Uraufführung der Musicalfassung von »Macbeth« im TPZAK Theaterhaus in Köln

Shakespeare einmal anders

Macbeth (Sascha Berens) und Lady Macbeth (Lorena Krüger) bereuen ihre Bluttat an König DuncanFoto: Stage Hogs

Macbeth (Sascha Berens) und Lady Macbeth (Lorena Krüger) bereuen ihre Bluttat an König Duncan
Foto: Stage Hogs

Sprache ist wie Musik – und jeder Mensch hat dabei seine ganz individuelle Melodie und Rhythmik. Sie glauben das nicht? Achten Sie bei Ihrem nächsten Gespräch oder Theaterbesuch einfach mal darauf. Im England des 16. Jahrhunderts war die Sprache William Shakespeares, eines der bedeutendsten Lyriker der Weltliteratur, jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes »tonangebend« – und zeichnete sich durch einen umfangreichen Wortschatz, fantasievolle Bildsprache und vor allem eine stilistische Vielfalt, die von der niedrigsten Gossensprache bis zur höchsten Hofsprache reichte, aus.

Die Sprache Shakespeares hatte viele Töne, doch wer hätte gedacht, dass sie auch in der deutschen (Original-)Übersetzung von Dorothea Tieck eins zu eins als Songtext aktueller Hits wie zum Beispiel Mark Forsters ›Chöre‹, ›Chandelier‹ von Sia oder ›Mercy‹ von Duffy herhalten kann? Dass das genialerweise funktioniert, zeigt nun die (Amateur-)Musicalgruppe »The Stage Hogs« (zu Deutsch »Rampensäue«) des Theaterpädagogischen Zentrum Zirkus-und Artistikzentrum Köln (TPZAK) in einer selbst entwickelten, musi(c)alischen Fassung des Shakespeare Klassikers »Macbeth«. Denn in der berühmten Geschichte über den Aufstieg des königlichen Heerführers Macbeth zum König von Schottland, seinen Wandel zum Tyrannen und seinen finalen Fall werden die Originaltexte Shakespeares nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen. So wird zum Beispiel aus »Und die Chöre sing’n für dich« König Duncans Begrüßung des glorreichen Schlachtenheimkehrers: »Herzlich Willkommen, Macbeth«.

In den Wäldern von Birnam kommt es zur finalen Schlacht, in der Macbeth den Tod findetFoto: Stage Hogs

In den Wäldern von Birnam kommt es zur finalen Schlacht, in der Macbeth den Tod findet
Foto: Stage Hogs

Die Inszenierung unter der Regie von Musicaldarstellerin und Theaterpädagogin Heike Werntgen in dem gerade mal 70 Plätze umfassenden hauseigenen Theater des TPZAK zeigt fantasievoll, dass gutes Theater auch ohne umfangreiche Kulissen und aufwendige Kostüme auskommen kann. Versetzbare Kästen, reichlicher Einsatz von einer Nebelmaschine und Projektionen der verschiedenen Schauplätze an die Bühnenrückwand reichen hierbei völlig aus – der Rest bleibt der Vorstellungskraft der Zuschauer geschuldet. Dabei sind die an die Wand projizierten, eigens für das Stück von der Hamburger Designerin Stefanie Lück kreierten Kollagen, bei denen Scans klassischer Ölmalerei mit Landschaftsfotografien zu neuen eindrucksvoll Bildern verarbeitet wurden, schon alleine Kunst für sich.

Die Hexen versammeln sich um ihre Anführerin Hekate (Isabelle Müller, Mitte)Foto: Stage Hogs

Die Hexen versammeln sich um ihre Anführerin Hekate (Isabelle Müller, Mitte)
Foto: Stage Hogs

Die derzeit acht Ensemblemitglieder der Stage Hogs, darunter zwei Theaterpädagogen und eine (ehemalige) Musicaldarstellerin konnten im Vorfeld selbst mit entscheiden, welche der insgesamt vierzehn Rollen sie jeweils verkörpern sollten. Ob das gelungene Resultat nun einer guten Einschätzung des eigenen Talents, einer (schau-)spielerischen Flexibilität oder einer gekonnten Einstudierung geschuldet ist, lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Fakt ist aber, dass jede Rolle treffsicher besetzt ist, angefangen beim »coolen« König Duncan (Marvin Fuchs) über die mystische Hekate (Isabelle Müller) bis hin zu den Hauptprotagonisten Macbeth (Sascha Berens) und Lady Macbeth (Lorena Krüger), die schauspielerisch überzeugend die emotionale Achterbahnfahrt des an eigener Macht und Habgier zerbrechenden Königspaares widerspiegeln. Kristina Kost, Judith Koch und Franziska Gebhardt zeigen als Hexen oder Dienerin / Kammerfrau unter anderem auch großes komödiantisches Talent, während Silvia Daberitz als Macbeth später ermordeten Weggefährten Banquo mit schöner Stimme zur Melodie von ›Chandelier‹ zu begeistern weiß.

Allen gemeinsam ist die große Spielfreude und der spürbare Enthusiasmus, den die Stage Hogs unter der Federführung von Heike Werntgen in ihr Musicalprojekt gesteckt haben. Ein Einsatz, der nicht unbelohnt bleibt: Obwohl zunächst nur für zwei Vorstellungen vorgesehen (Uraufführung war am 28.04.2018), wird »Macbeth« aufgrund der großen Nachfrage am 17. Juni 2018 nochmals im Theaterhaus des TPZAK zu sehen sein.

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