Hinterm Horizont

»Hinterm Horizon« von Udo Lindenberg (Musik / Liedtexte) und Thomas Brussig (Buch), nach einer Idee von Udo Lindenberg und Ulrich Waller

Musk / Liedtexte / IdeeUdo Lindenberg
Buch Thomas Brussig
IdeeUlrich Waller
Original TitelHinterm Horizont
Vorlage»Hinterm Horizon« basiert auf den Liedern von Udo Lindenberg und ist teilweise autobiographisch. So gab es das 'Mädchen aus Ostberlin' wirklich
Uraufführung Am 13. Januar 2011
Hinterm Horizont (Berlin 2011)
Verlag Stage Entertainment

Produktionen

Handlung

Berlin 2010. Mareike ist Boulevard-Journalistin und auf Recherche. Eine rätselhafte Umarmung ist ihr Auftrag. Dabei handelt es sich um Film- und Fotoaufnahmen von Udo Lindenberg und einem Mädchen. Sie muss herausfinden, was hinter dem Foto von 1983 steckt: Udo, Arm in Arm mit einem FDJ-Mädchen.

Mareikes Recherchen führen sie in den Osten der Stadt, in eine einfache Wohnung. Ein einfacher Plattenbau in Grau. Hier hofft sie auf die große Story: Das Mädchen aus Ost-Berlin. Vielleicht Udo´s Mädchen? Mareike trifft auf Jessy Schmidt. Sie ist 40, Hausfrau, Ehefrau und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Journalistin Mareike wird schnell zur Freundin, und Jessy erzählt ihre Lebensgeschichte. Gemeinsam blicken die beiden zurück auf das Jahr 1983: Deutschland besteht aus zwei Staaten. Jessy ist 17, Mitglied in der FDJ und  lebt in Ost-Berlin mit ihrem Vater und ihrer Mutter, dem Bruder Elmar und Freund Marco, einem Hammerwerfer und angehendem Volksheld. Ihr Bruder Elmar ist Udo-Fan.

Im Oktober kommt Rocksänger Udo Lindenberg mit seinem Panik-Orchester nach Ost-Berlin fürs Friedenskonzert im Palast der Republik. Die Genossen wollen mit Udo feiern, und auch das Volk will Udo feiern. Doch Udo will mehr: „Weg mit allem Raketenschrott in der Bundesrepublik und in der DDR.“ Die Stasi protokolliert das und entdeckt ein neues Feindbild. Udo aber entdeckt die große Liebe, in einem Mädchen aus dem FDJ-Chor, welche ihm die Blumen übergibt. Zwischen beiden funkt es. Doch Udo kommt aus Gronau und Jessy aus Pankow … Zurück zu Hause: Jessy hat Udo Lindenberg getroffen und ist frisch verliebt. Ihr Bruder allerdings traf nur auf die Staatsgewalt. Er wurde beim Versuch, den großen Udo zu sehen verletzt. Wie viele andere, mitten in Berlin. Auch in der Familie wächst eine Mauer. Die Eltern systemtreu; die Kinder wollen etwas anderes.

Zeitgleich berät sich das Regime in der eigentlichen Machtzentrale der DDR. Genosse Minister und seine Stasi sind nicht dumm – Udo löst Panik aus und verbreitet Fieber. Der neue Feind wird analysiert. Gegen Udos fanatisch-anarchistische Lässigkeit wird eine Waffe gesucht: Ein zweiter Udo – stasigelenkt. Die Operation „Lederhose“ läuft nun an. Jessy aber übt sich in der Operation „Große Liebe“. Ihre Waffe: Ein Liebesbrief an Udo. Mit Hilfe ihres Bruders Elmar als Kurier soll dieser von Ost nach West gelangen. Am Tränenpalast endet seine Reise aber vorzeitig. Elmar landet im Knast und der Brief bei der Stasi.

Genosse Minister veranstaltet derweil ein Udo Doppelgänger Casting. Doch dabei kommt nichts heraus, der Minister wird beleidigt und die Stasi kapituliert schlussendlich. Denn Udo gibt’s nur einmal.Während Elmar in der Zelle sitzt, erhält Jessy „Staatsbesuch“ zu Hause. Die Stasi will Infos über Udo und Jessy als ihren Lockvogel. Der Liebesbrief wird ihr zum Verhängnis, ihr Bruder sitzt im Knast, und ihre Eltern könnten ebenfalls in Schwierigkeiten geraten — Jessy hat keine Wahl und unterschreibt. Aus dem Knast entlassen, wird Elmar schnell zum Republik-Flüchtling. Jessy allerdings ist nun Stasi-Köder und versinkt in der Spitzelbürokratie. Bis eine Nachricht sie rettet: Udo kommt nach Moskau. Auf dem Roten Platz will sie ihre große Liebe wiedersehen. Das große Glück für einen kleinen Moment. In Rossijas Zarensuite verbringen sie ihre einzige Nacht. Einige Monate später ist Jessy zurück im DDR-Alltag und schwanger. Marco wird ihr Mann, und Udo ist weit weg, aber ihre Freiheit auch. Der Staat fordert Loyalität, aber Jessy will nur eines: die Ausreise. Sie resigniert, während in Ungarn der eiserne Vorhang fällt.

9. November 1989. Jessys Sohn Steve ist zwei Jahre alt, und der Tag beginnt wie immer. Aber er endet in Freiheit, denn die Mauer fällt. Wenig später steigt in der Deutschlandhalle ein großes Konzert mit Udo und Jessy muss da hin.Beim Konzert in West-Berlin wird Udo von der Stasi gestellt. Die „Controllettis“ wollen ihm seine eigene Stasi-Akte verkaufen und enttarnen nebenbei auch noch Jessy als deren Spitzel. Kurz darauf stehen sich die beiden gegenüber. Das FDJ-Mädchen und der Volksrebell. Zwei Sätze, ein letzter Blick und sie gehen auseinander.

Udo ist für Jessy jetzt endgültig Vergangenheit.

Ende des Rückblicks: Jessy und Mareike sitzen noch immer in der Ost-Berliner Wohnung.

Historie

  • Grundlage: ‚Hinterm Horizont‘ basiert auf den Liedern von Udo Lindenberg und ist teilweise autobiographisch. So gab es das ‚Mädchen aus Ostberlin‘ wirklich
  • 2006: Beginn der Entwicklung des Musicals. Das Buch schreibt Thomas Brussig, bekannter Schriftsteller und Drehbuchautor, von ihm stammt auch das Drehbuch zum Film ‚Sonnenallee‘
  • Juli 2010: erste Vorstellung eines Konzeptes der Stage Entertainment in Hamburg
  • 13. Januar 2011: Welturaufführung des Musicals ‚Hinterm Horizont‘ im Theater am Potsdamer Platz in Berlin als Kooperation von Stage Entertainment und dem St. Pauli Theater in Hamburg, unter Regie von Ulrich Waller, mit Serkan Kaya als ‚Udo Lindenberg‘ und Josephin Busch als ‚Jessy jung‘ und Anika Mauer als ‚Jessy alt‘

Musiktitel

AKT 1 AKT 2
PROLOG MOSKAU
MÄDCHEN AUS OST BERLIN ICH SCHWÖRE
SIE IST 40 HINTERM HORIZONT
BOOGIE-WOOGIE-MÄDCHEN HINTERM HORIZONT Reprise
ROCK’N’ROLL ARENA IN JENA ALLES DAS BIST DU FÜR MICH
ICH TRÄUME OFT DAVON, EIN SEGELBOOT ZU KLAUEN WENN DU DURCHHÄNGST
VOM FRIEDEN SINGEN UNSRE LIEDER SEID WILLKOMMNEN IN BERLIN
ODYSSEE ICH LIEB DICH ÜBERHAUPT NICHT MEHR
BIS ANS ENDE DER WELT ALLES IM ARSCH
ICH BIN ROCKER MR. NOBODY
GEGEN DIE STRÖMUNG ANDREA DORIA
STRASSEN-FIEBER WAS HAT DIE ZEIT MIT UNS GEMACHT
RADIOSONG GANZ ANDERS
BRIEFÜBERGABE HINTERM HORIZONT Reprise
REEPERBAHN
GUTEN TAG, ICH HEISSE SCHMIDT
VERBOTENE STADT
GITARREN GEGEN KNARREN
SONDERZUG NACH PANKOW
DAUMEN IM WIND

Kulturhistorischer Hintergrund

Als Udo Lindenberg 1975 seinen Song Rock-Arena in Jena veröffentlicht und darin von einem Rockkonzert in der DDR träumt, ahnen die Funktionäre im Osten bereits, dass er einen Autritt in der DDR organisieren will. Bereits drei Jahre zuvor wird in der ‚Akte Lindenberg‘ alles penibel von Seiten der Staatssicherheit protokolliert.

Die Lindenberg-Fangemeinde im Osten wird jedoch stetig größer, und eine ganze Generation Jugendlicher will dem tristen, sozialistischen Alltag mit Udo-Liedern entfliehen. Für die allermeisten SED-Genossen ist und bleibt ein Auftritt des Weststars jedoch undenkbar. Als Udo Lindenberg Anfang 1983 das Lied Sonderzug nach Pankow veröffentlicht, scheint jede Chance auf einen Auftritt in der DDR endgültig dahin. Dieses Lied, das sich direkt an den Generalsekretär Erich Honecker richtet, empfinden viele Genossen als Beleidigung und Verhöhnung. Doch Lindenberg lässt nicht locker. Dass er sich aber auch gleichzeitig in der westdeutschen Friedensbewegung engagiert, macht ihn nun aber auch für die Kulturfunktionäre der DDR interessant. Und im Sommer 1983 eröffnet sich dann doch tatsächlich eine Möglichkeit, mit der SED ins Gespräch zu kommen.

Im Rahmen eines FDJ-Friedenskonzertes mit Künstlern aus aller Welt, wird Udo Lindenberg vom FDJ-Chef Egon Krenz eingeladen, im Palast der Republik vier seiner Lieder zu spielen. Lindenberg knüpft seine Zusage aber an die Bedingung, dass ihm eine Tournee durch die DDR gewährt wird. Nach kurzer Verhandlungszeit ist man sich dann doch einig. Udo bekommt seine DDR-Tournee, Egon Krenz dafür Udo Lindenberg im Palast der Republik. So kommt es am 25. Oktober 1983 zu jenem denkwürdigen Auftritt vor ausgesuchtem FDJ-Publikum. Die wahren Udo-Fans harren unterdessen zu Hunderten vor dem Palast der Republik aus. Nur für einen kurzen Moment entschlüpft Udo seinen Aufpassern und nimmt ein Bad in der jubelnden Menge. Später kommt es zu tumultartigen Szenen, bei denen die Fans zurückgedrängt, ja teilweise verhaftet und zusammengeschlagen werden. Udo Lindenberg erfährt erst viel später, nach dem Fall der Mauer, von dem wahren Ausmaß der Stasiüberwachung und der staatlichen Übergriffe.

Es sollte sein einziger Auftritt in der DDR bleiben. Denn da er sich mitten auf der Bühne gegen die Stationierung von Atomraketen in West und Ost aussprach, wurde seine Tournee wieder abgesagt.

Bei diesem historischen Auftritt lernt Udo Lindenberg das ‚Mädchen aus Ostberlin‘ kennen, ein FDJ-Mädchen namens ‚Jessy‘.

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