Rückblick auf die 71. Bad Hersfelder Festspiele: »Goethe!« wieder in der Bad Hersfelder Stiftsruine mit »Notre Dame« und »Der Club der toten Dichter«

Stiftsruine mit Set von »Goethe!‹, Bad Hersfelder Festspiele 2021
Foto: Barbara Kern

Kürzlich endeten die 71. Bad Hersfelder Festspiele mit der Abschluss-Gala in der Stiftsruine. Trotz der Auswirkungen von Corona-Krise und des Ukraine-Krieges auf die Energiepreise besuchten 75.600 Menschen die Veranstaltungen der Bad Hersfelder Festspiele, bei einer Gesamtkapazität von 105.868 Tickets entspricht das einer Gesamtauslastung von über 71 Prozent.

»Dass nur eine Vorstellung in der fast zweimonatigen Aufführungszeit der Festspiele ausfallen musste, ist einem phänomenalem, motiviertem Ensemble und dem gesamtem Festspiel-Team zu verdanken, die gemeinsam mit den Helfer/innen der Stadtverwaltung, Institutionen und Vereinen Atemberaubendes geleistet haben«, betonte Intendant Joern Hinkel, dessen Inszenierungen von »Notre Dame« (86 % Auslastung), dem Eröffnungsstück dieser Festspiele, und von »Der Club der toten Dichter« (75 % Auslastung), welches Wiederaufnahme feierte, besonders großen Zuspruch fanden.

Gemeinsam mit dem Dramaturgen Tilman Raabke brachte Joern Hinkel eine eigene Fassung des weltberühmten Romans von Victor Hugo »Der Glöckner von Notre-Dame« auf die Bühne. Das sogenannte Mapping von Sheidan Zeinalov und Maximilian Pfisterer vom Stuttgarter Animationsstudio Frischvergiftung entworfen und gestaltet, machte es möglich, dass sich die historischen Sandsteinwände zu bewegen schienen, Wasserspeier die Wände zierten, scheinbar Flammen aus der Ruine schlugen und vieles mehr. Das Publikum erlebte die Ruine als lebendiges Wesen.

Wiederaufnahme feierte auch das Musical »Goethe!« (vgl. blickpunkt musical 05/2002, den Beitrag von Stephan Drewianka). Umjubelt als das »deutsche Hamilton«, blieb es mit einer Auslastung von etwas über 55 % dennoch etwas hinter den Erwartungen zurück. Das temporeiche Musical von Martin Lingnau (Musik), Gil Mehmert (Buch) und Frank Ramond (ausgezeichnet für seine Liedtexte mit dem Musical Theater Preis 2021) wurde von der Presse hochgelobt, zuletzt mit dem Großen Hersfeldpreis ausgezeichnet und gleich mehrfach von manchen begeisterten Zuschauenden besucht. Erzählt wird die Liebe des Dichters zu Charlotte Buff und seine Sturm-und-Drang-Jahre, in der seine Karriere den Anfang nahm.

»Goethe!« Bad Hersfeld 2022
Foto: Stephan Drewianka

Gil Mehmert beschreibt »Goethe!« so: »Diese Sturm- und Drangphase macht aus einem unbekannten jungen Möchtegern-Dichter eine Art ersten Popstar der Literaturgeschichte. Diese Geschichte ist jung, sexy, wild, dramatisch und romantisch und entsprechend sind es die Darsteller, die sie verkörpern. Und so ist die Musik nicht historisch, sondern ein Art Crossover aus symphonischem Musical und Popkultur.«

Iréna Flury spielte 2022 Goethes große Liebe, die trotz ihrer Theaterleidenschaft zum Wohl ihrer Familie eine Vernunftehe einer unsicheren Beziehung mit dem jungen Dichter vorzieht. Philipp Büttner, ausgezeichnet mit dem Musical Theater Preis 2021, verkörperte erneut den leidenschaftlichen Dichter, der Liebe und Leid in dem »Werther«-Drama Ausdruck verleiht. In diesem verarbeitet er nicht nur seine Liebe zu Lotte, sondern auch den Verlust seines Freundes Wilhelm Jerusalem – in diesem Jahr gespielt von Jonas Hein.

Insbesondere in die Herzen von Kritikern und Publikum sang und tanzte (unter der Choreographie von Kim Duddy, ausgezeichnet mit dem Musical Theater Preis 2021) sich das großartige Ensemble: Jonas Hein, Christof Messner, Rob Pelzer, Karen Müller, Detlef Leistenschneider, Mischa Mang, Pascal Cremer, Florian Minnerop, Loek Meijer, Claudio Gottschalk-Schmitt, Jurriaan Bles, Inga Krischke, Claudia Artner, Marije Louise Maliepaard, Anton Schweizer und Maja Sikora.

Anfang Juni ist auch die Doppel-CD zu »Goethe!« erschienen, eine Live-Aufnahme mit 31 Titeln der Original-Produktion von 2021 (CD-Vorstellung in blickpunkt musical 05/2022).

In der Abschluss-Gala unter dem Motto »Irgendwo auf der Welt« mit dem Orchester der Bad Hersfelder Festspiele unter der Leitung von Christof Wohlleben traten Joern Hinkel, Ilja Richter, Sona MacDonald, Iréna Flury und Philipp Büttner auf.