Mar i Cel

»Mar i Cel« von Xavier Bru de Sala (Buch) und Albert Guinovart (Musik)

MusikAlbert Guinovart
Buch & LiedtexteXavier Brut de Sala
Original TitelMar i Cel
VorlagePoetisches katalanisches Theaterstück »Mar y Cielo« (1888) von Àngel Guimerà y Jorge
Uraufführung Am 7. Oktober 1988 im Teatre Victòria in Barcelona (ES) durch die Dagoll Dagom Company, unter Regie von Joan Lluís Bozzo
Deutschsprachige Erstaufführung & Deutsche Erstaufführung Am 16. März 2007 an der Oper Halle unter Regie von Hartmut H. Forche
Mar i Cel (Halle 2007)
Deutsche ÜbersetzungHartmut H. Forche
Deutsche ÜbersetzungJaime Roman-Briones
Verlag Gallissas Theaterverlag und Medienagentur Berlin

Produktionen

Handlung

Das Musical erzählt die Geschichte zweier Liebenden, die – über die Kluft unversöhnlich gegenüberstehender Religionen und Kulturkreise hinaus – versuchen, zueinander zu finden, sich zu vereinen wie der Himmel und das Meer. Doch aussichtslos und nur in weiter Ferne am Horizont sehen sie eine Perspektive, in der das Meer und der Himmel verschmelzen. Mit diesem Prinzip Hoffnung entlässt im Epilog das Ensemble den Zuschauer: Zuvor hat es uns mitgenommen auf eine exotische Reise an Bord eines Piratenschiffs, wo unbändiger Freiheitswille und christliche Moral aufeinanderstoßen und Blanca, die Tochter des Valencianers Carlos, etwas lernt über die Unbarmherzigkeit, mit der im Namen Gottes Andersgläubige aus dem Land vertrieben werden.

Der hasserfüllte Piratenkapitän Saiid sieht in den verstehenden Augen Blancas Nächstenliebe und lenkt gegen jede Piratenehre sein Schiff um nach dem damaligen spanischen Djerba und will die gefangenen Christen nicht mehr in Algier ausliefern. Durch den Verrat Joanots, halb Christ, halb Muslim, kommt es zum Kampf, bei dem die Christen die Piraten besiegen. Blanca folgt Saiid in den Tod, als er hinterrücks von ihrem Vater erschossen wird. Betroffen bleiben die Christen zurück, die Toten mahnen und das Meer erzählt die Geschichte von der unsterblichen Liebe von Blanca und Saiid.

Quelle: Gallissas Theaterverlag

Kulturhistorischer Hintergrund

Hintergrund des historischen Dramas bildet die Rückeroberung Spaniens durch die Christen (Reconquista) und die damit verbundene nachfolgende spanische Inquisition. Nie war die ganze iberische Halbinsel muslimisch gewesen, im Nordwesten gab es immer Widerstand gegen die muslimischen Eroberer. Die kulturellen Zentren des maurischen Spanien waren Granada, Sevilla, Cádiz und Cordoba. Hier blühte die Wissenschaft von Theologie, Philosophie und Mathematik an Universitäten und Bibliotheken. Es gab eine hochentwickelte andalusische Architektur und u. a. Errungenschaften wie ein besonderes Bewässerungssystem, das Andalusien in einen blühenden Paradiesgarten verwandelte. Zwischen der muslimischen, jüdischen und christlichen Bevölkerung hatte sich ein kulturell vielfältiges Zusammenleben entwickelt.
Nach und nach gelang es den durch Heirat vereinigten christlichen Reichen von Kastilien-Léon und Aragon im Laufe des 13. Jahrhunderts unter Ferdinand III., der später für die Re-Christianisierung Spaniens den Titel »der Heilige« erhielt, die islamischen Kulturzentren Cordoba, Sevilla und 1492 auch Granada zu erobern und zu christianisieren. Christen und Juden hatten unter der muslimischen Herrschaft eine klare Stellung vor dem Gesetz. Sie waren Schutzbefohlene, durften gegen eine Abgabe ihren Glauben behalten und waren vor Willkür geschützt. Zunächst schien es, als würden die christlichen Herrscher diese »Toleranz« beibehalten. Nach dem Fall von Granada wurde die freie Religionsausübung den Muslimen sogar vertraglich zugesichert. Rechtliche Gleichstellung jedoch sollte nur mit einem Übertritt zum christlichen Glauben verbunden sein. Das führte dazu, dass zahlreiche Muslime und auch Juden konvertierten. Man benötigte die Einheimischen, weil ohne die muslimischen Händler, Handwerker und Bauern das Land wirtschaftlich zusammengebrochen wäre. Das Ende des blühenden Andalusiens und die Trennung zwischen den Kulturen ging mit der Inquisition einher. Es kam zwischen 1499 und1500 zu Bücherverbrennungen, bei denen unschätzbares Wissen verloren ging, weil dem spanischen Großinquisitor Kardinal Jiménez de Cisneros (1436-1517), dem Erzbischof von Toledo und ersten Kirchenmann Spaniens, die arabische Sprache als Sprache der Ketzer ein Dorn im Auge war. Er verschonte allein die medizinischen Werke. Eine große Anzahl Muslime und auch Juden wurden zwangsgetauft. Damit erhielten sie aber nicht die gleichen Rechte wie die spanischen Christen. Man bezeichnete sie als »Moriscos« und »Conversos«. Die Inquisition befahl Progrome gegen die, die sich widersetzen. So wurde in Granada die Moschee in die Luft gesprengt, nachdem dort muslimische Familien Zuflucht gesucht hatten. Wer auswandern wollte, musste eine Ablösesumme zahlen und verlor buchstäblich alles. Auf Veranlassung des Habsburgers Philipp III. von Spanien (1598–1621) wurden seit 1609 auch die muslimischen und jüdischen Neurchristen vertrieben. Die Mehrzahl der aus Andalusien vertriebenen Juden und Muslime siedelten sich in Marokko an, wo sie in eigenen Vierteln lebten und ihre andalusische Tradition hochhielten. Bis heute erheben sie rechtlichen Anspruch auf ihren damaligen Besitz, und inzwischen haben Muslime begonnen, Land aufzukaufen und andalusische Autonomie-Bewegungen zu unterstützen.
Vor diesem Hintergrund treffen im Stück der muslimische Pirat Saiid, dessen Familie vertrieben und dessen Eltern ermordet wurden, und die adelige Christin Blanca aufeinander, deren Vater im Dienst von Philipp III. steht.

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