»Ich will in keine Schublade passen«

Interview mit Andreas Bieber anlässlich des Musicals »Die Weihnachtsbäckerei«

Andreas Bieber
Foto: Fanny Hoffmann

blickpunkt musical: Dieses Jahr wird Weihnachten mit »Die Weihnachtsbäckerei« eingeläutet. Was bedeutet Weihnachten für Sie?

Andreas Bieber: Weihnachten mochte ich eigentlich schon immer. Ich bin ja auch von meinem Geburtstag her ein Fast-Christkind. Als Kind war es somit immer die doppelte Vorfreude: Geburtstag und Weihnachten direkt hintereinander. Dieses Jahr freue ich mich tatsächlich auch besonders auf Weihnachten. Einerseits weil ich das Stück spiele, andererseits noch mehr, weil ich deswegen in Berlin bin und Weihnachten mal wieder zu Hause feiern kann. Das heißt, wir machen es uns dieses Jahr zu Hause richtig schön. Am ersten Advent gibt es dann bei mir schon den Baum, damit man die Stimmung ausgiebig genießen kann. Da freue mich wahnsinnig drauf. Die letzten Jahre war das nicht möglich, weil ich immer unterwegs war. Dieses Jahr habe ich den ganzen Vorlauf und mit dem Stück als Einstimmung ist das toll.

blimu: Können Sie verraten, in welcher Rolle man Sie auf der Bühne sehen wird?

AB: Ich spiel in erster Linie den Vater der Familie im Stück, aber auch einen Raben, Marktverkäufer und sogar den Weihnachtsmann. Es ist ein liebevoll gebautes und inszeniertes Musical, lustig und berührend mit allen Facetten, und das macht riesigen Spaß. Für mich ist das Stück eine Premiere, auch wenn es bereits seit ein paar Jahren in Hamburg zu sehen war. Weil es dieses Jahr nach Berlin kommt, gab es eine Ausschreibung fur alle drei Spielorte: Hamburg, Berlin, Bremen/Duisburg. Da habe ich mich hier im Theater des Westens vorgestellt und es hat geklappt. Ich wußte natürlich, wer Rolf Zuckowski ist, aber ich kannte das Stück nicht. Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass die Kinder die Lieder alle mitsingen werden. Darauf freue ich mich total, denn vermutlich kennen die Kinder die Texte sogar besser als ich.

blimu: Noch ist das Weihnachtsfest nicht da. Wie waren jetzt für Sie die Proben zum Weihnachtsstück?

AB: Wir haben Gott sei Dank schon im Bühnenbild geprobt, auf der Probebühne wurde alles aufgebaut. Dadurch hatten wir schon diese Vorweihnachtsstimmung, also auch diese hektische Vorfreude, die in der Wohnung, wo die Familie wohnt, herrscht, und alles dann drunter und drüber geht. Nun kommt das ganze Prozedere hinter der Bühne hinzu: Umzüge, Auf- und Abgänge und die Mikrofonierung, was es dann nochmal spannend macht. Die Abläufe werden wir noch ein bisschen proben, damit wir für die Premiere fit sind.

blimu: Ist das nicht komisch, aufgrund der Proben schon so früh und die ganze Zeit Weihnachtslieder zu hören/singen?

AB: Dadurch, dass es beruflich ist, stört mich das nicht. Ich muss mich in meinem Job ja immer mit Themen auseinandersetzen, in Rollen schlüpfen, das ist ja nicht privat oder meine Freizeit. Befremdlicher finde ich es eher im Alltag – und das nervt mich ehrlich gesagt auch – wenn es zu früh im Radio schon Weihnachtsmusik gibt. Ober wenn ich überall in den Läden schon im Oktober Nikoläuse sehe.

blimu: Sie können also Ihre Rolle nach der Vorstellung in der Garderobe hängen lassen?

AB: Ja, und das muss man auch, ich glaube in jedem Beruf. Ansonsten wird man wahnsinnig. Schon aus Gründen der eigenen Gesundheit habe ich es immer so gehandhabt. Es ist mein Beruf, den ich liebe und mit Leidenschaft ausübe. Aber die Figuren, die ich spiele, die bin ich ja nicht. Mich persönlich interessiert es nicht, MICH selbst zu spielen, sondern die Rolle.

blimu: Ihre Vita ist bezüglich der Vielseitigkeit Ihrer Rollen auf der Buhne und vor der Kamera beeindruckend. Es fällt auf, dass Sie Rollentypen eigentlich nie mehrfach gespielt haben. Ist das Teil des Reizes, den der Beruf auf Sie ausübt?

AB: Das freut mich, dass man das erkennt. Es war immer meine Absicht, dass es abwechslungsreich ist. Ich strebe immer nach einer Veränderung. Ich will mich auch beim Genre nicht festlegen lassen. Ich will in keine Schublade passen. Mich reizen neue Figuren und dass ich neue Facetten an der Psychologie einer Figur entdecken kann, die ich dann versuche darzustellen. Vom Gefühl her ist es für mich immer noch so wie damals, als ich mich als kleines Kind verkleidet habe. Ich habe dann das Gefühl, jemand anderes zu sein, der andere Dinge darf, als ich selbst sie durfte. Ich habe wahnsinnig Spaß, mir andere Figuren vorzustellen: Wo kommen sie her, wie sind sie aufgewachsen. Ich baue mir richtige Leben. Im Alltag ist es genauso. Ich fahre gerade viel S-Bahn wegen der Proben und ich bin ein wahnsinniger Alltagsspanner: Ich gucke mir die Menschen an, sauge sie genauestens auf und stelle mir vor, wo sie herkommen und hingehen. Das reizt mich sehr.

blimu: Was ist für Sie auf der Bühne die größte Herausforderung? Tanzen, Singen oder Schauspielern? Oder sind Sie in allen drei Bereichen firm?

AB: Das sollte zumindest so sein. Dies ist meiner Meinung nach auch die Daseinsberechtigung des Genres Musical. Man muss sich durch diese drei »Gewerke« hindurchmanövrieren und mein Anspruch an mich selbst ist es auch, dass der Übergang dazwischen so fließend ist, dass der Zuschauer nicht merkt, wann gesungen und wann gesprochen wird. Bzw. von seiner Aufmerksamkeit für die Geschichte nicht rausgerissen wird. Mit der Musik muss die Rolle genauso weiter erzählt werden, oder dann eben ersungen.

blimu: Können Sie etwas über Ihr nächstes Engagement verraten?

AB: Ich werde ab 30. Dezember 2023 in »Dream King« in Füssen spielen. Ich probe das gerade parallel, teilweise per Zoom, aber die Regisseurin kommt auch zwischendurch nach Berlin, damit ich direkt nach der letzten Vorstellung in Berlin ins Allgäu flitzen und dort einsteigen kann.

blimu: Herzlichen Dank für das schöne Gespräch.

Das Interview führte Sandy Kolbuch