche abgeholt wird, die sie zu einem entzückenden Schlößchen im Wienerwald bringt. Je unglücklicher Pepi wird, desto zufriedener ist Metternich, dessen Pläne sich zu erfüllen scheinen. Auf einer Redoute veranlaßt er den Zaren, an einer Kußversteigerung zu Gunsten der Armen teilzunehmen, und kann nun seine Fäden spinnen, während der Kongreß tanzt. Der Ball erreicht seinen Höhepunkt, da bringt ein Kurier die Nachricht, daß Napoleon als Usurpator in Frankreich gelandet ist. Der Kongreß ist beendet; alle werden auseinandergetrieben. Der Zar muß abreisen und läßt eine tieftraurige Christel zurück, deren Träume nun zerplatzen. Sie wird nicht Kaiserin von Rußland werden. Weinend lauscht sie dem Lied des Heurigensängers: ‚Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder.‘

Historie

  • Grundlage: Der Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 legte in Europa die Grenzen neu fest und definierte neue Staaten. Anlass war die Niederlage von Napoleon Bonaparte, der zuvor die politische Landkarte des Kontinentes erheblich verändert hatte
  • 1931: ‚Der Kongreß tanzt‘ ein deutscher UFA Film unter der Regie von Erik Charell mit Lilian Harvey als ‚Christel Weinzinger‘, Willy Fritsch als ‚Zar Alexander von Russland‘, Otto Wallburg als ‚Bibikoff, sein Adjutant‘, Conrad Veidt als ‚Fürst Metternich‘ und Carl-Heinz Schroth als ‚Pepi, sein Sekretär‘
  • 1931: Veröffentlichung der französisch-sprachigen Version ‚Le congrès s’amuse‘ unter der Regie von Erik Charell mit Lilian Harvey als ‚Christel Weizinger‘, Lil Dagover als ‚The Countess‘, Henri Garat als ‚Zar Alexander/Uralsky‘, Armand Bernard als ‚Bibikoff‘ und Pierre Magnier als ‚Metternich‘
  • 1932: Veröffentlichung der englisch-sprachigen Version ‚Congress Dances‘ unter der Regie von Erik Charell mit Lilian Harvey als ‚Christel‘, Conrad Veidt als ‚Prince Metternich‘, Henri Garat als ‚Zar Alexander I / Uralsky‘, Lil Dagover als ‚Countess‘ und Gibb McLaughlin als ‚Bibikoff‘
  • 1955: Remake unter der Regie von Franz Antel. Zu sehen waren Johanna Matz als ‚Christel‘, Rudolf Prack als ‚Zar Alexander‘, Karl Schönböck als ‚Metternich‘ und Gunther Philipp als ‚Pepi‘. Es wurde für diesen Film dieselbe Musik eingesetzt wie im Original
  • 25. Mai 2007: Uraufführung des Musicals ‚Der Kongress tanzt‘ im Theater Baden-Baden unter der Regie von Stefan Huber mit Edgar M. Marcus als ‚Metternich‘, Patricia Margagliotta als ‚Christel‘ und Nikolaj Alexander Brucker als ‚Zar Alexander von Russland/Uralsky‘
  • 9. Dezember 2011: Premiere am Schlosstheater in Celle unter der Regie von Lars Wernecke mit Tobias Sorge als ‚Zar Alexander von Russland/Uralsky‘, Gabriela Lindlova als ‚Christel‘ und Thomas Wenzel als ‚Metternich‘

Kulturhistorischer Hintergrund

9. Juni 1815
Europa wird in Wien neu aufgeteilt – Preußen wird mächtiger:

„Der Kongress tanzt!“ Als geflügeltes Wort ist der Wiener Kongress bis heute in aller Munde. Die politischen Ereignisse spielen in den ersten Wochen des Kongresses nur eine Nebenrolle. Die Hofgesellschaften Europas überbieten sich in Überfluss und rauschenden Ballnächten. Und das alles während das Volk hungert. Böse Zungen äußern sich über die Vorgänge am Hofe Wiens so: „Der König von Württemberg frißt für alle, der König von Bayern säuft für alle und der Zar von Russland liebt für alle!“
Die Herrscher der meisten europäischen Staaten sind in Wien versammelt. Zar Alexander und Friedrich Wilhelm III., viele andere Fürsten und eine große Zahl von Staatsmännern haben sich eingefunden. Preußen ist auch durch Hardenberg und Wilhelm von Humboldt vertreten, Österreich durch Metternich, das nach-napoleonische Frankreich der Bourbonen durch den wendigen Diplomaten Talleyrand. Schon bald weiß dieser die Uneinigkeit der Verbündeten geschickt auszunutzen und gewinnt großen Einfluss.
Über viele Wochen wird eher mehr gefeiert als verhandelt. Doch dann am 1. März 1815 schlägt eine Nachricht ein wie eine Bombe: Napoleon Bonaparte ist aus Elba zurückgekehrt und marschiert mit seinen Getreuen auf Paris.
Der Kongress ist aufgeschreckt, schmiedet ein neues Militärbündnis und besiegt mit den Armeen Blüchers, Wellingtons und viel Glück Napoleon in Waterloo nun endgültig.

Das Tanzen ist der Wiener Gesellschaft auf Grund dessen natürlich gründlich vergangen und schnell werden die erforderlichen Unterschriften unter die „Kongressakte“ gesetzt. Mit der Folge, dass sich die preußische Landkarte ziemlich verändert: Im Osten kommt die neue Provinz Posen hinzu, andere Landstriche gehen dort an Russland verloren. Bedeutungsvoller sind hingegen die Neugewinne im Westen: Teile Westfalens und des Rheinlandes sind nun preußisch und 150 Einzelterritorien verschmelzen zur neuen Provinz Rheinland. Die preußische Militärmacht übernimmt die „Wacht am Rhein“.
Mit der Einordnung der neuen Westgebiete, die überwiegend frankophil orientiert und viel stärker industrialisiert sind, ist ein großer Teil der innerpreußischen Konflikte des 19. Jahrhunderts vorgegeben.

Wissenswertes

  • ‚Der Kongreß tanzt‘ war der erste große Musikfilm des deutschen Tonfilms
  • Regisseur Erik Charell war in Berlin Regisseur großer Revuen und Operetten und setzte seinen Revuestil nun auch auf der Leinwand um
  • der Film ist geprägt von für die damalige Zeit hohem Tempo und großen Ballszenen
  • zum größten Erfolg des Films wurde Christels Lied, besser bekannt unter dem Namen ‚Das gibt’s nur einmal‘ (Musik: Werner Richard Heymann, Text: Robert Gilbert)
  • ebenfalls sehr bekannt ist Paul Hörbigers Heurigenlied ‚Das muss ein Stück vom Himmel sein‘ bei dem Heymann die Melodie des Walzers ‚Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust‘ von Josef Strauss verwendet
  • der Film erlebte seine Uraufführung am 29. September 1931 in Wien und lief ab dem 20. Oktober 1931 in den deutschen Kinos
  • da Anfang der 30er-Jahre die Synchronisation von Filmen noch nicht üblich war, wurde ‚Der Kongreß tanzt‘ parallel zur deutschsprachigen auch noch in einer englischsprachigen (‚Congress dances‘) und französischen Fassung (‚Le congrès s’amuse‘) gedreht
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