O-Töne zur Uraufführung von »The One« in Berlin

Am letzten Mittwoch lud der Friedrichstadt-Palast zu einem Pressecall. Es wurden zwei Szenen aus der neuen Show »The One« präsentiert und im Anschluss konnten wir Produzent, Regisseur und Solisten ein paar Fragen stellen.

Produzent Berndt Schmidt begrüst die geladene Presse Foto: Juliane Blume

Produzent Berndt Schmidt begrüßt die geladene Presse
Foto: Juliane Blume

Berndt Schmidt – Produzent

United Musicals: Wie würden Sie »The One« in wenigen Worten beschreiben?

Berndt Schmidt: Die Show spielt in einem alten Revuetheater, das durch eine Undergroundparty wieder zum Leben erweckt wird. Sie ist eine Collage. Stimmig, zusammengesetzt aus verschiedenen Bildern, die in einem Kontext stehen. Es muss nicht immer alles sofort erkennbar miteinander harmonieren, aber am Ende ergibt sich ein stimmiges Bild. »The One« bewegt sich zwischen Hochkultur und leichter Unterhaltung. Vieles ist nicht kommerziell und auch bizarr, aber das wirkt bereichernd und passt zu Berlin.

UM: Was erwartet den Zuschauer musikalisch?

BS: Zwar fängt alles mit dieser Undergroundparty an, aber es wird keine zweistündige Popshow. Die Produktion hat auch sehr ruhige, nachdenkliche Musik. Die musikalisch ruhigeren Momente nehmen sich ihren Raum und wirken auf dieser großen Bühne dann fast noch zerbrechlicher. Es ist auch eine Show zum Genießen.

 

 

Roland Welke – Regisseur

UM: Was ist die Idee hinter »The One« und wie haben Sie die Show entwickelt?

Roland Welke: Ich war ganz frei in der Entwicklung, aber das mag ich an der Zusammenarbeit mit Bernd Schmidt. Er lässt das Kreativteam erst mal machen. Es ist befreiend, einfach mal drauflos zu »spinnen« und seinen Gedanken, so verrückt sie auch sein mögen, freien Lauf zu lassen.
Bei »The One« gab es einen ganz bestimmten, persönlichen Ausgangspunkt für meine Arbeit. Ich hatte jahrelang in meinem Büro ein Bild vom Michigan Theatre in Detroit, Michigan, USA hängen. Das ist ein ehemaliges Filmtheater, welches aber heute als Bürogebäude und auch Parkhaus genutzt wird. Solche Orte, die ihrer ehemaligen Nutzung »beraubt« werden, behalten dennoch ihre Aura und erzählen einem, was sie einmal waren. Es geht aber nicht darum, diese Geschichte im Sinne einer Historie zu erzählen, sondern darum, zu zeigen, dass es um uns herum Orte gibt, die eine solche Aura haben. Wir hoffen,, dass es genug Menschen gibt, die sich von so etwas gefangen nehmen lassen können und empfänglich dafür sind – das ist unser Ausgangspunkt. Der Protagonist, Roman Lob, findet sich in einem alten, verlassenen Revuetheater wieder und die Show entwickelt sich dann zu einer Art »Traumbilder-Bogen«. Mit allem, was zu einem Traum gehört: stürzende Räume, einbrechende Böden und unwirkliche Momente. Dieser Boden, auf dem wir hier stehen, den gibt es so nur im ersten Teil. Danach zerfällt er. Im zweiten Teil besteht er nur noch aus einzelnen fahrenden Schollen.

UM: Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit Jean-Paul Gaultier?

Der klassische Stil von Designer Jean-Paul Gaultier findet sich auch in den Kostümen wieder Foto: Juliane Blume

Der klassische Stil von Designer Jean-Paul Gaultier findet sich auch in den Kostümen wieder
Foto: Juliane Blume

RW: Vor dem ersten Treffen mit ihm war ich sehr nervös. Er war schon früh in der Entwicklungsphase dabei und das ist schon gute 1,5 Jahre her. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich viele Ideen und auch schon ein Konzept, aber die Show war nicht von A bis Z fertig in meinem Kopf. Trotzdem fingen wir bereits beim ersten Treffen an, an meinem Konzept zu arbeiten. In diesem Moment ist bei mir irgendwie ein Knoten geplatzt. Ich hatte vorher noch etwas Angst, ihm meine Ideen zu präsentieren, weil da natürlich auch viel Respekt mitschwingt. Doch ich habe ihm zwei Stunden von meinen Ideen erzählt und er hat, bis auf ein paar Nachfragen, ruhig zugehört. Und da wusste ich, dass diese Zusammenarbeit gut funktionieren wird. Wir konnten uns gut aufeinander einlassen und das Ganze vorantreiben. Es war immer eine besondere Energie im Haus, wenn er da war. Und er ist genauso ungeduldig wie ich. (lacht) Am besten soll alles immer sofort umgesetzt werden. Wir haben bei einer Kostümanprobe, weil wir keine Tänzer mehr hatten, dann sogar selbst die Kostüme angezogen, weil wir wissen wollten, wie sie wirken.

UM: Wie lange arbeiten Sie jetzt schon an »The One«?

RW: Etwa zwei Jahre. Man kann es es grob in Kreations- und Produktionsphase unterteilen. Die Ideen müssen sehr konkret sein, bevor man in die technische Entwicklung und Überprüfung geht,  gerade bei diesen Dimensionen, die wir hier haben.

Brigitte Oelke – Sängerin

UM: Wie sind Sie zu »The One« gekommen?

Brigitte Oelke: Ich habe vor Jahren hier im Friedrichstadt-Palast für eine Weihnachtsshow vorgesungen, das hat dann aber aus verschiedenen Gründen leider nicht geklappt. Doch das Kreativteam hat sich dann an mich erinnert und ist auf mich zugekommen. Ich habe noch einmal für »The One« vorgesungen und freue mich jetzt sehr, hier dabei zu sein. Es ist einfach mal etwas anderes als Musicalrollen, die ich sonst spiele. Es ist eine spannende Mischung von Theater, Zirkus und großer Show. Es ist toll, wenn Leute über dir durch die Luft fliegen. (lacht) Man trifft auf Künstler, auf die man sonst als Musicaldarsteller eher nicht trifft – eine tolle Erfahrung!

UM: Spielen Sie eine Rolle oder sind Sie als Sängerin in die Show integriert? Mich erinnert ihr Kostüm etwas an Norma Desmond.

BO: Ich sage immer, ich bin bei »The One« Carmen-Miranda-Norma Desmond, es geht schon in ihre Richtung. Ich spiele die damalige Theater-Prinzipalin, die die nostalgische Zeit in diesem etwas heruntergekommenen Theater wieder erweckt und anleitet. Es macht wirklich Spaß, in diese Rolle einzutauchen.

UM: Wie ist es für Sie, auf der größten Theaterbühne der Welt zu singen?

Solistin Brigitte Oelke Foto: Juliane Blume

Solistin Brigitte Oelke
Foto: Juliane Blume

BO: Beeindruckend, und trotzdem denke ich oft, weil ich so eine große Schleppe an meinem Kleid habe, dass die Bühne zu klein ist. (lacht) Ich muss wirklich darauf achten, wie ich mich bewege. Wenn ich beispielsweise nach rechts will, muss ich erst einen Schritt nach vorn machen, ansonsten stolpere ich.
Aber wir sind so ein großes Ensemble, dass wir den Platz auch brauchen. Trotzdem ist es natürlich großartig, hier stehen zu dürfen.

UM: Wie finden Sie die Show persönlich und was unterscheidet sie von vorherigen Shows im Friedrichstadt-Palast?

OB: Ich habe noch nicht die ganze Show gesehen, aber ich denke, sie ist theatralischer als die Shows zuvor. Es bleibt eine Show bzw. eine Revue, doch der rote Faden ist wirklich deutlich zu erkennen und der dramaturgische Bogen ist gut gelungen. Mir gefällt es richtig gut.

UM: Was für Musik erwartet den Zuschauer?

BO: Es ist wie immer eine bunte Mischung. Wir haben einen tollen modernen Walzer, es gibt eine süße Charleston-Nummer, Swing und Filmmusik.

UM: Wie lange brauchen Sie für Kostüm und Maske?

BO: Gar nicht so lange. Etwa eine halbe Stunde in der Maske und dann noch zehn Minuten für meinen »Fiffi« auf dem Kopf. Wir nennen den Kopfschmuck »die Ananas«, obwohl es eigentlich nur Lockenwickler sind. Für das Kostüm brauche ich dann auch noch etwas Zeit, um alles anzuziehen. Ich habe sehr viel an, zahlreiche Lagen übereinander. Selbst wenn ich nur stehe, schwitze ich schon. (lacht)

Roman Lob – Sänger

UM: Wie sind Sie zu »The One« gekommen?

Roman Lob: Ich habe eine Anfrage über mein Management bekommen, ob ich denn Lust hätte, für die neue Show auf der Bühne zu stehen. Im ersten Moment war ich sehr überrascht und habe mich gefragt, warum sie ausgerechnet auf mich kommen. (lacht) Sie haben jemanden gesucht, der in die Rolle eines Tagträumers passt. Ich habe dann vorgesungen und dabei auch erfahren, dass Gregor Meyle die Songs für »The One« schreibt. Und dann gab es eigentlich direkt die Entscheidung, dass sie mich gerne für die Rolle haben wollten. Da habe ich nicht lange gefackelt, denn wann bekommt man schon mal die Chance, auf der größten Theaterbühne der Welt stehen zu dürfen.

UM: Was ist für Sie das Besondere an »The One«?

Solist Roman Lob Foto: Juliane Blume

Solist Roman Lob
Foto: Juliane Blume

RL: Ich finde die ganze Show cool. Das Konzept, mit Traumbildern zu arbeiten, die auch wirklich aussehen wie direkt aus einem Traum, finde ich speziell. Es gibt Alptraumsequenzen, aber meine Rolle durchlebt auch schöne Träume. Für mich war vieles eine Herausforderung, zum Beispiel muss ich in einer Szene viereinhalb Minuten auf einem Laufband laufen und dabei auch noch singen.
Auch die Lichtgestaltung ist genial. Peter Morse hat unter anderem schon für Madonna gearbeitet. Ich bin wirklich happy, hier dabei sein zu können.

UM: Was für Musik erwartet uns bei Ihnen?

RL: Das sind größtenteils deutsche Songs, aber auch ein englischsprachiger im Finale. Die Songs sind mir schon fast auf den Leib geschrieben, könnte man sagen. Es sind Balladen, Musik, wie ich sie auch selbst schreiben würde. Das passt schon sehr gut zu mir und ich finde es cool, Songs von Gregor Meyle singen zu dürfen.

UM: Es gab schon erste Vorstellungen vor Publikum. Wie groß war die Angst vor dem ersten Auftritt?

RL: Schon sehr groß, ich war einfach verunsichert. Aber es hat bis jetzt alles gut funktioniert und spielt sich auch langsam ein.

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