Kindheitserinnerungen an einem lauen Sommerabend
»Disney in Concert« in der Waldbühne Berlin

Selbst schlechtes Regenwetter konnte echte Fans am 2. Juli 2016 kaum davon abhalten, den beliebten Disney-Klassikern live zu lauschen. Die Waldbühne füllte sich mit rund 11.000 Menschen aller Altersgruppen, ausgestattet mit Regenponchos und Gummistiefeln, doch diese waren zu Konzertbeginn nicht mehr nötig. Pünktlich mit den ersten Klängen des großartigen Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter der Leitung von David Newman zeigte sich die Sonne und der Himmel färbte sich blau. Besser konnte ein Konzert kaum beginnen. Die Ouvertüre war, wie im letzten Jahr, eine bunte Mischung aus bekannten Disney Titelmusiken wie ›Chim Chim Cheree‹ aus »Mary Poppins«, I’m late‹ aus »Alice im Wunderland« oder auch ›Bibbidi-Bobbidi-Boo‹ aus »Cinderella« und dem ›Mickey Mouse March‹.

Lucy Scherer und Lars Redlich
Foto: Juliane Blume

Danach begrüßte Moderator Jan Köppen die Zuschauer und Lucy Scherer eröffnete, nach dem orchestralen ›Im Herzen der tiefblauen See‹, als erste Solisten an diesem Abend mit dem Titel ›Ein Mensch zu sein/In deiner Welt‹ den Songblock zu »Arielle« – Musik, die besonders durch Alan Menken geprägt wurde. In ihrem hellblauen Kleid aus blauem, fließendem Stoff, getaucht in blaues Licht wirkte Scherer fast, als würde sie selbst von Wasser umgeben zu sein. Ihr folgte Alexander Klaws mit einer energiegeladenen Interpretation von ›Unter dem Meer‹. Danach, untermalt durch beliebte Szenen aus »Arielle«, schuf das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin mit ›Die armen Seelen in Not/Beluga Seruga‹ eine gefährliche Unterwasserwelt. Nachdem Jan Köppen auch Zuschauer des Disney Channels auf Facebook live mit in die Waldbühne genommen hatte und leider mit seinen flachen Witzen das Publikum kaum erreichte, fragt sich Sängerin Oonagh, die mit bürgerlichem Namen eigentlich Senta-Sophia Delliponti heißt: ›Wann fängt mein Leben an?‹. In einer erstaunlich poppigen Neuinterpretation eines der neuen Disneytitel, danach gesteht Lars Redlich mit viel Witz und witziger Choreographie ›Ich hab ’nen Traum‹ und den Block zu »Rapunzel – Neu verföhnt« schließen Lucy Scherer und Lars Redlich mit dem wunderschönen, romantischen Duett ›Endlich sehe ich das Licht‹. Ihnen folgt Willemijn Verkaik – dem Musicalkenner besonders als Elphaba in »Wicked«, eine Rolle die sie auch am Broadway spielte, bekannt – den Besuchern in der Waldbühne aber eher als deutsche Gesangsstimme der Elsa in »Die Eiskönigin – Völlig unverfroren« ein Begriff. Ihre Version von ›Reflections‹ aus »Mulan« muss sich jedoch nicht hinter dem englischen Original von Lea Salonga verstecken. Mit unglaublich viel Gefühl präsentiert Verkaik ihr Solo und sorgt sicher bei vielen an diesem Abend für einen Gänsehautmoment.
Nachdem Lars Redlich passend zu dem Song des Affenkönigs King Lui ›Ich wär‘ so gern wie Du‹ aus »Das Dschungelbuch« über die Bühne tanzte, die in grünes Licht getauchte Bühne einen Urwald in die Berliner Waldbühne holte, folgte ein orchestrales Medley zu »Der Fluch der Karibik« mit der Musik von Klaus Badelt, das, wie schon im letzten Jahr, den heimlichen Star des Abends erkennen lässt: das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Unter schwungvoller Leitung von David Newman werden die Zuschauer musikalisch auf die Pirateninsel Tortuga entführt.

(v.l.:) Oognah, Lucy Scherer, Alexander Klaws und Willemijn Verkaik Foto: Juliane Blume

(v.l.:) Oonagh, Lucy Scherer, Alexander Klaws und
Willemijn Verkaik. Foto: Juliane Blume

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Lucy Scherer als Arielle
Foto: Juliane Blume

Vor der Pause ging es mit Alexander Klaws lebendiger Interpretation von ›Fremde wie ich‹ aus »Tarzan« weiter. Klaws, der in Hamburg bereits als Tarzan auf der Musicalbühne stand und ab November in dieser Rolle auch in Oberhausen zu sehen sein wird, begeisterte, nach der musikalischen Version von ›Krach im Lager‹, zusammen mit Willemijn Verkaik in ›Dir gehört mein Herz‹ und ließ niemanden unberührt. So herrlich kitschig, das kann nur Disney!
Nach der Pause ging es mit ›Der Feuervogel‹ einer Komposition aus dem gleichnamigen Ballett von Igor Strawinsky weiter, das in »Disney Fantasia« Verwendung fand. Auch bildlich untermalt durch den dazugehörigen letzten Teil der »Fantasia 2000«-Serie bekamen die Zuschauer, wie bereits im letzten Jahr, mit dem ›Karneval der Tiere‹ von Saint-Saëns, etwas den meisten eher Unbekanntes geboten: großes, wenn auch kurzes Kino, das im Gedächtnis bleibt.
Danach warteten Lucy Scherer, Oonagh und Willemijn Verkaik als griechische Göttinnen, passend in lange Kleider gehüllt, mit einem energiegeladenen ›The Gospel Truth‹ aus »Hercules« auf. Und mit ›From Zero to Hero‹ sowie ›A Star Is Born‹ überzeugten alle Solisten gemeinsam und schossen, unter Glitzerschlangenregen, den »Hercules«-Block mit den Kompositionen von Alan Menken ab.
Im Anschluss betritt Oonagh in einem an die Indianerin Pocahontas erinnernden Kleid, in Erdfarben und mit Fransen, barfuß die Bühne und konnte mit ihrer Interpretation von ›Das Farbenspiel des Winds‹ aus »Pocahontas«, einem Disney-Klassiker aus dem Jahr 1995, und ihrer Ethno-Pop-Stimme bezaubern.

Willemijn Verkaik berührte an diesem Abend Foto: Juliane Blume

Willemijn Verkaik berührte an diesem Abend
Foto: Juliane Blume

Danach entführte das Orchester die Berliner nach Paris, genauer in die Kanalisation, in der die kleine Wanderratte Rémy lebt und sich nach einem anderen Leben sehnt. Mit einem Medley aus Disneys und Pixars »Ratatouille« und Ausschnitten aus dem 2007 erschienen Animationsfilm auf der großen Leinwand, erlebten die Zuschauer, wie aus der kleinen Ratte ein Koch im Feinschmecker-Lokal »Gusteaus« wird. Anschließend folgte wohl der Teil des Abends, auf den besonders die jüngeren Zuschauer sehnlichst gewartet hatten: ein Medley aus »Die Eiskönigin – Völlig Unverfroren«. Mit dem A-cappella-Titel ›Vuelie‹ starteten Alexander Klaws, Oonagh, Lucy Scherer und Lars Redlich, Lucy Scherer fragte ›Willst du einen Schneemann bauen?‹ und Lars Redlich stellte sich als Schneemann Olaf vor, wie es wohl ›Im Sommer‹ ist.

Im leichten Nebel erklangen die ersten Töne zu ›Lass jetzt los‹, Willemijn Verkaik schritt durch vom Dach der Waldbühne herabfallenden Glitzer-Schnee und nur wenige Kinder hielt es noch auf den Sitzen. Ihre phänomenale Live-Interpretation des Titels, den so gut wie jede Prinzessin, egal welchen Alters, an diesem Abend mitsingen konnte, ließ Herzen nicht gefrieren, sondern schmelzen.
Zum Abschluss wurden, wie bereits im letzten Jahr, mit ›Die Welt ist klein, so klein‹, die Zuschauer zum Mitsingen eingeladen. In diesem Jahr jedoch war die Songauswahl weitaus passender, denn wer kennt es nicht: »Das Dschungelbuch« und Balus ›Probier’s mal mit Gemütlichkeit‹. Bei Textunsicherheiten half ein Text auf der großen Leinwand. Und wer nicht selbst singen wollte, konnte den anderen rund 11.000 Zuschauern und den fünf Solisten lauschen.

Oonagh verlieh den Disneysongs eine poppige Note Foto: Juliane Blume

Oonagh verlieh den Disneysongs eine poppige Note
Foto: Juliane Blume

In diesem Sommer wurde nachgeholt, was bei vielen im letzten fast schmerzlich vermisst wurde: »Mulan«, »Tarzan« oder auch »Pocahontas« waren Teil des Abends, doch man wurde das Gefühl nicht los, dass doch noch irgendetwas fehlt. Aber mit einer langen Zugabe aus »Der König der Löwen«, die ein überraschendes Solo von Alexander Klaws vom Anfang von ›Der ewige Kreis‹ lieferte, sowie mit ›Can You Feel the Love Tonight‹, ›Ich will jetzt gleich König sein‹ und ›Das geweihte Land (Busa)‹ schloss sich nun wahrhaftig der Kreis.
Der Abend endete jedoch mit noch einer Überraschung: Mit der ›Star Wars Suite‹ zeigte das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin noch einmal sein gesamtes, beeindruckendes Spektrum an Können und was Disney, neben Musik zu Zeichentrick- und Animationsfilmen, noch zu bieten hat. All das live gespielt von einem großartigen Orchester, gesungen von fünf zauberhaften Solisten und untermalt mit passenden Filmszenen ließ diesen Abend unvergesslich werden.
Und wer immer noch nicht genug bekommen kann, kann sich auf »Pixar in Concert« im Februar 2017 im Konzerthaus Berlin freuen.

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