Der Schlüssel zum Glück: »Was wirklich wichtig ist …«

»Christmas Dreams« mit Kevin Tarte am 11. Januar 2015 in Eitorf (Merten)

»Christmas Dreams« mit dem SingIn'Harmonie-Chor und (vorne v.l.): Lena Sabine Berg, Stefan Holm, Marina Komissartchik, Wilma Harth, Kevin Tarte, Wolfgang Harth. Foto: "bk"

»Christmas Dreams« mit dem SingIn’Harmonie & Friends-Chor und (vorne v.l.): Lena Sabine Berg, Stefan Hohn, Marina Komissartchik, Wilma Harth, Kevin Tarte, Wolfgang Harth. Foto: „bk“

Ursprünglich geplant waren zwei »Christmas Dreams«-Konzerte in der Adventszeit mit Stargast Kevin Tarte – es wurden vier Konzerte daraus, zwei davon am 10. und 11. Januar in der Klosterkirche St. Agnes in Eitorf (Merten) nahe Hennef. Ein Weihnachtskonzert im Januar? Das ist gar nicht ungewöhnlich. Seit der Liturgiereform endet die „weihnachtliche Festzeit“ des Kirchenjahres zwar offiziell mit Jesu Taufe am 6. Januar, doch ursprünglich wurde der Weihnachtsfestkreis 40 Tage nach Weihnachten, am 2. Februar, durch das Reinigungsritual der Maria und die Vorstellung ihres Sohnes Jesus im Tempel beschlossen. Heute ist dieser Tag vor allem durch die Feier von „Mariä Lichtmess“ mit der Lichterprozession bekannt.

Stimmungsvolles St. Agnes mit Schauspielerin Lena Sabine Berg (l. am Lespult), einem Teil des Chors unter Leitung von Chordirektor FDB Wolfgang Harth. Foto: "bk"

Stimmungsvolles St. Agnes mit Schauspielerin Lena Sabine Berg (l. am Lespult), einem Teil des Chors unter Leitung von Chordirektor FDB Wolfgang Harth. Foto: „bk“

Eingeladen zu diesen außergewöhnlichen vier besinnlichen Konzerten hatten der Chor SingIn‘ Harmonie & Friends (zusammengesetzt aus MusicAlDente und Junge Singfonie) unter Gesamtleitung von Kreischordirektor Wolfgang Harth und seiner Frau, der Sopranistin und Chorleiterin Wilma Harth. Die Begleitung und unterstützende musikalische Leitung des Konzertes übernahm Marina Komissartchik. Besondere Akzente bei der Lesung durch die Schauspielerin Lena Sabine Berg der eigens für diesen Rahmen von Wolfgang Harth verfassten Weihnachtsgeschichte setzte der Saxophonist Stefan Hohn, seines Zeichens Musikfeldwebel des Heeresmusikkorps der Bundeswehr. Dabei waren die Soli und Duette von Kevin Tarte und Wilma Harth sowie die Chorarrangements von Wolfgang Harth ebenso in die Geschichte integriert worden wie die instrumentalen, solistischen Parts von Marina Komissartchik und Stefan Hohn. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit war ein liebevoll gestaltetes, feines Gesamtkunstwerk mit sanfter Ausblendung der Musik, wenn die angenehme Stimme von Lena Sabine Berg erklang, und ihrem Zurücktreten, wenn die Aufmerksamkeit Solisten und Chor gebührte. Das alles bewerkstelligten die Beteiligten rund um den Altar im Schiff der ehemaligen Klosterkirche St. Agnes und wirkten dabei am 11. Januar sehr gut aufeinander eingespielt.

Pianistin Marina Komissartchik und Saxophonist Stefan Holm. Foto: "bk"

Pianistin Marina Komissartchik und Saxophonist Stefan Hohn. Foto: „bk“

Eingeleitet von ›Can You Feel the Love Tonight‹ (»Der König der Löwen«) ging es, intoniert von Marina Komissartchik und Stefan Hohn, mit charakteristischen Saxophonklängen in das jazzig-weihnachtliche ›Miracles‹ (Kenny G. und Walter Afanasieff) über.

Die Protagonistin der Geschichte, Frau Elisabeth S. geht in der Weihnachtsnacht auf den Friedhof, um ihren verstorbenen Mann zu besuchen. Wilma Harth gab der Stimmung mit ihrer sanften lyrischen Interpretation von ›Sei still in der Gegenwart des Herrn‹ (im Orginal: ›Be Still in the Presence of the Lord‹) Ausdruck. An einem frischen Grab begegnet die ältere Dame einer jungen Frau und ihren Kindern, den Hinterbliebenen eines Soldaten, der während des Heimaturlaubs von einem Auto angefahren wurde.

Kevin Tarte. Foto: "bk"

Kevin Tarte. Foto: „bk“

Was konnte hier besser passen als Kevin Tartes prächtige Gänsehaut-Interpretation von ›Anthem‹, der Heimat-Hymne schlechthin aus dem Musical »Chess«.

Auf die Frage eines der Kinder, weshalb der Vater gegangen ist, antwortet die Mutter: „Gott brauchte noch einen Engel“.

Wilma Harth besang an dieser Stelle ›Jealous of the Angels‹, gewandet wie eine Sternenkönigin der Nacht und der ca. 70-köpfige Chor brachte das berührende ›Bethlehem‹ aus »Martin Guerre« zu Gehör.

Danach erklang das hymnische Pop-Duett ›The Prayer‹, mit den Stimmen von Kevin Tarte und Wilma Harth. Als Tip, dieses ist auch auf Kevin Tartes neuer CD »Reflections« zu hören.

Heimgekehrt vom Friedhof erhalten die Witwe und ihre Kinder überraschend Besuch vom Nikolaus, der Weihnachtsfreude verbreitet. Am Ende übergibt er ihnen einen kleinen Schlüssel. Dies sei der Schlüssel zum Glück, mit dem sie später das Himmelstor zum Vater öffnen könnten, lasse dieser ihnen sagen.

Wilma Harth und Kevin Tarte. Foto: "bk"

Wilma Harth und Kevin Tarte. Foto: „bk“

Im swingenden Solo von Kevin Tarte ›The Best Thing to Be Is a Person‹ fragt ein Mann Gott, was er tun soll, um ihm zu gefallen und Gott antwortet: ein Mensch sein, der liebt und Liebe im Herzen trägt. Und ein Mensch, der das Beste gibt, was er kann.

Mit dem Glück im Herzen, über das, was sie getan hat, kehrt Elisabeth zurück in ihr Zuhause, wo sich nun auch Weihnachtsstimmung einfindet.

Herzerwärmend erklingt an dieser Stelle von Solisten und Chor ›O Holy Night‹.

Wilma Harth. Foto: "bk"

Wilma Harth. Foto: „bk“

Elisabeth ist an diesem Weihnachtsabend alleine und glaubt es auch zu bleiben. Als sich ihre Schwester und die Tochter mit den Kindern wie jedes Jahr angekündigt hatten, hatte sie ihnen gesagt, dass es diese Weihnachten keinen Baum geben wird und keinen Karpfen, denn sie wolle Weihnachten einmal anders feiern, als ihr Mann es traditionell haben wollte. Damit hatte sie ihre Angehörigen vergrault, was ihr gar nicht so unlieb ist, denn sie freut sich auf ein wenig Ruhe. Bisher hatte sie ihre Wünsche immer denen ihres Mannes untergeordnet, jetzt fühlt sie sich frei, zu tun, wonach ihr ist:

Wilma Harth interpretierte auf ganz eigene berührende Art und in einem Arrangement von Wolfgang Harth für Solistin und Chor ›Ich gehör‘ nur mir‹ aus »Elisabeth«. Den Zwischenpart erfüllte das Saxophon von Stefan Hohn.

Den einzigen, nach dem Elisabeth sich wirklich sehnt, ist ihr Sohn Micha, der in den USA lebt und schon seit Jahren nicht mehr zu Hause war.

Mit Energie und Gefühl interpretierte Kevin Tarte mit ›What’s Another Year‹ (Shay Healy und Johnny Logan) Elisabeths Sehnsucht nach dem „verlorenen Sohn“.

Micha hat sich mit seinem Vater nicht verstanden. Dieser hatte gewollt, dass er in die Firma einsteigt und kein Verständnis für die Lebenswünsche seines Sohnes gezeigt. Da war Micha nach Amerika ausgewandert und hatte sich selbst eine Existenz aufgebaut. Seitdem hatte er nur mit der Mutter telefoniert.

Kevin Tarte. Foto: "bk"

Kevin Tarte. Foto: „bk“

Kevin Tarte sang an dieser Stelle den Udo-Jürgens-Titel (Text: Irma Holder) ›Der gekaufte Drachen‹, in dem ein Junge sich nichts mehr wünscht, als dass der Vater einen Drachen mit ihm baut.

Auch der nächste Titel ist ein Titel des kürzlich verstorbenen Komponisten und Interpreten Udo Jürgens, er stammt aus dem von seinen Liedern getragenen Musical »Ich war noch niemals in New York« und heißt ›Heute beginnt der Rest Deines Lebens‹ (Text: Michael Kunze). Die passenden Akzente setzte Stefan Hohn mit einer Melodica. Es sollte wohl so sein, dass im Programm von »Christmas Dreams«, nachdem der Komponist, Musiker und Sänger kürzlich gestorben ist, Udo Jürgens einen wichtigen Platz einnahm, obwohl ursprünglich keine Hommage auf ihn beabsichtigt war. Doch nicht umsonst schrieb Jürgens eindringliche und eingängige Titel, die nicht minder eindringliche, intelligente Texte bekannter Liedtexter erhielten.

So verfasste Jürgens auch einen der bewegendsten Titel über das schwierige Verhältnis zwischen Eltern und Kindern: ›Vater und Sohn‹ (Text: Michael Kunze), der in dieser klingenden Weihnachtsgeschichte die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Micha und seinem Vater zum Ausdruck brachte und zugleich die Traurigkeit des Sohnes darüber, dass er diese vor dem Tod des Vaters nicht überwinden konnte.

Kevin Tarte erzählt mit ›I’ll Be Home For Christmas‹ die Geschichte regelrecht im Song weiter, ausklingend Stimme – Saxophon – Klavier. Und das »Was dich nicht umbringt, gibt Dir Kraft zum Leben« des Chores illustrierte Michas Haltung.
Unsicher wie die Mutter auf seine Rückkehr reagiert, fragt Micha sie, ob er ihr ein Geschenk machen kann, wenn er im nächsten Jahr dank seiner Geschäfte wieder im Lande ist.
Dazu passt das fröhliche ›Santa Claus Is Coming to Town‹, das Saxophon und Flügel der Geschichte hinzufügen.

Kevin Tarte und Wilma Harth mit Erinnerungen an den Abend, im Hintergrund der SingIn'Harmonie-Chor. Foto: "bk"

Kevin Tarte und Wilma Harth mit Erinnerungen an den Abend, im Hintergrund der SingIn’Harmonie & Friends-Chor. Foto: „bk“

Als Micha auf einmal vor der Tür steht, wirft das seine Mutter fast um. Er wünscht Ihr ein „ehrliches“ Weihnachtsfest, fern von dem zelebrierten, unehrliches Abend, den sein Vater immer für die Öffentlichkeit und auch die Familie daraus gemacht hatte. Elisabeth erinnert sich an ihren Besuch bei der jungen Witwe und ihren Kindern, als sie etwas Glück spenden durfte. Jetzt hat das Christkind ihr selbst einen großen Wunsch erfüllt.
Wilma Harth interpretierte leidenschaftlich und mit Authentizität den anrührenden Udo Jürgens-Titel ›Was wirklich wichtig ist‹ (Text: Michael Kunze), der nicht umsonst in das Musical „Ich war noch niemals in New York“ Eingang gefunden hat. Unterstützt wurde sie von Chor und Saxophon.

Die Geschichte von Elisabeth und ihrem Weihnachtsfest klingt mit einer irischen Weisheit aus, in der Micha seiner Mutter Zeit wünscht für ›Das Jahr deiner Träume‹, von dem der Chor anschließend singt – wiederum ein Song von Udo Jürgens (Text: Wolfgang Hofer).

Schließlich klingt mit dem hoffnungsvollen ›You’ll Never Walk Alone‹ aus dem Musicalklassiker »Carousel« von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II ein Abend voller »Christmas Dreams« aus, der allen Mitwirkenden sichtlich Freude bereitet hat – allen voran den Solisten, Kevin Tarte und Wilma Harth sowie dem SingIn’Harmonie & Friends-Chor und seinem Leiter Wolfgang Harth.
Bei den mitreißenden Vorträgen zwischen Gospel, Jazz-Standart, Poparie und Musical fiel es manchem der Besucher in der gut gefüllten Kirche gewiss schwer, seine Begeisterung nicht in Applaus zu äußern, doch alle hielten sich an die Bitte, erst am Ende zu klatschen, und genossen die besondere Stimmung dieses stimmungs- und klangvollen Konzertes. Bei einem anschließenden Umtrunk im Klostergarten gab es auch manch nachdenkliche Worte zur Botschaft der Weihnachtsträume.

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