Miss Saigon

Saigon, du fieberst im Licht!

MusikClaude-Michel Schönberg
Buch und LiedtexteRichard Maltby Jr.
Buch und LiedtexteAlain Boublil
Original TitelMiss Saigon
VorlagePuccini-Oper 'Madame Butterfly'
Uraufführung Am 20. September 1989 im Theatre Royal Drury Lane, London (UK)
Broadway-Premiere Am 11. April 1991 im Broadway Theatre, New York (USA)
Deutschsprachige Erstaufführung & Deutsche Erstaufführung Am 2. Dezember 1994 in der Musical-Hall (heute Apollo Theater) in Stuttgart
Schweizer Erstaufführung Am 8. Februar 2003 im Theater St. Gallen (CH)
Österreichische Erstaufführung Am 3. Februar 2011 im Stadttheater Klagenfurt (AT)
Miss Saigon (Klagenfurt 2011)
Deutsche ÜbersetzungHeinz Rudolf Kunze

Produktionen

Handlung

Der amerikanische GI Chris verliebt sich 1975 während der letzten Wochen des Vietnamkriegs in Saigon in die Nachtclubtänzerin Kim, die ihm doch eigentlich nur den Frust seiner Stationierung vergessen lassen sollte. Ihre Liebesbeziehung wird jäh unterbrochen, als der Vietcong die Stadt erobert und alle amerikanischen Soldaten abgezogen werden. Zurück bleibt Kim, die ums Überleben kämpfen muss und als Geliebte eines amerikanischen Offiziers keinen leichten Stand hat. Einige Zeit später bringt sie ihren Sohn Tam zur Welt und gerät mit Thuy, dem sie ehemals versprochen war, aneinander, der im Zorn das Kind töten will. Um Tam zu schützen, erschießt sie den inzwischen hohen Soldaten des Vietcong und flieht mit dem Chef-im-Ring, dem ehemaligen Barbesitzer aus Saigon und anderen „Boatpeople“ nach Bangkok. In seiner Heimat versucht Chris, das Trauma des Krieges und den Verlust seiner „Miss Saigon“ zu verarbeiten, indem er eine andere Frau heiratet. Als er jedoch über seinen Freund Johndavon erfährt, dass Kim lebt und ihm einen Sohn geboren hat, macht er sich mit seiner Frau Ellen und John, der sich um die Kinder der amerikanischen Soldaten in Vietnam (verächtlich „Bui Doi“ genannt) kümmert, auf die Suche nach Mutter und Kind. Bei ihrem Wiedersehen erkennt Kim, dass es für sie und ihren ehemaligen Geliebten keine gemeinsame Zukunft in Amerika geben kann. Sie begeht Selbstmord, um einer Zukunft für Tam in Amerika nicht im Weg zu stehen.

Historie

  • Grundlage: Französische Novelle ‚Madame Chrysanthemum‘ von Pierre Loti, die auch Grundlage der Giacomo Puccini-Oper ‚Madame Butterfly‘ ist. Die Autoren Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg verlegten die Liebesgeschichte zwischen dem französischen Offizier und der Geisha in die Zeit des Vietnamkrieges.
  • 20. September 1989: Uraufführung des Musicals ‚Miss Saigon‘ von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg im Theatre Royal Drury Lane, London (UK) unter Regie von Nicholas Hytner, mit Lea Salonga als ‚Kim‘, Simon Bowman als ‚Chris‘ und Jonathan Pryce als ‚Engineer‘ (Chef-im-Ring)
  • 1990: Lea Salonga erhielt den Laurence Olivier Award als „Beste Darstellerin“, nach der Broadway-Premiere 1991 kamen Tony Award, Drama Desk Award und Theatre World Award dazu.
  • 11. April 1991: Amerikanische Erstaufführung im Broadway Theatre, New York (USA) unter Original-Regie mit Lea Salonga als ‚Kim‘, Willy Falk als ‚Chris‘ und Jonathan Pryce als ‚Engineer ‚(Chef-im-Ring)
  • 30. April 1991: Gesamtaufnahme als Doppel-CD mit der Original London-Cast
  • 1991: Unter den zahlreichen Nominierungen für den Tony Award war „Bestes Musical“, „Bestes Buch“, „Beste Partitur“, „Bestes Bühnenbild“, „Beste Lichtgestaltung“, „Beste Choreographie“, „Beste Regie“; Tony Awards gewannen: Jonathan Pryce (Bester Hauptdarsteller), Lea Salonga (Beste Hauptdarstellerin), ‚John‘-Darsteller Hinton Battle (Bester Nebendarsteller)
  • 1992-1994: Tour durch die USA
  • 1993: Premiere in Toronto in Canada mit Ma-Anne Dionisio als ‚Kim‘, H.E. Greer als ‚Chris‘ und Kevin Gray als ‚Engineer‘ (Chef-im-Ring)
  • 2. Dezember 1994: Deutschsprachige Erstaufführung in der Musical-Hall (heute Apollo Theater) in Stuttgart unter Regie von Mitchell Lemsky mit Aura Deva als ‚Kim‘, Uwe Kröger als ‚Chris‘ und Raymond Sepe als ‚Chef-im-Ring‘
  • 7. Februar 1994: Highlights der London Cast-Aufnahme mit Lea Salonga, John Borowman und Jonathan Pryce
  • 19. Juni 1995: Highlight-Aufnahme der deutschsprachigen Erstaufführung mit der Stuttgarter Cast
  • 27. November 1995: Doppelalbum mit Castmitgliedern aus verschiedenen Produktionen: Joanna Ampil als ‚Kim‘, Peter Cousens als ‚Chris‘ und Kevin Gray als ‚Engineer'(Chef-im-Ring)
  • 22. Januar 1998: Schwedische Erstaufführung im Göta Lejon in Stockholm (S) mit  Divina Sarkany/Kristina von Kern als ‚Kim‘, Niklas Andersson als ‚Chris‘ und Stefan Sauk als ‚Fixarn‘ (Chef-im-Ring)
  • 2001-2003: Tour der Original-London-Fassung durch United Kingdom und Irland
  • 8. Februar 2003: Schweizer Erstaufführung im Theater St. Gallen unter Regie von Matthias Davids, mit Ruby Rosales als ‚Kim‘, Jesper Tydén als ‚Chris‘ und James Sbano als ‚Engineer‘ (Chef-im-Ring)
  • 2002-2005: Tour durch den Norden der USA
  • 20. Juli – 27. August 2005: Aufführung bei den Thuner Seespielen (CH) unter Regie von Ueli Bichsel mit  Ruby Rosales als ‚Kim‘, Martin Pasching als ‚Chris‘ und Sergio-Maurice Vaglio als ‚Chef-im-Ring‘
  • 2004-2006: UK-Tour mit reduzierter Ausstattung und Besetzung, so dass auch in kleineren Theatern gespielt werden konnte
  • 2009: Ankündigung einer Filmfassung für 2011
  • 2010: Revival in Toronto in Canada mit Ma-Anne Dionisio als ‚Kim‘, Aaron Ramey als ‚Chris‘ und Kevin Gray als ‚Engineer‘ (Chef-im-Ring)
  • 3. Februar 2011: Österreichische Erstaufführung im Stadttheater Klagenfurt unter Regie von Matthias Davids, mit Kun Jing als ‚Kim‘, Carsten Lepper als ‚Chris‘ und Daniel Eriksson als ‚Engineer‘

Musiktitel

AKT 1 AKT 2
OUVERTÜRE
(Chef-im-Ring, Barmädchen)
ENTR’ACTE
(instrumental)
SAIGON, DU FIEBERST IM LICHT
(Gigi, Kim, Soldaten, Barmädchen)
BUI-DOI
(John)
MEIN MÄRCHENFILM VOM GLÜCK
(Gigi, Kim, Barmädchen)
DIE ENTHÜLLUNG
(Chris, John)
TANZ VON KIM UND CHRIS
(Chris, Kim)
IST’S DAS WERT?
(Chef-im-Ring, Kim)
MEIN GOTT, WARUM?
(Chris)
IST DIE REISE BALD VORBEI?
(Kim, John)
DIES GELD IST DEINS
(Chris und Kim)
CHRIS IST HIER? / KIMS ALPTRAUM
(Kim, Chef-im-Ring, Thuy)
SONNE UND MOND
(Chris und Kim)
DER FALL VON SAIGON
(Chris, John, Kim)
TELEFON-SONG
(Chris, John)
SONNE UND MOND Reprise
(Kim)
DER DEAL
(Chef-im-Ring, Chris)
ZIMMER 317
(Kim, Ellen)
DJU VUI VAI
(Barmädchen, Kim)
ICH KAM UND SAH SIE
(Ellen)
DU HIER
(Thuy, Kim)
DIE KONFRONTATION
(Chris und Ellen)
DIE LETZTE NACHT DER WELT
(Chris und Kim)
THE AMERICAN DREAM
(Chef-im-Ring)
DIE DÄMMERUNG DES DRACHENS / DER FALL VON MISS SAIGON
(Thuy, Soldaten, Vietnamesen)
KLEINER GOTT MEINES HERZENS / DIES IST DIE STUNDE Reprise
(Kim)
ICH GLAUB‘ AN DICH
(Kim und Ellen)
FINALE
(Chris und Kim)
THUYS TOD / DIES IST DIE STUNDE
(Kim, Thuy)
TJA, WER STIRBT NICHT GERN IM BETT
(Kim, Chef-im-Ring)
EIN PASS IN MEINER HAND
(Chef-im-Ring)
ICH GÄB‘ MEIN LEBEN HER FÜR DICH
(Kim)

Kulturhistorischer Hintergrund

„Bui Doi“ bezeichnet auf Vietnamesisch Straßenkinder, die vor allem der Beziehung einer vietnamesischen Frau mit einem amerikanischen Soldaten während des Vietnamkrieges entstammen. Sie sind „ungeschützt“ und deshalb poetisch gesprochen der „Staub des Lebens“ oder „Lebender Staub“. Im Deutschen ist ein adäquater Ausdruck, der einen solch armen rechtlosen Menschen bezeichnet, der Begriff „vogelfrei“, der im Mittelalter Menschen meint, die kein Herr, keine Kirche und kein Grundherr schützt. Sie kann jemand töten, ohne bestraft zu werden. Die Kinder eines amerikanischen Vaters und einer asiatischen Mutter galten automatisch als Kind aus einer sexuellen Beziehung zwischen einem GI und einer Prostituierten und hatten es als Ausgestoßene der vietnamesischen Gesellschaft sehr schwer. 1988 entschied der ‚American Homecoming Kongress, dass die amerikasischen Kinder ein Visum beantragen konnten, um nach Amerika einzureisen – unter der Voraussetzung, dass sie alleine kamen und Verwandte in Amerika hatten. Dieser Paragraph des amerikanischen EInwanderungsgesetzes führte zu einer Imigrationswelle von 23.000 Menschen nach Amerika. Auch Geschäfte wurden mit dem Schicksal der amerasischen Kinder gemacht.

Heute wird der Begriff „Bui Doi“ in Amerika missbraucht. Er bezeichnet vietnamesische und amerasische Imigranten, die in kriminelle Delikte verwickelt sind. Wenn man im Internet das Thema recherchiert, gerät man in die Gefahr auf Seiten zu landen, die den Sex mit als „Bui Doi“ bezeichneten Mädchen anbieten. Hier wird der Begriff als Lockmittel verwendet.

Nicht nur ein zeitkritisches Musical wie ‚Miss Saigon‘, sondern auch Filme wie ‚Bui Doi‘ (2001) oder ‚The Beautiful Country‘ (2004) haben auf das Schicksal der Kinder des Vietnam Kriegs aufmerksam gemacht.

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