»Bat Out of Hell« in Oberhausen – Einblick in die Proben

In Erwartung der deutschsprachigen Erstaufführung von »Bat Out of Hell«; das Stage Metronom Theater in OberhausenFoto: Birgit Bernds

In Erwartung der deutschsprachigen Erstaufführung von »Bat Out of Hell«; das Stage Metronom Theater in Oberhausen
Foto: Birgit Bernds

Am 8. November 2018 feiert »Bat Out of Hell« im Stage Metronom Theater in Oberhausen seine deutschsprachige Erstaufführung.

Nach dem Abschied von »Tarzan« wird die Bühne des Metronom Theaters komplett auf Null gesetzt, wie Matthias Pusch, Head of PR der Region South/West eingangs des Pressebesuchs betont. Er bittet darum, aufzupassen, wo man hintritt. Denn die Situation ist Baustelle, überall stehen Kisten und an allen Ecken wird gearbeitet.

Gleichzeitig sind die Proben bereits im Gange, in die Stage Entertainment am 11. Oktober 2018 erstmals im Rahmen eines Rundgangs Einblicke gegeben hat. Es gibt viele neue, aber auch bekannte Gesichter. Die Proben sind noch am Anfang und auch die musikalischen Proben finden noch ausschließlich mit Klavierbegleitung statt.

Nick Evans (Associate Director)Foto: Birgit Bernds

Nick Evans (Associate Director)
Foto: Birgit Bernds

Associate Director Nick Evans betont die Einzigartigkeit des Musicals. Wichtig dabei ist zu wissen, dass »Bat Out of Hell« kein Jukebox-Musical um Hitsongs ist, sondern auf einem Konzept von Jim Steinman beruht, das zurückreicht in dessen Highschool-Zeit. Steinmann kam aus dem Musicalgenre und hatte bereits das Musical »Dream Engine« geschrieben, als er den Mann, der unter dem Künstlernamen Meat Loaf und Steinman-Interpret bekannt werden sollte, kennenlernte.

»Bat out of Hell« erzählt eine Art Fantasyhandlung, ein mythisches Abenteuer in einer anderen Welt, der Stadt Obsidian im Jahr 2030.

Ursprünglich war das Musical als eine rockige Fassung von J.M. Barries »Peter Pan, or The Boy Who Wouldn’t Grow Up« (1904) geplant und sollte den Titel »Neverland« tragen. Daher ist die Beziehung zwischen dem freiheitsliebenden Peter Pan und der äußerlich angepassten Wendy auch im jetzigen Stück ein Thema. Auch die »Lost Boys« (Verlorenen Jungs) leben in den »Lost«, einer Gruppe rebellischer Außenseiter, weiter. Verarbeitet werden theatrale und literarische Motive wie »Romeo und Julia« und »Peter Pan«. Außerdem ist das Musical zugleich eine Familiengeschichte über die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern und Vätern und Töchtern, aber auch die Geschichte eines jungen Liebespaares und eines alten Paares, das sich zu lieben verlernt hat.

Damals lehnten die Barrie-Erben Steinmans Konzept und die für ein Theaterpublikum geschriebene Handlung ab. Doch die Songs überlebten. Es sollte 40 Jahre dauern, ehe aus Steinmans Musik, die inzwischen durch die intensiven Interpretation von Meat Loaf Kult geworden war, das jetzige Musical geschaffen hat. Ende 2015 führte der Songwriter einen dreiwöchigen Workshop mit der Ur-Besetzung des Strat (Andrew Polec) durch. Die eigentliche Produktion feierte 2017 in Manchester Uraufführung und ging von da nach London, wurde im kanadischen Toronto gezeigt und kehrte wieder nach London zurück – ausgezeichnet mit zahlreichen Awards.

Um die Handlung stimmig zu gestalten, ergänzte Steinman seine ursprüngliche Songfolge um Titel aus den Nachfolgealben »Bat Out of Hell II: Back Into Hell« und die Single »Dead Ringer For Love«. Eigens für das Musical schrieb er die beiden Songs ›What Part of My Body Hurts the Most« und »Not Allowed to Love«.
Associate Director Nick Evans zeigt sich begeistert von der deutschen Besetzung, die international gecastet worden ist. Bemerkenswerte Stimmen und Persönlichkeiten seien darunter. Für diesen Cast hätte das Kreativteam sich noch einmal zusammengesetzt und die Show für sie und das deutsche Publikum neu wahrgenommen und überarbeitet.

Anschließend kündigt Evans an, dass ihre Besucher die Szenen work-in-process erleben werden, wobei einige von ihnen erst am Tag vorher fertig geworden sind. Er betont, dass sie bei den Interpretationen noch mitten im Prozess der Entwicklung und des Findens seien, mit dem Ziel, die Brillanz und Persönlichkeit der Darsteller herauszuarbeiten.

In Szene 1 proben Robin Reitsma (Strat) und das Ensemble unter den kritischen Augen von Associate Director Nick Evans die Ensemble-Szene ›Komm aus der Hölle raus‹ (Out of the Frying Pan (And Into the Fire)). Rebell Strat, die Hauptfigur im Stück, ist Raven zuvor begegnet und fasziniert von ihr. Seine Freunde, insbesondere Tink (Tom van der Ven), halten ihn für verrückt und warnen ihn: »Du kommst in das Feuer«. Andere Lost stacheln ihn an, er habe doch nichts zu verlieren. Er selbst sieht einen Ausweg aus der Hölle.

In Szene 2 proben Robin Reitsma (Strat) und Sarah Kornfeld (Raven) unter Aufsicht von Nick Evans in einem improvisierten Studio die Szene ›Aus dem Nichts hast du Liebe gemacht‹ (›Making Love Out of Nothing at All‹). In der Handlung findet diese Szene vor der ersten gezeigten Szene statt. Der Monolog am Anfang ist poetisch und erinnert sehr an Shakespeare. Dann folgt ein Dialog über Ravens Unfähigkeit zu träumen und Strats Sehnsucht, nicht mehr unsichtbar zu sein. Evans unterbricht, vertieft die Szene und das Profil der Figuren, um die Szene zu perfektionieren.

In Szene 3 sind die Besucher bei Willemijn Verkaik (Sloane) und Alex Melcher (Falco) zu Gast, die gemeinsam mit dem Musical Supervisor Robert Emery an dem Titel ›Wo tut mir der Schmerz am meisten weh‹ (›What Part of My Body Hurts the Most‹) arbeiten. Aus Emerys Einführung geht hervor: Willemijn ist die Frau von Falco und beide sind in einer schwierigen Beziehung. Raven ist ihre Tochter, die überwacht lebt und nicht hinaus darf, weshalb sie zutiefst frustriert ist. Falco ist ein dominant fieser Mann, unter dem seine Frau Sloane seit vielen Jahren leidet, was sie zum Alkohol greifen ließt. Der Song, den Verkaik und Melcher singen, markiert in der Mitte vom 2. Akt einen Wendepunkt im Stück. Die Beziehung zwischen den ehemaligem Liebespaar ist an einem Tiefpunkt und Sloane bringt den Mut auf, zu sagen: »Bis hierhin und nicht weiter.«
Das Duett ist auf keinem Album veröffentlicht, sondern wurde von Jim Steinman eigens für das Musical geschrieben.
Robert Emery betont, dass das, was die Besucher hören werden, keine Performance on Stage ist, sondern eine Workshopsituation, in der er auf den Umgang mit der deutschen Sprache und korrektes Singen achtet. »Because this is my job.« Während der musikalischen Arbeit dringt er darauf, dass beide »with one voice« singen – mit beeindruckendem Ergebnis.

In Szene 4 treffen die Besucher auf Aisata Blackman (Zahara) und Benét Monteiro (Jagwire), die, wiederum mit Robert Emery, an dem Titel ›Für dich steht es zwei zu drei‹ (›Two Out of Three Ain’t Bad‹) arbeiten. Jagwire liebt Zahara und kommt, obwohl es gefährlich ist, zu Falcos Haus. Zahara mag ihn, wurde von ihrer großen Liebe aber enttäuscht und hat keine Hoffnung. Deshalb erlaubt sie sich nicht, ihn zu lieben.

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