»Weihnachtszauber« mit Überraschungen in der Chemnitzer St. Markuskirche

Am 18. Dezember 2015 um 20.00 Uhr lud Heartmade Productions zum dritten Mal zum Weihnachtskonzert in die Chemnitzer Markuskirche ein. Unter dem Titel »Weihnachtszauber« präsentierten Gastgeber Christian Alexander Müller und seine Gäste ein harmonisches Konzert mit einigen Überraschungen.

Marina Komissartchik. Foto: Jörg Singer

Nachdem die bereits »zum Konzertinventar« gehörende Pianistin Marina Komissartchik durch den Mittelgang der Kirche hereingekommen war, betrat auch der Gastgeber selbst in verschneiter Jacke den Raum und eröffnete das Konzert mit ›It’s Beginning to Look a Lot Like Christmas‹ von Meredith Willson (gegenwärtig u. a. auch von Michael Bublé interpretiert) . Nacheinander stellten sich nun Ariana Schirasi-Fard mit einem warmen und souligen ›River‹ (Joni Mitchell), Sabrina Weckerlin mit einem beeindruckenden ›Christmas Song‹, Rob Fowler mit einem herzerwärmenden ›Home‹ (mit einem Songtext von Michael Bublé) und Judith Lefeber mit dem deutschen Lied ›Blau in Blau‹ von Yvonne Catterfeld vor.

Gemütliche Konzertatmosphäre. Foto: Jörg Singer

Gemütliche Konzertatmosphäre. Foto: Jörg Singer

In einer gemütlichen, familiären Atmosphäre mit Ohrensesseln und Weihnachtsbäumen machten es sich die Künstler während der Vorstellung der anderen gemütlich, um anschließend gemeinsam ein harmonisches und wohlklingendes ›Do You Hear What I Hear‹ darzubieten.

Danach wurde zum ersten Mal an diesem Abend das weihnachtliche Terrain verlassen und es erklang die Power-Ballade ›What I Do Best‹, die Frank Wildhorn für die verstorbene Whitney Houston schrieb und die von Sheryn Regis interpretiert wurde. Gewohnt stimmstark und emotional sorgte Sabrina Weckerlin für Gänsehaut. Mit einem Kuss endete das folgende Duett ›Wehrlos‹ aus »Die Päpstin«, interpretiert von Weckerlin und Rob Fowler, die in diesem Musical bereits in Fulda zusammen auf der Bühne standen. Rockiger wurde es mit dem sich anschließenden ›Billie Jean‹ (Michael Jackson), welches Rob Fowler an seine »The Voice of Germany«-Zeit erinnert und das er stimmstark darbot.

Rob Fowler und Christian Alexander Müller. Foto: Jörg Singer

Rob Fowler und Christian Alexander Müller. Foto: Jörg Singer

In der berühmten Duett-Version (Elton John & George Michael) präsentierte sich dann ›Don’t Let the Sun Go Down on Me‹, das Rob Fowler und Christian Alexander Müller harmonisch erklingen ließen. Bevor die beiden Herren die Bühne für Judith Lefeber mit einem souligen ›I Learned From the Best‹ (Whitney Houston) räumten, verriet Rob Fowler, der zum ersten Mal in Chemnitz war, noch launig, weshalb er die Stadt so mag: »Hier kann man kostenlos parken«. Die Moderationen des Abends wirkten ein wenig improvisiert, waren jedoch durchzogen von witzigen und persönlichen Anekdoten und verliehen dem Konzert so einen sympathischen Charakter.

Ein wenig besinnlicher wurde es anschließend wieder mit ›Was wichtig ist‹ (Udo Jürgens), persönlich und intim gesungen vom Gastgeber und begleitet von der virtuosen Marina Komissartchik, die sich auch an diesem Abend von nichts beirren ließ.

Ariana Schirasi-Fard und Christian Alexander Müller. Foto: Jörg Singer

Ariana Schirasi-Fard und Christian Alexander Müller. Foto: Jörg Singer

Ariana Schirasi-Fard und Christian Alexander Müller kannten sich bereits aus der Bad Hersfelder »West Side Story«. In dieser Zeit entwickelten sich für beide die Spitznamen »Vaddi« und »Muddi« – mit diesem Vorwissen wirkete das nun folgende ›Weihnachten in Familie‹ – gesungen von eben diesen »Vaddi« und »Muddi« – nur noch harmonischer und weihnachtlicher. Leider präsentierte sich das Publikum an diesem Abend weniger singfreudig als die Künstler und unterstützte diese trotz Aufforderung zum Mitsingen der bekannten Lieder nur wenig.

Ernst und feierlich wurde es dann, als »Die Päpstin«, alias Sabrina Weckerlin, in ihr ›Einsames Gewand‹ schlüpfte – diese Feierlichkeit wurde allerdings direkt darauf kurzzeitig von einem kleinen Texthänger Weckerlins, den diese jedoch mit Humor nahm, unterbrochen. Sie begann nochmals von vorn, stellte die getragene Stimmung wieder her und meisterte den Rest des ihr vertrauten Liedes bravourös.
Im Publikum stellten sich unterdessen junge Damen in farbigen, eleganten Kleidern mit Kerzen in den Händen auf – es sind die Mitglieder des Ensembles »Klangtraum« des »Studio W.M. – Werkstatt für Musik und Theater« aus Chemnitz. Sie unterstützten Judith Lefeber im folgenden ›Pagan Ave Maria‹ aus dem französischen Musical »Notre Dame de Paris« kräftig, bevor sie selbst mit einem Medley aus dem Film »Der Grinch« die Kirche erfüllten.

Judith Lefeber und das Ensemble Klangtraum des Studio W.M. Foto: Jörg Singer

Judith Lefeber und das Ensemble Klangtraum des Studio W.M. Foto: Jörg Singer

Mit guten Stimmen, schwungvoller Dynamik und viel Spiel- und Sangesfreude nahmen sie das Publikum für sich ein.
Unterstützt wurden sie, wie alle Künstler des Abends, durch das stets an Stimmung und Song angepasste Lichtdesign von Max D-Light. Die Tongestaltung von Thomas Katt sorgt für sauberen Klang.
Gemeinsam mit dem Klangtraum erinnerte zunächst Ariana Schirasi-Fard mit einem herzerwärmenden und starken ›No Day But Today‹ aus »Rent« daran, den Moment zu genießen, bevor alle Künstler mit einem Gänsehaut-verursachenden und berührenden ›Seasons of Love‹ (ebenfalls »Rent«) das Publikum in die Pause entließen.

Foto: Jörg Singer

Foto: Jörg Singer

 

Wie eine Familie im weihnachtlichen Wohnzimmer wirkte es, als sich alle nach der Pause am Klavier für ein Medley aus bekannten Weihnachtsliedern (›Oh du Fröhliche‹, ›Morgen Kinder wird’s was geben‹, ›Alle Jahre wieder‹, ›Fröhliche Weihnacht überall‹) versammeln. Es blieb weihnachtlich mit ›Winter Wonderland‹, jazzig-swingend interpretiert von Sabrina Weckerlin. ›I Don’t Need a Roof‹ aus »Big Fish« präsentierte Christian Alexander Müller als emotionale Ballade voller Wärme und anschließend erklang von allen Künstlern der Titel ›I’ll Be Home for Christmas‹ – ursprünglich von Bing Crosby aufgenommen, um die heimatfernen Soldaten zu ehren -, der sicherlich inhaltlich auch gut zu den viel umhereisenden Musicaldarstellern passte.

Rob Fowler und Ariane Schirasi-Fard) stimmten das traditionelle englische Weihnachtslied ›The First Noël‹ (auch interpretiert von Josh Groban & Faith Hill) an, Judith Lefeber erntete viel Applaus für ihre Interpretation von ›Du lieber Weihnachtsmann‹ (im Original: ›Petit Papa Noël‹ ) und den Abschluss dieses Weihnachtsblock bildeten alle Sänger und Sängerinnen mit ›Xmas – War Is Over‹ von John Lennon – ein Wunsch, der nicht aktueller sein könnte.

Ariana Schirasi-Fard. Foto: Jörg Singer

Die sich anschließenden Lieder würde man nicht in einem Weihnachts-, ja, teilweise nicht einmal in einem Musicalkonzert erwarten, doch gerade sie verliehen diesem Weihnachtskonzert seine besondere Note: Die geborene Österreicherin Ariana Schirasi-Fard brät zu ›Ich kann kochen‹ aus »On the Town« normalerweise Palatschinken, dieses Mal verteilte sie während des humorvollen Vortrags in einer gewagten Schürze Kekse im Publikum – ihre persönliche Herausforderung, den Korb bis Ende des Songs leer zu bekommen, bestand sie jedoch nicht. Mit ihrer souligen Stimme und ihrer charmant-witzigen Art könnte man sie sich auch gut als Komikerin vorstellen.

Sabrina Weckerlin. Foto: Jörg Singer

Sabrina Weckerlin. Foto: Jörg Singer

 

Adele und James Bond machten ›Skyfall‹ zu einem Welthit – in Chemnitz bewies Judith Lefeber, dass auch sie den Song stark interpretieren und die Kirche mit ihrer Stimme erfüllen kann. Ebenso stimmstark empfahl sich Sabrina Weckerlin als Eiskönigin im weißen Glitzerkleid zu ›Let It Go‹ als ideale Besetzung für ein mögliches »Frozen«-Musical. Unbedingt nochmals erwähnt werden muss an dieser Stelle das wunderbar virtuose Klavierspiel von Marina Komissartchik. Diese durfte sich beim nächsten Lied kurz erholen, denn Rob Fowler begleitete sich zu Ed Sheerans ›Thinking Out Loud‹ selbst auf der Gitarre und brachte seine ganz eigene, leider etwas zu schnelle, Version des bekannten Radiohits zu Gehör.

Nicht weniger bekannt ist ›Who Wants to Live Forever‹ (Queen), das Judith Lefeber und Rob Fowler rockig-emotional als starke Duettpartner darboten. Ariana Schirasi-Fard eröffnete den »Les Misérables«-Block mit einem gefühlvollen ›Nur für mich‹, gefolgt von einer nicht minder gelungenen Interpretation von ›Bring ihn heim‹ durch Christian Alexander Müller. Schlag auf Schlag ging es weiter. Insgesamt gab es im zweiten Teil weniger Moderation.

Ariana Schirasi-Fard, Sabrina Weckerlin und Judith Lefeber. Foto: Jörg Singer

Ariana Schirasi-Fard, Sabrina Weckerlin und Judith Lefeber. Foto: Jörg Singer

Sabrina Weckerlin und der Gastgeber entführten in die ›Totale Finsternis‹ (»Tanz der Vampire«), dann schloss sich ›Wer kann schon ohne Liebe sein‹ aus »3 Musketiere« an. Dieses Frauenterzett erklang in allen bisherigen Weihnachtskonzerten, doch jedes Mal in einer anderen Besetzung – dieses Mal waren es Ariana Schiras-Fard, Judith Lefeber und Sabrina Weckerlin, die für Gänsehaut sorgten. Den offiziellen Abschluss des Konzertes bildete der Burt Bacharach-Song  ›That’s What Friends Are For‹ (u. a. gecovert von Dionne Warwick) von allen Interpreten des Abends.
Doch natürlich wollte das Publikum nicht einfach so nach Hause gehen und so gab es am Ende dieses gelungenen, atmosphärischen Weihnachtskonzertes mit abwechslungsreicher Liedauswahl als Zugabe ›We Are the World‹ (USA for Africa) mit allen Beteiligten inklusive dem Klangtraum-Ensemble. Man darf sich schon auf den 17. Dezember 2016 freuen, wenn Heartmade Productions erneut in die Chemnitzer Markuskirche zum Weihnachtskonzert lädt.

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