»Artus – Excalibur« Schlossfestspiele Zwingenberg

Pressekonferenz mit Intendant Rainer Roos, Regisseur Sascha Oliver Bauer, Nikolaj Alexander Brucker (Artus), Caroline Frank (Morgana), Uwe Kröger (Merlin)

Pressekonferenz auf der Schlossterrasse mit Blick auf das Neckartal (v.l.): Intendant Rainer Roos, Nikolaj Alexander Brucker (Artus), Uwe Kröger (Merlin), Landrat Dr. Achim Brötel und Regisseur Sascha Oliver Bauer (Loth)Foto: Birgit Bernds

Pressekonferenz auf der Schlossterrasse mit Blick auf das Neckartal (v.l.): Intendant Rainer Roos, Nikolaj Alexander Brucker (Artus), Uwe Kröger (Merlin), Landrat Dr. Achim Brötel und Regisseur Sascha Oliver Bauer (Loth)
Foto: Birgit Bernds

Am 31. Juli 2019 feiert »Artus – Excalibur« Premiere auf der Burg Zwingenberg. Im Vorfeld luden die Schlossfestspiele, denen im nunmehr 5. Jahr Rainer Roos als Intendant und Musikalischer Leiter vorsteht, bei strahlendem Sonnenschein zu einer Presserunde auf die Schlossterrasse mit Blick auf das Neckartal ein. Das Programm der Festspiele, Kreativteam und Solisten wurden vorgestellt.

Unter dem Domizil der Familie des Prinz Ludwig von Baden wurde die Bühne errichtet - hier im Zustand der Proben für »Figaros Hochzeit«Foto: Birgit Bernds

Unter dem Domizil der Familie des Prinz Ludwig von Baden wurde die Bühne errichtet – hier im Zustand der Proben für »Figaros Hochzeit«
Foto: Birgit Bernds

Die Schlossfestspiele sind Mieter auf dem Sitz des Prinzen Ludwig und der Prinzessin Anna Maria von Baden. 390.000 Euro stehen dem Intendanten zur Verfügung, von denen Miete, Organisatorisches und Technik bezahlt werden müssen, bevor 1/3 des Geldes für die künstlerische Umsetzung der verschiedenen Veranstaltungen bleibt, darunter die Gage der Solisten und Ausstattung. 50 % des Etats wird durch Eintrittsgelder erwirtschaftet. In diesem Jahr sind bereits 72% der Karten für die Operettengala am 26. Juli (mit der Johann Strauss Capelle unter ihrem Leiter Rainer Roos) und die Oper »Figaros Hochzeit (im Original: »Le Nozze de Figaro«)«, die am 25./27./28. Juli zu sehen sein wird, verkauft. Beim Musical »Artus – Excalibur«, das vom 31. Juli bis 4. August in sechs Vorstellungen zu erleben ist (am 3. wird um 18:00 und 21:30 gespielt), sind sogar bereits 79% der Tickets verkauft. Erwartet wird in diesem Jahr der 300.000. Besucher der Festspiele. Rainer Roos arbeitet auf 10.000 Besucher pro Spielzeit hin, damit das Publikum auch noch die Atmosphäre auf der kleinen, feinen Burg über dem Neckar genießen kann.

Landrat Dr. Achim BrötelFoto: Birgit Bernds

Landrat Dr. Achim Brötel
Foto: Birgit Bernds

1 Jahr im Voraus – für den Intendanten sind es sogar gefühlte 15 Monate – beginnen die Vorbereitungen für die neue Festspielzeit. Roos lobt die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Landrat Dr. Achim Brötel, zu dem er mit allen Fragen und Problemen kommen kann. Jedes Jahr wird 3 Tage lang die metallene Bühnenkonstruktion mit Licht- und Tontechnik unterhalb des Bergfrieds im Schlosshof aufgebaut. Dabei wird die Bühne über einem Brunnen, Steinen und Pflanzen errichtet. Geprobt wird 2019 bereits seit dem 5. Juli und zwar nicht nur auf der Schlossbühne, sondern in diversen Räumlichkeiten im Ort Zwingenberg. Das Ensemble besteht aus einer Mischung von erfahrenen Größen in Oper und Musical und talentiertem Nachwuchs, darunter ausgebildete Darsteller und Studenten. Rainer Roos ist die »menschliche Komponente« bei der Besetzung sehr wichtig, da ohne die familiäre Atmosphäre, die auf der Burg herrscht, das Arbeiten nicht denkbar ist.

Begonnen hat die Festspielzeit 2019 schon vor der Pressekonferenz mit zwei ausverkauften Abenden im kleinen Schlosshof am 12. und 13. Juli unter dem Motto »Musik aus aller Welt«, welche diesmal aus Spanien kam. Wie das Familienfest am 21. Juli auch – eine Idee, die Roos mit Antritt der Intendanz 2015 mitgebracht hatte.
Zuerst wurde das Konzept für die Mozart-Oper »Die Hochzeit des Figaro oder Figaros Hochzeit« durch den Regisseur Matias Tosi vorgestellt, der zugleich die Titelrolle spielen wird (die der Opernsänger bereits mehrfach verkörpern durfte). Die Oper wird ohne Übertitel gezeigt, um jede Ablenkung des Publikums auszuschließen. Wenn die Handlung fortschreitet, werden diese Teile in deutscher Sprache gesungen. Die emotionalen Arien hingegen bleiben in der italienischen Originalsprache. Die Partitur wurde gestrafft, sodass die Handlung nur einmal erklärt wird und nicht dreimal das Ganze wiederholend – wie in ihrer Entstehungszeit üblich. Tosi betont die Nähe zum Musical. Ihm ist es wichtig, eine schwungvolle und dynamische Aufführung mit Tanz und Gesang zu inszenieren.

Uwe Kröger spielt Merlin in »Artus – Excalibur«Foto: Birgit Bernds

Uwe Kröger spielt Merlin in »Artus – Excalibur«
Foto: Birgit Bernds

Über das nächste Stück in Zwingenberg hatte Rainer Roos am Ende der vergangenen Spielzeit auf einer zweistündigen Autofahrt mit Uwe Kröger philosophiert, der im vergangenen Jahr in »The Rocky Horror Show« den Erzähler gegeben hatte. In einem Nachfolgegespräch mit Regisseur Sascha Oliver Bauer (ehemaliger Schauspieldirektor der Frankenfestspiele Röttingen) hatte dieser »Artus – Excalibur« ins Spiel gebracht. Rainer Roos war anfangs sehr skeptisch gewesen, weil das Stück von Frank Wildhorn (Musik), Robin Lerner (Liedtexte) und Ivan Menchell (Buch) eine große Produktion erfordert: viele Solisten und Kampfszenen mit den entsprechenden Choreographien. Doch Bauer konnte ihn von der Machbarkeit des Stücks überzeugen und brachte auch gleich den Bühnenbildner Helmut Mühlbacher aus Wien mit ins Kreativteam. Rainer Roos seinerseits fragte Uwe Kröger an, ob er die Rolle des Zauberers Merlin übernehmen würde. Kröger zeigte sich sehr angetan. Nach eigener Aussage, liebt er die Artussage und die Figur des Merlin, der als Heiler Einfluss auf die Geschicke der Welt nimmt, sei eine tolle Rolle. Außerdem habe er schon bei »Dracula« mit der Musik des Genies Frank Wildhorn Kontakt gehabt, bei dem es so sei wie bei Wolfgang Amadeus Mozart: Man wisse nicht, wann er Musik schreibt, aber morgens sei dann ein neuer Song da.

Für alle Beteiligten stellt es eine enorme Herausforderung dar, in zweieinhalb bis drei Wochen eine solche aufwendige Produktion auf die Bühne zu bringen. Das funktioniert nur, weil die Mitwirkenden sehr gut vorbereitet sind, separat Kampf- und Tanzszenen erarbeitet werden. So sind drei ehrenamtliche Gruppen in »Artus – Excalibur« eingebunden: Stefans Marionettentheater, Aglasterhausen, die historischen Fechter des Vereins »Kampfhûs« aus Hirschhorn und die Showturngruppe »Exótica« aus Neckarelz. Letztere trägt dazu bei, dass die Hochzeitstanz-Szene als frühmittelalterliche Show umgesetzt werden kann. Dennoch führt Bauer an, befinde sich die Produktion am Anschlag. Die Zeit, um ein solches Projekt auf die Bühne zu stellen, sei, obwohl alle in Zwingenberg an einem Strang ziehen – extrem kurz.

Caroline Frank spielt Morgana in »Artus – Excalibur«Foto: Birgit Bernds

Caroline Frank spielt Morgana in »Artus – Excalibur«
Foto: Birgit Bernds

Nun musste zu Probenbeginn auch noch umbesetzt werden, da Pia Douwes, die Artus intrigante Schwester Morgana hätte spielen sollen wegen eines Traumas auf der Stimme, ausgelöst durch den Tod des Vaters, absagen musste. Das Trauma bewirkt, dass die Künstlerin einzelne Töne formen, jedoch keine Phrase singen kann, zumal bei einer ihr bisher unbekannten Partitur. Intendant Rainer Roos bemühte sich um Ersatz, schon um den Druck aus dem Geschehen zu nehmen. Die Hilfsbereitschaft der Solistinnen, die derzeit, wegen Elternzeit oder um sich der Familie widmen zu können, eine Auszeit nehmen, war groß. So bot sowohl Lucy Scherer, die im April entbunden hat, ihre Hilfe an, als auch Caroline Frank, die eigentlich mit ihrem Mann und ihren Kindern in den Urlaub fahren wollte. Die Wahl fiel auf Caroline Frank, da Bauer bereits bei »Der Graf von Monte Christo« in Röttingen mit ihr gearbeitet hatte und überdies als Kollege mit ihr auf der Bühne gestanden hatte. Hier war ein kurzer Kommunikationsweg, der von Sascha O. Bauer als »Ping-Pong« bezeichnet wird, gegeben, was angesichts der kurzen Einarbeitungszeit in die Rolle der Morgana besonders wichtig war. Nur so war eine gemeinsame Entwicklung der Aufführung, die zu Bauers Regiekonzept gehört, möglich.

Rainer Roos betont, dass es ein Vorteil sei, dass Bauer selbst bereits in einem Festspielbetrieb gewirkt habe, da er die Abhängigkeiten eines solchen aus eigener Erfahrung kenne, wie zum Beispiel, dass es keinen Dramaturgen gibt. Bauer seinerseits bedankte sich für die Existenz der Festspiele, denn sie bereicherten die Theaterlandschaft immens und boten ungeahnte Möglichkeiten.

Die Halbwahrheiten der Sage von Artus und die Konstellation der Figuren in seinem Umfeld unterschieden sich je nach Überlieferung. Das erleichterte es, ein Buch zu schreiben, und das Buch von »Artus – Excalibur« von Ivan Menchell ist laut Bauer nach dem Buch von »Jekyll & Hyde« das beste der Wildhorn-Stücke.
Bei der Recherche habe er zu seiner Überraschung festgestellt, dass es zu dieser Zeit Ritterrüstungen, wie wir sie mit dem Mittelalter verbinden, nur bei Festivitäten gab, nicht jedoch im Kampf. Daher habe Kostümbildnerin Agnes Hamvas Lederharnische entworfen.

Darüber hinaus will Bauer »Artus« – abgesehen von notwendigen Requisiten – weitgehend zeitlos inszenieren. Denn für ihn hat das Stück eine allgemein menschliche Geschichte. In Großbritannien gab es viele kleine Provinzen, die jeweils einer beherrschen wollte. Die grüne Insel war gewissermaßen eine Baustelle, deshalb wird Bauers Inszenierung auf einer Baustelle spielen, einschließlich Kabeltrommel. Die Gier nach Macht oder das Machtbegehren sei das zentrale Thema des Stücks und im Grunde zeitlos. Dem ausgebildeten Schauspieler Bauer ist es als Regisseur wichtig, dass begreifbare Figuren entstehen, die von dem heutigen Publikum erkannt und verstanden werden. Deshalb war ihm bei den Auditions neben dem Singen die schauspielerische Qualität am wichtigsten. Er freut sich sehr, mit diesen großartigen Solisten arbeiten zu können.

Uwe Kröger (Mitte) findet lobende Worte für Nikolaj Alexander Brucker (l.), der die Titelrolle in »Artus – Excalibur« spieltFoto: Birgit Bernds

Uwe Kröger (Mitte) findet lobende Worte für Nikolaj Alexander Brucker (l.), der die Titelrolle in »Artus – Excalibur« spielt
Foto: Birgit Bernds

Das ist zunächst Nicolaj Alexander Brucker als Artus. Er arbeitete schon mit Rainer Roos als musikalischem Leiter bei »Sunset Boulevard« in Magdeburg zusammen, wo Brucker den Joe Gillis spielte. Roos betont, dass ihn schon damals sein schauspielerisches Niveau beeindruckt habe. Er zeichne sich durch Gedankenkraft und eine hohe schauspielerische Intelligenz aus. Damit verkörpere er für ihn das Idealbild eines Darstellers des Musiktheaters – sei ein Sänger-Schauspieler.
Brucker sprach davon, dass mit dem Stück seine Kinderfantasien wahr werden. Zudem sei die Musik von Frank Wildhorn eine Herausforderung. Roos ergänzte, dass die Partie sehr hoch und anspruchsvoll zu singen sei.
Kollege Uwe Kröger betonte, dass »Artus« ein sehr authentisches Stück sei. Für Kröger stellt die Sage so etwas wie die Suche nach und den Aufbruch in eine neue Welt dar. Nicolai Alexander Brucker, mit dem er als Raoul bei »Das Phantom der Oper« auf der Bühne stehen durfte, sei genau der Richtige, um den ehrlichen und geradlinigen Artus darzustellen. Er habe einen direkten schauspielerischen Zugang zu der Rolle.

Intendant Rainer Roos (2.v.l.) mit einem Teil der Solisten von Artus: Nikolaj Alexander Brucker (r.),und (v.l.) Sascha Oliver Bauer, Uwe Kröger und Caroline FrankFoto: Birgit Bernds

Intendant Rainer Roos (2.v.l.) mit einem Teil der Solisten von »Artus«: Nikolaj Alexander Brucker (r.),und (v.l.) Sascha Oliver Bauer, Uwe Kröger und Caroline Frank
Foto: Birgit Bernds

Als Kontrast zu Artus besetzte man Sascha Krebs als seinen besten Freund Lancelot.
Jana Marie Gropp, die Rainer Roos vor drei Jahren für die Schlossfestspiele Zwingenberg entdeckt hat, ist das 3. Mal dabei und spielt Artus Ehefrau und Lancelots Geliebte Guinevere, die an Artus Seite auch mit der Armbrust kämpft.
Sascha Oliver Bauer selbst übernimmt die kleinere Rolle des Loth, des Bösen im Stück.
Ector, den väterlichen Freund von Artus, spielt Holger Ries, der bei den Festspielen unter anderem John Utterson in »Jekyll & Hyde« verkörperte.

Rainer Roos erklärt abschließend: das Casting habe ein sehr hohes Niveau gehabt und im Chor wirkten ausgebildete Musicaldarsteller und -studenten mit. Er freut sich, dass die Schlossfestspiele damit auch eine Talentschmiede sein können.

In Kürze können Sie bei uns auch ein Interview mit Regisseur Sascha Oliver Bauer lesen.

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