Gustav Klimt

Biographie-Musical über Gustav Klimt, den Begründer der Wiener Sezession und berühmten Jugendstil-Maler

MusikGerald Gratzer
LiedtexteBirgit Nawrata
Liedtexte & BuchSissi Gruber
BuchNiki Neuspiel
Original TitelGustav Klimt
VorlageBiographie des österreichischen Malers Gustav Klimt (1862-1918)
Uraufführung Am 2. Juli 2009 im Festspiele Gutenstein - Theaterzelt in Gutenstein

Produktionen

Handlung

1. Akt

1881. Voller Tatendrang und bestärkt durch erste Aufträge gründen die aus ärmsten Verhältnissen stammenden Brüder Gustav und Ernst Klimt gemeinsam mit ihrem besten Freund und Malerkollegen Franz Matsch die „Künstler Compagnie“.

Bald treibt Gustavs Genius – die Verkörperung seiner kreativen Kraft – ihn an, sich vom reinen Abbilden historischer Motive und Themen zu befreien. Doch Gustav folgt seinem Drängen noch nicht und genießt den Erfolg, den die Firma mit Auftragsarbeiten im konventionellen Stil erntet.

Durch die Heirat seines Bruders Ernst mit Helene Flöge lernt Gustav Helenes Schwester Emilie kennen. Gustav ist beeindruckt von dieser unabhängigen und unkonventionellen Frau.

Anlässlich der Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes von Kaiser Franz Joseph an die „Künstler Compagnie“, versucht Kolo Moser, ein anderer junger Künstler, Gustav dazu zu bringen, seine Arbeit zu überdenken und sich einer Gruppe anzuschließen, die eine Erneuerung der Kunst in Österreich erreichen möchte. Doch Gustav lehnt ab.

Emilie fühlt sich gleichzeitig angezogen und abgestoßen von Gustavs Freiheit, sich zu nehmen was er will – auch im sexuellen Bereich. Sie stellt sich die Frage, ob sie sich auf so einen Mann einlassen könnte.

Ein Modell von Gustav, Mizzi Zimmermann, eröffnet Gustav, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Gustavs Genius versucht ihn davon abzuhalten, sich um Mizzi zu kümmern. Genius will keinerlei Fesseln spüren, die Gustavs Kreativität beschränken könnten. Gustav verspricht dennoch, Mizzi zu unterstützen, ohne allerdings öffentlich zu ihr zu stehen.

Bei der Eröffnung des Modesalons der Schwestern Flöge im Stil der Wiener Werkstätte, kommen sich Gustav und Emilie sehr nahe. Emilie macht Gustav jedoch klar, dass sie sich nie auf eine Beziehung mit ihm einlassen wird. Gustav respektiert ihren Willen. Eine stille Übereinkunft für eine tiefe, liebende Freundschaft scheint aber getroffen.

Man feiert ausgelassen den Erfolg des Salons beim Großbürgertum, als unerwartet Gustavs Bruder Ernst zusammenbricht und kurz darauf an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt.

Voller Vorwürfe an Franz Matsch und sich selbst hadert Gustav mit allem bisher Erreichten. Genius wittert die Chance, Gustavs Talent endlich in eine eigene Richtung zu lenken. Gustav bricht mit Franz Matsch und entwickelt einen neuen, mutigen Stil.

Kolo Moser und Gustav  – von seinem Genius geleitet – treiben den Austritt aus der von konservativen Kräften beherrschten Künstlerhausgenossenschaft voran.

Sie gründen die Vereinigung bildender Künstler, der sich viele junge Künstler anschließen. Gustav wird der Präsident der neuen Gesellschaft. Der Bau eines modernen Ausstellungs-gebäudes als Heimat für die neue Kunst wird beschlossen: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit!

2. Akt

1898. Das neue Haus für die Kunst – die Secession – wird eröffnet. Gustav wird mit Hetzern, aber auch begeisterten Vernissage-Besuchern konfrontiert. Die Damen der feinen Gesellschaft bieten bereits große Summen für ein von Gustav Klimt gemaltes Portrait.

Helene und Emilie beobachten, wie Gustav sich – wie immer bereitwillig – auf die ihn umschwärmenden Frauen einlässt. Helene versucht, ihrer Schwester ins Gewissen zu reden. Sie findet, dass Emilies tiefe Freundschaft zu Gustav sie davon abhält, eine richtige Beziehung einzugehen. Emilie entgegnet, dass auch Helene fünf Jahre nach dem Tod von Ernst noch kein neues Leben begonnen hat. Die Frauen bekennen sich schließlich beide zu ihrer ungewöhnlichen Art zu lieben.

Franz Matsch und Gustav präsentieren dem Kunstministerium und der zuständigen Kommission ihren letzten gemeinsamen Auftrag, die Deckengemälde für die Aula Magna der Universität Wien. Gustavs Entwürfe schockieren und stoßen auf völliges Unverständnis.

Wütend und verunsichert sucht Gustav Rat bei Emilie. Er hat die „Philosophie“, eines seiner Fakultätsbilder, zur Weltausstellung in Paris eingereicht und überlegt, die Teilnahme abzusagen. Emilie gibt Gustav wieder Selbstvertrauen und beide spüren, was sie einander bedeuten: In ihrer Zweisamkeit finden sie Frieden, für diese kurzen Momente scheint die Zeit still zu stehen.

1900, Paris. Gustav erlebt seinen größten Triumph, als er für „Die Philosophie“ die Goldmedaille erhält.

Kaum zu Hause angekommen erwartet ihn jedoch eine seiner bittersten Stunden: Er findet Mizzi verzweifelt über den Tod ihres gemeinsamen, jüngsten Sohnes vor. Mizzi macht sich selbst und Gustav ihre völlige Isolation als heimliche Geliebte so richtig bewusst.

Gerichtsdiener wollen die drei Deckengemälde für die Aula der Universität, die vom Staat bereits bezahlt wurden, bei Gustav abholen. Dieser verweigert die Herausgabe, da die Bilder nicht, wie vereinbart, in der Universität aufgehängt werden würden. Nach einer Konfrontation mit dem zuständigen Kunstminister von Hartel gelingt es Gustav – mit finanzieller Unterstützung seiner Mäzene August und Serena Lederer –  die Bilder zurück zu kaufen.

Wie schon unzählige Sommer vorher, verbringen Gustav und Emilie entspannte Tage am Attersee. Doch diesmal lassen sich die beiden für einen kurzen Moment von ihren wahren Gefühlen hinreißen. Emilie ist das erste Mal bereit, sich auf Gustav einzulassen. Gustav lehnt schweren Herzens ab, hat Angst davor, dass seine Beziehungsunfähigkeit dazu führen wird, dass er Emilie verletzt, wie so viele Frauen zuvor. Mit der Unbefangenheit und dem Frieden in der Freundschaft von Gustav und Emilie ist es vorbei. Genius triumphiert: Nun gehört Gustav ganz alleine seiner Kunst.

Gustav stürzt sich in die Arbeit an seinem Fries für die Beethoven-Ausstellung.

Franz Matsch besucht die Ausstellung und ist völlig irritiert über den Rausch der Sinne, der ihm widerfährt, als er Gustavs Werk betrachtet. Er zollt Gustav letztlich seinen Respekt, kann aber nicht umhin, ihn darauf hinzuweisen, dass er einen hohen Preis für seine Freiheit der Kunst zahlt. Doch Gustav will nicht hören.

Er muss ohne Kompromisse immer weiter. Einen neuen Stil finden. Eine neue Gesellschaft gründen. Weiter, immer weiter. Immer mehr und Neues schaffen. Bis zu seinem Zusammenbruch.

Nach einem Schlaganfall stirbt Gustav 1918 schließlich in den Armen seiner großen, unerfüllten Lebensliebe, Emilie Flöge.

Quelle: Festspiele Gutenstein

Musiktitel

Originalfassung der Uraufführung bei den Festspielen Gutenstein (2009)

Akt 1
Ouvertüre(instrumental)
Das selbe Wien - eine neue WeltGustav Klimt, Ernst Klimt, Franz Matsch
Entfesselt und purGenius und Gustav Klimt
Wie Leinwand und Farb'Ernst Klimt, Helene Flöge
Gratulation der TraditionHofstaat, Kolo Moser
Die Kunst in Wien ist wie ein erschlaffendes GliedKolo Moser
Wie kann den Gift so süß seinEmilie Flöge
Entfesselt und pur (Reprise)Genius
Deine WeltGustav Klimt und Mizzi
Nur dich liebe ich wirklichGustav Klimt
Wir können es besserEmilie Flöge, Helene Flöge, Gustav Klimt, Franz Matsch, Kolo Moser
Das Versprechen 1Ernst Klimt, Gustav Klimt
Der Zorn sticht in dein HerzGenius
Warum nurGustav Klimt
Das Versprechen 2Gustav Klimt
Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre FreiheitGustav Klimt, Genius, Secessionisten, Kolo Moser
Akt 2
Entr'acte / Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit (Reprise)Gustav Klimt, Genius, Kolo Moser, Secessionisten
Wie genialBesucher, Kritiker, Befürworter, Genius, Gustav Klimt
Ja, jaSerena und August Lederer
So zu liebenEmilie Flöge, Helene Flöge
Was wahre Kunst ist, sagen wirProfessoren
Nur bei dirEmilie Flöge und Gustav Klimt
Oben, ganz obenGustav Klimt
Wie ein Schatten im NebelMizzi
Nimm' sie dirGenius, Gustav Klimt, Emilie Flöge
Im Rausch aller SinneGenius, Franz Matsch
Weiter, weiter, jetzt und immerGenius, Gustav Klimt, Mizzi, Emilie, Franz Matsch
Meine Freiheit warst schon immer duGustav Klimt und Emilie Flöge

Kulturhistorischer Hintergrund

Gustav Klimt wurde am 14. Juli 1862 in der Wiener Vorstadt geboren. Er und seine Brüder Georg und Ernst Klimt waren die Söhne eines Goldgraveurs aus Böhmen. Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien, das Gustav Klimt einem Stipendium verdankte, eröffneten er und sein Bruder Ernst, mit dem ihn eine lebenslange enge Freundschaft verband, 1883 gemeinsam mit Franz Matsch, ihr erstes Atelier. Zu den dekorativen Arbeiten der Ateliergemeinschaft gehörten Vorhang- und Deckengemälde im Bukarester Nationaltheater. Ebenfalls unter dem Einfluss der Kunstrichtung des ‚Historismus‘, bei dem kunsthistorisch korrekt auf vergangene Stile verschiedener Epochen zurückgegriffen wird, malten die ‚compagnie‘ die Decke des Salons in Kaiserin Elisabeths Hermesvilla mit dem Thema ‚Der Frühling‘ aus. Vorbild Gustav Klimts ist zu dieser Zeit Hans Makart, dessen ‚Sommernachtstraum‘ die Wände des Schlosses ziert. Die folgenden drei Jahre stehen im Zeichen des Kunsthistorischen Museums und des Wiener Burgtheaters, dessen Treppenhaus das Atelier Klimt & Matsch ausgestaltete. Gustav Klimt setzt sich bei seiner Arbeit im Burgtheater mit der Monumentalmalerei auseinander und wird danach gemeinsam mit Bruder und Partner von Kaiser Franz Joseph mit dem goldenen Verdienstkreuz für Kunst geehrt. Dennoch empfindet er zunehmend ein Ungenügen an der traditionellen Malweise. Reisen nach Krakau, München, Venedig und Triest unterstützen seine Suche nach einem eigenen Stil. Nach seiner Rückkehr tritt er der ‚Genossenschaft bildender Künstler Wiens‘ bei, ist aber immer noch auf der Suche. Im gleichen Jahr begegnet er Emilie Louise Flöge, die seine Muse und Lebensgefährtin wird, auch wenn beide eine rein platonische Beziehung geführt haben sollen.

Im Begriff ein neues Kunstverständnis zu entwickeln, wird Gustav Klimt durch den Tod seines Vaters und des geliebten Bruders 1892 aus der Bahn geworfen. Als das Unterrichtsministerium die Entwürfe für die Decke in der Aula der Wiener Universität ablehnt, kommt es zum Bruch zwischen Gustav Klimt und Franz Matsch. 1897 gehört Gustav Klimt zu den Mitbegründern der neuen Künstlervereinigung ‚Secession‘, die Freiheit für Kunst und Künstler von staatlichen Zwängen fordert: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ (zu lesen auf den Türen des Gebäudes der ‚Secession‘ und nach seinem Austritt entfernt). Gustav Klimts neue Arbeiten vereinigen dekorative flächige Ornamente geradezu mosaikartig mit expressiven Natur- und Figurendarstellungen von allegorischem oder symbolischem Inhalt. Der französische expressive Bildhauer Auguste Rodin bewunderte seinen ‚Beethovenfries‘. Das Deckenfresko der ‚Philosophie‘ erhält auf der Pariser Weltausstellung 1900 die Goldmedaille, während die ‚Medizin‘ einen Skandal hervorruft, da Gustav Klimt in seinem Gemälde der Medizin keine Macht über das Schicksal zuspricht. Als seine Fakultätsbilder einen öffentlichen Streit provozieren, verweigert Gustav Klimt die Herausgabe seiner Bilder und zahlt sogar sein erhaltenes Honorar zurück. Zur gleichen Zeit tirtt er zusammen mit anderen Künstlern, acht Jahre nach ihrer Gründung, aus der ‚Secession‘ aus, die sich in dem Streit über die Zukunft der Künstlervereinigung zwischen extremen Strömungen aufreibt. Gustav Klimt und seine Gruppe lehnen die rein naturalistische Darstellung der Natur ab. In seinen selteneren Landschaftsdarstellungen versucht der Künstler die impressionistische Darstellungsweise mit seinem Verständnis von symbolistischer Kunst dadurch zu verbinden, dass er gezielte Lichteffekte einsetzt.

1906 beginnt Gustav Klimts sog. „goldene Periode“, die in dem weltbekannten Bild ‚Der Kuss‘ gipfelt, und von den Mosaiken und der frühchristlichen italienischen Ikonenmalerei beeinflusst ist. Seine Frauendarstellungen strahlen trotz der dekorativen Fassung eine besondere Erotik aus, als ob er Frauen zugleich verehrt und als Verführerinnen gefürchtet habe. Gustav Klimt hat nie geheiratet, soll aber mit seinen Modellen nicht nur platonische Beziehungen geführt haben. Auch von unehelichen Kindern ist die Rede.

1908 eröffneten die aus der ‚Secession‘ ausgetretenen Künstler ihre erste Ausstellung. Die einzigartige Kunstschau ‚Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit‘, anlässlich des 60sten Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph, fand auf dem Bauplatz des Konzerthauses am Karlsplatzes statt. Gustav Klimt, Josef Hoffmann, Otto Prutscher, Koloman Moser, Oskar Kokoschka, Carl Moll u.a. gestalteten innerhalb nur weniger Monate mit Malerei, Graphik und Kunstgewerbe (Möbel etc.) 54 Ausstellungsräume, Gartenanlagen, Innenhöfe, ein Kaffehaus, ein Sommertheater, ein zweigeschossiges vollkommen eingerichtetes Landhaus und einen kleinen Friedhof. Die Ausstellung als Gesamtkunstwerk und Vorbild für die ‚documenta‘ in Kassel wurde von der Presse umjubelt und vom Publikum gemieden. Bis der Prophet im eigenen Land etwas galt, überzeugte sein Werk bei Präsentationen in Prag, Dresden, München, Venedig, Rom, Budapest, Mannheim und Berlin, wo Gustav Klimt gemeinsam mit Egon Schiele und Oskar Kokoschka ausstellte. In Rom prämierte die Internationale Kunstausstellung sein Gemälde ‚Tod und Leben‘, und 1917 wurde Gustav Klimt zum Ehrenmitglied der ‚Akademie der bildenden Künste Wien‘ und der ‚Münchner Akdemie‘ ernannt. Gleichzeitig wurde sein Antrag auf eine Professur vom Ministerium viermal in Folge abgelehnt. Am6. Februar 1918 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls in Wien.

Seine Kunst beeinflusste die Werke von Egon Schiele, Oskar Kokoschka ebenso wie später Friedrich Hundertwasser und den phantastischen Realismus des Wieners Ernst Fuchs.

Wissenswertes

Das Musical ist in seiner Version der Uraufführung bei den Festspielen Gutenstein (2009) auf DVD erhältlich.

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