Bewegende musikalische Weihnachtsgeschichte –
»A Celebration of Christmas 2015« mit Christian A. Müller in Hennef-Blankenberg

St. Katherina Stadt Blankenberg. Foto: Barbara Kern

St. Katherina Stadt Blankenberg. Foto: B. Kern

Christian A. MüllerFoto: Barbara Kern

Christian A. Müller
Foto: B. Kern

Wilma HarthFoto: Barbara Kern

Wilma Harth
Foto: B. Kern

So manche Emotion war in den Gesichtern der Besucher zu sehen – Bewegung und Berührtsein. Zwei Stunden lang war es mucksmäuschenstill in der Kirche St. Katharina, während am 12. Dezember 2015 unter Leitung von Chordirektor Wolfgang Harth die Veranstaltung »A Celebration of Christmas« mit einer musikalischen Weihnachtsgeschichte die Zuschauer in ihren Bann schlug: Diese Mischung aus berührender Weihnachtslesung durch Schauspielerin und Lektorin Lena Sabine Berg und der gesanglichen Darbietungen seitens der Chöre Junge Singfonie & MusicalAl Dente (die im Juni 2016 auch wieder Teil des Musical-Events »Faces of Musical« sein werden) sowie Sopranistin Wilma Harth und eines besonderen Stargasts aus der Musicalwelt macht »A Celebration of Christmas« zu mehr als einem Konzert – Weihnachten wird zelebriert und mit der von Wolfgang Harth verfassten Geschichte an die Weihnachtsbotschaft erinnert.

In diesem Jahr stehen die Themen Heimatlosigkeit und Verfolgtsein im Mittelpunkt und bestimmen auch die Musicaltitel, die Christian Alexander Müller mit klarer, sicherer Stimmführung von schwindelerregenden Höhen (›Nella Fantasia‹) bis hinab zu Baritontiefen (›Sterne‹ oder ›Boote in der Nacht‹) in emotionaler Interpretation darbot. Neben seinen Soli bildete der ausgebildete Opernsänger einen perfekten Gesangspartner für Wilma Harth, die in ›Nella Fantasia‹ und ›Somewhere‹ ihren schönen lyrischen Sopran aussingen durfte und mit ihrer leidenschaftlichen Interpretation von ›Dir gehört mein Herz‹ aus »Tarzan« bewegte.

Marina Komissartchik. Foto: B.Kern

Marina Komissartchik. Foto: B. Kern

Marina Komissartchik am Flügel stellte einmal mehr ihre Fähigkeit als Ein-Frau-Orchester und einfühlsame Begleiterin von Solisten und Chor unter Beweis.

Von ›Einmal‹ und ›Hilf den Verstoß’nen‹ aus »Der Glöckner von Notre Dame« ging es über Fantines ›Ich hab‘ geträumt‹ (»Les Misérables«) und Javerts Mission unter ›Sterne[n]‹ ›Durch das Dunkel der Welt‹ (»Aida«) zu ›The Impossible Dream‹ aus »Der Mann von La Mancha«.

Weihnachtslieder und vertonte Gedichte von ›Christmas Kum Ba Ya‹ bis ›In the Bleak Midwinter‹ und ›Joy to the World‹ sowie Michael Jacksons Pop-Hymne ›Earth Song‹ in Bearbeitung von Wolfgang Harth für den Chor erfüllte ebenso den Kirchenraum mit elegischen oder jubelnden Klängen. Dass insbesondere die Kinder unter Krieg, Verfolgung und Flucht am meisten leiden, brachte Christian Alexander Müller gemeinsam mit den über 80 Sängern, die im Chor der Kirche dicht an dicht standen, mit ›Bui Doi‹ (»Miss Saigon‹) bewegend zum Ausdruck.

In Wolfgang Harths Geschichte sind es Julia, die russlanddeutsche Krankenschwester, die erlebt wie in ihrem Krankenhaus eine Mutter und deren Tochter von einander getrennt werden. Das an Niereninsuffizienz leidende Mädchen wird behandelt, obwohl sie nicht krankenversichert ist, steht jedoch unter permanenter Bewachung.

Wilma Harth & Christian Alexander Müller mit den über 80 Chormitgliedern. Foto: B.Kern

Wilma Harth & Christian Alexander Müller mit den über 80 Chormitgliedern. Foto: B. Kern

Ihre Mutter, die aus der Ukraine geflohen und illegal in Deutschland ist, wird von mehreren Beamten auf die Wache gebracht.

Ihre Freundin Susanne, Mutter von zwei pubertierenden Jugendlichen und Frau eines ständig überarbeiteten Mannes trifft in der Weihnachtsnacht auf Karim. Er hat in Deutschland Architektur studiert und dann in seiner Heimat Syrien als gefragter Architekt gearbeitet. Der Krieg nahm ihm Frau und Kind, für die er zuvor kaum Zeit hatte, und machte ihn zum Beschützer zweier Jungen, die im Feuer ihre Familie verloren haben und mit einem Zettel, auf denen wenige englische Worte standen, teils in Lastwagen gepfercht, auf der Flucht waren. Zusammen sind sie nach Deutschland gekommen und wärmen sich in der Weihnachtsnacht im Hinterhof eines verlassenen Hauses an einer brennenden Mülltonne die Finger.

Lena Sabine Berg. Foto: B.Kern

Lena Sabine Berg. Foto: B. Kern

Als Karim an der Tür klingelt und um etwas Essen bittet, jagt ihr Mann ihn fort, doch Susanne geht ihm hinterher, die Reste des guten Essens, das ihre Familie ebenso wie das gemeinsame Zusammensein und die Geschenke nicht zu würdigen wusste, hat sie in Becher abgefüllt. Gerade noch hat sie einen Drohbrief gelesen, den sie wegen ihres Einsatzes in der Flüchtlingsauffangstation erhalten hat, und zögert zunächst, Karims Einladung, ihn zu begleiten, anzunehmen. Obwohl sie daran denkt, dass man sie überfallen könnte, lässt irgendeine Kraft sie ihm dann doch folgen und sie erlebt in dieser Nacht ein zweites Weihnachten voller dankbarer Kinder, die sie bei ihrem Kommen umarmen und das wenige Essen gerecht teilen. Am Ende weiß Susanne, dass sie für die Liebe in ihrer Familie kämpfen wird.
»Das Gebet jeder Mutter lautet, dass ihre Kinder einander lieben, wenn sie nicht mehr da sein kann …, dass sie einen Platz finden, wo sie in Sicherheit leben können.« Mit dieser Adaption eines Zitats aus Celine Dions ›A Mother’s Prayer‹ wurde zusammen mit dem Symbol eines in eine Decke gehüllten Sterns jeder Besucher mit seinen eigenen Gedanken und Hoffnungen in die Adventsnacht entlassen.

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