Alexander Klaws: Der neue Tarzan in Hamburgs Dschungel

Die Stage Entertainment suchte den neuen Tarzan. Diesmal nicht per Fernsehcasting. Sondern die Bezeichnung „Erster Superstar Deutschlands“ (2003) sollte reichen. Alexander Klaws (Alfred in ‚Tanz der Vampire‘ in Berlin 2006 bis 2008) steht seit dem 11. Mai 2010 in der Neuen Flora bei Disneys ‚Tarzan‘ in der Titelrolle auf der Bühne und machte zu seiner „Premiere“ am 25. Mai eine durch und durch überzeugende Figur.

Alexander Klaws als Tarzan. Foto: Frank Wesner

Alexander Klaws als Tarzan. Foto: Frank Wesner

Zum einen hat sich das Training in Musical und im Liane-Schwingen ausgezahlt. Souverän schwebt er durch die Lüfte, hält sich und Jane in Pose. Zum anderen ist er als sympathischer Urmensch sehr glaubhaft, obwohl er viel zu wenig Mut zur Hässlichkeit auf der Bühne hat. Auch sein Sprache-und-Bewegungen-Nachahmen ist noch deutlich zu menschlich perfekt und schnell begreifend. Ein Weinglas, einen Zylinder oder eine Hose sieht er zum ersten Mal und weiß diese sofort richtig anzufassen und zu gebrauchen. Aber das legt sich vielleicht noch und nötige Nuancen stellen sich ein.

Denn das naturalistisch glaubhafte Spiel bringen seine Bühnenpartner alle mit — frisch routiniert entdecken sie ihre Dschungelwelt immer wieder neu. Elisabeth Hübert als erquickend neugierige Jane Porter, Arcangelo Vigneri als frecher Freund Terk, Peti van der Velde als Mama Kala mit Akzent, Kevin Kraus als brummelig gestandener Vater Kerchak mit dem Brüllgeräusch per Toneinspielung, Japheth Myers als leichtfüßiger Professor Porter und Rüdiger Reschke als verbohrter Kleinwildjäger Clayton. Selbst der 1. Rang der großen, stark ansteigenden Neuen Flora, der momentan geöffnet ist, stört nicht bei den Abflügen und beim Schwingen der Darsteller, die manchmal von dort für Flüge von 30 Metern über die Parkettreihen starten.

Überhaupt ist dieses Musical mehr Technikshow (Regie: Bob Crowley und Jeff Lee) als Geschichte und Musiktheater. Das Einheitsbühnenbild ist etwas ermüdend anzusehen, aber die technische Umsetzung ist einfach perfekt: Flugbahnen, Seile, Bungee dazu Licht, Projektionen, Allround-Sound, Versenkungen. Kein Wunder, dass nur sieben Solisten und 16 Darsteller auf der Bühne „ausreichend“ sind. Viele Darsteller spielten schon die Hauptrollen, obwohl die Premiere erst am 19. Oktober 2008 war, und fielen nach und nach verletzungsbedingt aus. Das galt auch für Anton Zetterholm, der zeitweise von seinen drei (!) Covern ersetzt werden musste. Doch dieser Castinggewinner hat sich behauptet, bevor er am 9. Mai 2010 die Produktion verließ, um sich neuen Aufgaben zu widmen.

Dass das sympathische, ungleiche Paar am Schluss dann doch zusammen findet, ist ein wunderbares, die Herzen erweichendes Happy End und erinnert entfernt an das Flug-des-Kronleuchter-Musical, für das das Theater einmal gebaut wurde.

(Text und Fotos: Frank Wesner)

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