Claus Dam stellt sein Soloprogramm ‚Es bleibt unter uns‘ vor

Here's to Life

Claus Dam Konzert Plakat

  • Arrangements und am Flügel: Christoph Eisenburger
  • Buch: Joy Chun
  • Regie: Bart de Clercq

Der Barkeeper schaut auf die Uhr und kippt die Stuhllehnen gegen die Tische. Dann setzt er sich ans Klavier und spielt in seinen Feierabend hinein. Ein später Gast kommt durch die noch offene Tür in die Bar und schüttelt seinen Regenschirm aus. „Scheißtag“, murmelt er, wirft den Mantel über einen Stuhl und setzt sich zögernd …

Die Bar, der Gast und der Barkeeper als Pianist – das ist der Dreh- und Angelpunkt von Claus Dams One-Man-Compilation-Stück, das am 18. Januar im Arkadas Theater in Köln eine erste Aufführung erlebte. Eine weitere Voraufführung findet am 1. Februar in Wuppertal statt, bevor am 8. März im TIC – Theater im Centrum in Kassel die Premiere gefeiert wird.

Foto: Sandra Reichel

Foto: Sandra Reichel

Das Buch schrieb Joy Chun (Autorin im Bereich TV und Bühne), die Arrangements der Swing- und Musical-Titel stammen von Christoph Eisenburger, der als begleitender Pianist auch den leicht ruppigen Barkeeper mimt, der seinen späten Gast unter dem Motto „Es bleibt unter uns“ zum Sprechen … Singen und mehr bringt.

Daraus entsteht ein heiterer und bewegender Abend, der die Entstehung des Solo-Programms spiegelt und zugleich sehr offen von den glücklichen und traurigen Momenten im Leben des Menschen Claus Dam erzählt.

Angefangen mit seiner Bühnenkarriere – vom Vorsingen am Konservatorium mit Panis Angelicus und Robert Schumanns Kunstlied Die Rose, die Lilie. Das konnte mit ungeschulter Stimme nur schief gehen konnte, wäre da nicht eine spontane Zugabe gewesen – schon damals; er wurde genommen und dachte, die Welt gehört ihm: Cole Porters De-Lovely mit Schirm-Tanz interpretiert.

Ein Musical-Medley der eigenen Karriere von ‚Cats‘ über ‚Les Misérables‘, bis ‚Kolpings Traum‘ – eingerahmt von der berührenden Darstellung als Theaterkater Gus – und eine Compilation aus Titeln, die dem Künstler ans Herz gewachsen sind, prägen diese Darstellung seines Lebens als Musical-Darsteller.

Ein Weg, zu dem ihn ein Besuch am Broadway bewegte, eine Vorstellung von Kanders und Ebbs ‚La Cage aux Folles‘ im Palace Theatre. Hingerissen von der Verbindung der drei Künste des Musicals – Gesang, Tanz und Schauspiel – wusste er: Das will ich machen. Vom klassischen Gesang am Königlich Dänischen Musikkwegen der Liebe. Mit seinem schwedischen Partner verband ihn die Profession und die skandinavische Kultur und Mentalität. Sie folgten dem hoffnungsvollen Motto aus Cole Porters Song: Let’s do it „sei mal verliebt!“und lebten im Siebten Himmel.

Claus Dams Interpretation von What More Can I Say aus William Finns ‚Falsettos‘ gibt diesen Emotionen eine besonders anrührende Form. Doch nur sehr wenige Beziehungen halten ein Leben lang, man lebt sich auseinander, auch wenn man das nicht will – so auch hier. Fast schon ein zornig-verzweifelter Schrei ist die Frage What Kind of Fool am I?

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Foto: Sandra Reichel

Doch, während das Publikum in der Pause war, sind sich Künstler, Barkeeper und Mr „Jack Daniel“ näher gekommen. Sie sitzen zusammen am Tisch und Anekdoten über Auditions werden erzählt – mitten in einer solchen beginnt der 2. Akt und mit einem langen Musical-Medley. Ein Hauch von „Jetzt erst recht“ liegt in der Luft mit der Feststellung: „I’m just a Broadway Baby, walkin‘ on my tired feet, poundin 42nd street to be in a Show“ aus ‚Follies‘ – gefolgt von ‚Cabaret‘ und stilechtem ironischen ‚Saturday Night Fever‘, dann ‚The Lion King‘, ‚Mary Poppins‘ Löffelchen voll Zucker, das bittere Medizin versüßt, mit gekonntem Übergang zu ‚Oklahoma!‘, angetipptem Maria (‚West Side Story‘), hin zu Another One Bites the Dust (‚We Will Rock You‘), Herode’s Song (Jesus Christ Superstar) und der die Stimmung hebenden Feststellung: „Es gibt ein Licht hier am Ende des Tunnels“ und anderen hoffnungsvollen Aussagen wie: Dies ist die Stunde und „Hinterm Horizont geht’s weiter“. All das trug Claus Dam mit sicherem Timing und einem Schuss Selbstironie vor.

Keiner holt einen aus dem Tief, nur man selbst: Pick Yourself Up, denn nichts ist unmöglich! In dieser Stimmung entsteht die Idee zum gerade stattfindenden Abend – etwas Eigenes machen, ohne sich sagen lassen zu müssen, was man anzieht und singt. Etwas von sich erzählen, von dem, was einen selbst bewegt mit Songs, die einem selbst am Herzen liegen Swing und Evergreens im Stil von Frank Sinatra und Sammy Davis jr., wie dem gefühlvollen Fly Me to the Moon. Diese Swing-Hits und Evergreens spiegeln den Stimmungsumschwung zwischen Melancholie und neuer Hoffnung sehr schön wieder und führen zum Showstopper des Abend, keinem Song, sondern einem Satz: „In jeder gut sortierten Bar gibt es irgendwo eine Trompete.“ Bevor Claus Dam ans Konservatorium ging, spielte er Trompete. Dass man nicht nur mit einer Stimme berühren kann, zeigte seine Interpretation von My Funny Valentine – mal klang es schüchtern, dann ging der Ton strahlend ins Licht (man verzeihe mir diese etwas poetische Ausdrucksweise).

Dann kamen die Fragen: Was braucht man für einen gelungenen Solo-Abend und hier kam so mancher Lacher aus dem Publikum, wenn auf die bereits vorhandenen Plakate mit den stimmigen Schwarz-Weiß-Fotos von Karim Khawatmi hingewiesen wurde und die Nutzung des sozialen Netzwerkes von facebook bis youtube. Wichtig war aber vor allem die Erkenntnis, dass etwas Eigenes machen, nicht heißt, dass man es alleine auf die Bühne stellen kann. Help! – Hilfe zur Realisation erhielt Claus Dam auch von Bart de Clercq (Tänzer und Choreograph), der erstmals Regie führte. Einem durchdachten Abend wie diesem, gehen viele Schritte voran und zahlreiche Menschen sind beteiligt, damit dieser – wie hier – gelingt und der Künstler sein Publikum mit Charme gewinnt, entsprechend: „I get no kick from Champagne … I get no kick from cocain … I get a kick out of you.“

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