Willkommen »Bodyguard« in Stuttgart

Einblicke in die technischen Abläufe und Vorstellung der Hauptdarsteller inklusive szenischer Probe

Blick von der Technik auf die Bühne mit Einbau der Szenenwände 1/2Foto: Ingrid Kernbach

Blick von der Technik auf die Bühne mit Einbau der Szenenwände 1/2
Foto: Ingrid Kernbach

Einbau der Szenenwände 2/2Foto: Ingrid Kernbach

Einbau der Szenenwände 2/2
Foto: Ingrid Kernbach

»Bodyguard« feiert am 28. September 2017 in Stuttgart Premiere.

Noch gleicht der Theatersaal einer großen Baustelle, doch bereits in 2 Wochen ist die Premiere von »Bodyguard« in Stuttgart geplant. Und dieser Termin, so versprach der Associate Producer (auf gut Deutsch: der Produktionsleiter) Hans Rausch den anwesenden Vertretern der Presse, würde auch eingehalten.
Doch ein bisschen anzweifeln ließ der Anblick des Theatersaals diese Aussage schon. Noch wird an allen Ecken und Ende umgebaut. So wurde auch der Orchestergraben verschlossen – das Orchester wird in einem extra Raum hinter der Bühne sitzen – und dafür müssen auch die Reihen versetzt werden.
Auf der Bühne wurden riesige Schiebewände eingebaut. Um diese zu bewegen, wurden die neue Stahlseile eingezogen – insgesamt 3 ½ km. Mit den Umbauarbeiten wurde direkt nach dem Auszug der Vampire begonnen; gearbeitet wird rund um die Uhr – tagsüber mit 24 Leuten, nachts immerhin noch mit 14. Die Wände, 12 Meter lang und 2,60 Meter hoch, trennen die einzelnen Szenen. Denn während man im Film die Möglichkeit hat, einzelne Szenen zu schneiden, ist dies auf der Musicalbühne nicht möglich. Also suchte man eine Möglichkeit, den Szenenwechsel optisch darzustellen.

Der sogenannte »Toaster« – ein Aufzug, 70x70cm

Der sogenannte »Toaster« – ein Aufzug, 70x70cm

Das spektakulärste Teil ist – für die Besucher unsichtbar – der sogenannte »Toaster« – ein Aufzug, 70x70cm breit, der die Darsteller von der Unterbühne mit einer Geschwindigkeit von 4m pro Sekunde (das ist etwa so schnell wie der Aufzug im Stuttgarter Fernsehturm) von der Unterbühne auf die Bühne katapultiert. Für den Darsteller, der mit dem »Toaster« auf der Bühne erscheint, erfordert dies totale körperliche Fitness. Aber nicht nur das: Da der Einstieg in den »Toaster« in der Unterbühne sehr niedrig und eng ist, darf man auch keine Platzangst haben. Und von diesen – man könnte auch sagen Expressaufzügen – gibt es gleich 2.

Die NebelmaschineFoto: Ingrid Kernbach

Die Nebelmaschine
Foto: Ingrid Kernbach

Stuttgart erforderte auch einige bauliche Veränderungen gegenüber der Kölner Version, denn dort ist, man kann es kaum glauben, wenn man das Palladium Theater kennt, die Bühne 6 Meter breiter. Doch im großen und ganzen wurden die Bühnenteile mit insgesamt 22 LKW aus Köln nach Stuttgart gebracht.

Neben dem blitzartigen Erscheinen wird es noch eine weitere technische »Meisterleistung« geben, an der noch fleißig getestet wird. Dies ist eine Nebelwand, die quasi wie eine Mauer stehen soll. Doch dies perfekt hinzubekommen, wird sicher nicht ganz leicht, da es im Theater ja wechselnde Temperaturen gibt. Um die chemische, aber nicht gesundheitsschädigende, Nebelwand (wie der Technical Supervisor Benjamin Neuen erläuterte) zu erzeugen, bedarf es riesiger Industriegeneratoren und Rohre, die ebenfalls unter der Bühne eingebaut wurden. Und genau so schnell wie die Nebelwand stehen soll, soll sie natürlich auch wieder verschwinden. Wir dürfen gespannt sein, wie das alles klappt, denn das wird für die technische Abteilung sicher eine große Herausforderung.

Tanzszene ›Queen of the Night‹ mit Aisata Blackman (hinten) und ihren Rachels TänzernFoto: Ingrid Kernbach

Tanzszene ›Queen of the Night‹ mit Aisata Blackman (hinten) und ihren Rachels Tänzern
Foto: Ingrid Kernbach

Ein Teil des Ensembles von »Bodyguard« auf der ProbebühneFoto: Ingrid Kernbach

Ein Teil des Ensembles von »Bodyguard« auf der Probebühne
Foto: Ingrid Kernbach

Jadran Malkovich und Aisata BlackmanFoto: Ingrid Kernbach

Jadran Malkovich und Aisata Blackman
Foto: Ingrid Kernbach

Von der Hinterbühne ging die Führung weiter zur Probebühne, wo uns der künstlerische Leiter, Alexander Grünwald, mit den Darstellern erwartete.

Das Ensemble besteht aus 31 Mitwirkenden, wobei darunter einige Tänzer aus England sind. Es wurde uns erklärt, dass in dem Musical »Bodyguard« offenbar Tanzrichtungen gefordert sind, für die man hier keine Tänzer finden konnte. Da diese Tänzer auch nicht sprechen, sondern nur tanzen müssen, wird es keine Verständigungsprobleme – auch für die Zuschauer – geben.

Stuttgarts Hauptdarstellerin des Superstars Rachel Marron (im Film Whitney Houston) ist Aisata Blackman. Die in Holland geborene Darstellerin mit karibischen Wurzeln wurde in Deutschland durch die TV-Show »The Voice of Germany« bekannt, spielte dann in »Rocky« in Stuttgart ein Apollo-Girl und bei »Sister Act« in Berlin die Deloris van Cartier.

Doch während im Film nur 4 Whitney-Houston-Songs zu hören sind, sind es im Musical »Bodyguard« insgesamt 14! Mit ›Queen of the Night‹ lieferten uns Blackman und die Tänzer einen ersten Eindruck davon, wie temperamentvoll und ausdrucksstark die Tanz- und Gesangsszenen werden.

Für eine gespielten Szene aus dem Musical kamen dann eben Aisata Blackman noch Ivan Jurcevic, Markus Maria Düllmann, Zodwa Selele (die die Schwester von Rachel spielt) und Gabriel M. Skowerski auf die Bühne: Rachel, gerade dabei, eine Banane mit dem Messer, zu zerteilen, streitet sich mit ihrem Manager. Sie möchte in einem Nachtclub auftreten, doch der hinzugerufene Bodyguard, Jadran Malkovich, verbietet es.

Szenenfoto mit Ivan Jurcevic, Zodwa Selele, Aisata Blackman, Markus Maria Düllmann und Gabriel M. SkowerskiFoto: Ingrid Kernbach

Szenenfoto mit (v.l.) Ivan Jurcevic, Zodwa Selele, Aisata Blackman, Markus Maria Düllmann und Gabriel M. Skowerski
Foto: Ingrid Kernbach

Für den in Leverkusen geborenen Schauspieler Jadran Malkovich, der heute in London lebt, ist »Bodyguard« die erste Musicalrolle, welche er schon in Köln gespielt hat. Er selbst gesteht lachend, dass er auch schon mal ein Problem mit Stalkern hatte, will aber dazu nicht näher Stellung nehmen.
Denn die Geschichte von »Bodyguard« handelt von dem Superstar Rachel Marron, die von einem Stalker verfolgt wird und daraufhin einen Bodyguard engagiert. Dass Bodyguard und Superstar nicht immer einer Meinung sind, ist klar. Und so kommt es zu Streitigkeiten. Doch zu guter Letzt verlieben sich die beiden ineinander. Ob sie sich am Ende »bekommen« bleibt, genau wie im Film, offen.
Mit dabei ist auch Zodwa Selele als Rachels Schwester Nicki Marron, die sich freut, nach längerer Pause wieder in Stuttgart spielen zu dürfen. Sie spielte 2012 hier »Sister Act«, war danach in vielen weiteren Produktionen zu sehen, zuletzt in »Der Ring« von Frank Nimsgern in Hof und »Hair« in Mannheim.

Für alle, die eine große Show (alleine die vielen schönen Paillettenkleider der Hauptdarstellerin sind ein Hingucker) und eine Liebesgeschichte mögen, aber vor allem für alle Whitney-Houston-Fans ist »Bodyguard« ein echtes MUSS. Whitney Houston, die mit dem Film »Bodyguard« an der Seite von Kevin Costner 1992 ihr Leinwanddebüt gab, ertrank auf tragische Weise 2012 in der Badewanne eines Luxushotels. Doch mit dem Lied ›I Will Always Love You‹ ist sie für immer unsterblich geworden.

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