»Footloose« Wiederaufnahme mit Energieexplosion in Hamburg

25.08.2022 im F1rst Stage Theater

Foto: Dennis Mundkowski

Als Tanz auf dem Vulkan-Musical »Footloose« mit topaktuellem Bezug, so kam diese Produktion des F1rst Stage Theater bereits 2021 in Hamburg auf die Bühne (blickpunkt musical 04/21). Nun nach erneuten Krisen und Einschränkungen, die die Theatermannschaft durchleben musste, die explosive Wiederaufnahme – ein Paar Positionen wurden neu besetzt und tragen zum sehr stimmigen Gesamterlebnis nun bei.

Das imposante Bühnenbild von Felix Wienbürger, das man durch einen mit Neonlichtern gestalteten Tunnel betritt, beeindruckt in dem kleinen Theater mit einem großen hohen Hauptportal und ausgebauten Seiten mit mehreren Spielebenen im Bronx-Style. Das Ensemble agiert hier mit Walking Acts und entführt die Zuschauer so ins Chicago der 1980er Jahre.

Auch der Geschäftsführer des Theaters hat gewechselt und so begrüßt in diesem Jahr »der Neue«, der 32-jährige Dennis Schulze, die Zuschauer und erklärt, dass er nebenbei auch noch kurzerhand die Stage School  übernommen hat und der F1rst Stage Förder-Verein gegründet wurde, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen Talenten der Stage School in ihrem künstlerischen Tun finanziell unter die Arme zu greifen, und dieser noch Unterstützer sucht.

Doch zum Stück von Tom Snow, Dean Pitchford und Walter Bobbie: Der junge Ren McCormack (Jan Großfeld) ist mit seiner Mutter von Chicago aus in die spießige Kleinstadt Bomont gezogen und will sich dort mit dem vorherrschenden Tanzverbot nicht abfinden. Unter Aufarbeitung der Vergangenheit, Ausgraben von Energie und Emotionen und Zusammenhalt der jungen Menschen gelingt es schließlich mit vereinten Kräften, das Verbot außer Kraft zu setzen. Leider erleben wir auch in der Gegenwart immer noch politische Regelungen, die teilweise nicht mehr nachvollziehbar sind, und so ist Footloose wieder oder gerade deshalb immer noch brandaktuell.

Das neue Team singt, tanzt und spielt so energiegeladen, dass die Zuschauer bereits beim ersten Applaus vor Begeisterung überschäumen – allen voran Jan Großfeld, der am Premierenabend als Ren McCormack nicht nur seine Ariel Moore (talentvolle und optische Augenweide Lisa Wissert) begeistert, sondern auch die Zuschauer abholt. Sein Gegenspieler Luka Maksim Klais als Chuck spielt den kühlen Macho und wurde sehr überzeugend besetzt.

Reverend Shaw Moore (kraftvoll gespielt & großartig gesungen von Florian Soyka) gerät in Konflikt mit Ren McCormack und seinem Kumpel Willard (dem vielseitigen Künstler Aliosha Jorge Ungur, der über viele Tonleitern singen kann und auch durch Witz und Schüchternheit für schöne Lacher unter den Zuschauern sorgt), weil sie eine Tanzparty veranstalten wollen.

Seit einem tragischen Unfall, bei dem der Referent seinen Sohn und der Ort weitere Jugendliche verlor, leidet die ganze Kleinstadt am verhängten Tanzverbot und ihren Schuldgefühlen. Ren flirtet nun noch ausgerechnet mit Moores rebellischer Tochter und verliebt sich in sie. Das Musical basiert in Teilen auf einer wahren Begebenheit. Denn mehr als 100 Jahre lang war in Elmore City, Oklahoma, das Tanzen offiziell verboten.
Die Ehefrau des Referents VI Moore (wird erneut großartig gespielt und gesungen von Femke Soetenga) unterstützt die Jugendlichen und Ren und beantragt bei der nächsten Stadtratssitzung die Aufhebung des Verbots. Sie geht direkt auf den Referent zu und spricht Schwächen und Gefühle offen an. Zum Schluss knickt der Referent dann doch ein und es darf endlich getanzt werden.

Der neue Musikalische Leiter Johannes Hierluksch hat zusammen mit seiner Band im Vergleich zu 2021 an Drive und Wums zugelegt. Die Soundtechniker (Sebastian Rieß, Peppe Andersson, Felix Löwy) kreieren einen vollen Klang, der unter die Haut geht.

Die Kostüme von Inga Rössler & Judith Schnittcher sind herrlich quietschig-bunt und passend ausgewählt: herausragend die amerikanischen Badeanzüge und Leuchtstäbe.
Das Make-up von Theresa Schweer und die Perücken von Nils Hagelstein machen Spaß, sie anzuschauen. Die temporeiche Regie von Felix Löwy überzeugt auch 2022 und macht den Abend »Footloose«.

Unbeschwert, unbedingt anschauen!