Wenn du nicht dran bist, bist du nicht dran

Michael Schanze über seinen Weg zum Musical in Bad Hersfeld

Michael Schanze feiert in diesem Jahr sein 45-jähriges Bühnenjubiläum. Der Schauspieler, Sänger und Entertainer wurde 2012 für seine Darstellung des Tevje in ‚Anatevka‘ mit dem Publikumspreis der Bad Hersfelder Festspiele ausgezeichnet und kehrt in diesem Jahr als Käpt’n Andy in ‚Show Boat‘ auf die Bühne der Stiftsruine zurück.

um: Wie kam es zu Ihrem ersten Musicalengagement bei den Bad Hersfelder Festspielen als Tevje in ‚Anatevka‘?

Michael Schanze: Über die Sendung ‚Zimmer Frei‘ (Fernsehshow im WDR, Anm. d. Red.), in der ich zu Gast war. Stefan Huber, der Regisseur von „Anatevka“ in Bad Hersfeld, und ein Freund von ihm sahen diese Sendung und waren sich spontan einig: „So ein Pfund an Menschlichkeit müsste der Tevje ausstrahlen!“ Daraufhin haben sie mich angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das zu machen. Mein erster Gedanke war: „Ein Musical in dem vorkommt: Raffa daffa Buff da schnuff da da duffa dada … Damit will ich nichts zu tun haben.“ Ich bin doch so ein alter Swing-Epigone und da gefallen mir einfach andere Lieder besser.

Dann habe ich mich aber mit dem Stück beschäftigt, und sämtliche Sünden abbüßen müssen, weil ich ganz schnell gemerkt habe, dass es sehr hochnäsig von mir war, so zu denken. Dieses bekannte Lied ‚Wenn ich einmal reich wär“ ist zwar ein Hit, aber das ganze Stück ist voller wunderschöner Musik.

Michael Schanze. Foto: Sandra Reichel

Michael Schanze. Foto: Sandra Reichel

um: Wie war Ihr bisheriges Verhältnis zum Musical? 

MS: Ich habe mir viele Musicals angesehen und bin später auch regelmäßig mit meinen Kindern nach London gefahren, um dort in der Szene zu sein. Ich habe früher in London trainiert, Dance Workshops gemacht und mir dort oft Musicals angeschaut, aber ‚Anatevka‘ habe ich immer ausgelassen weil ich, wie gesagt, dieses Vorurteil hatte. Doch da habe mich total geirrt. Es ist ein Geschenk des Himmels, dass Stefan Huber mich damals für die Rolle des Tevje angesprochen hat, weil sie mir in einem hohen Maße Erfüllung gebracht hat – anders kann ich es nicht sagen. Ich bin in all den Jahren keiner Rolle begegnet, ob am Theater oder sonst irgendwo, wo der darzustellende Charakter so ein 360-°-Charakter ist. Die Figur des Tevje geht von albern über stinkwütend bis todtraurig – man kann als Schauspieler einfach alles zeigen. Und das dann auch von den Zuschauern bis hin zu den Print Medien – und auch denen, die vielleicht einem Schanze gegenüber eine eher kritische Einstellung hatten – zu hören, wenn selbst in der FAZ plötzlich steht: Wenn man den Schanze gesehen hat, vermisst man die ganzen anderen großen Darsteller des Tevje nicht mehr. Bitte verstehen Sie mich richtig, ich möchte mir da nicht auf die Schulter klopfen, aber das war schon so etwas wie ein Ritterschlag. Vor vier Tagen war meine „Golde“ (Marianne Larsen) aus dem letzten Jahr hier, und wir saßen zusammen und waren uns einig, dass wir im letzten Jahr nicht nur bei einer erfolgreichen Produktion dabei waren, sondern etwas Besonderes erleben durften.

 

Man hat mir jetzt wieder ‚Anatevka‘ angeboten, an einem anderen Spielort. Ich erhielt das Libretto, habe die ersten Seiten quergelesen und dabei fielen mir gleich ein paar Dinge auf, die wären Stefan Huber nie durchgegangen bei seiner Bearbeitung. Ich habe dann sofort ausrichten lassen, dass ich dringend über das Buch sprechen muss, denn so wäre ich nicht ihr Mann. Zwei Tage später habe ich die Kündigung bekommen. Aber ich habe mir gesagt, ich lasse mir diese wunderschöne Erinnerung in meinem Leben nicht zerstören, indem ich es in einer minderen Qualität spiele.

um: Wie war die Arbeit mit Regisseur Stefan Huber?

MS: Stefan Huber ist einfach gut. Ich habe mich mit ihm gestritten bis aufs Messer, im besten Sinn. (lacht) Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Diskutieren in der Musicalbranche nicht so üblich ist wie am Theater. Ich denke, das hat mit einer Monopolstellung der Leute zu tun, die große Musicalshows in Deutschland machen, und wenn man es sich mit denen verdirbt, ist das schlecht. Da gibt es ein Defizit, denn wir wissen alle, auch in der Politik führen nicht immer die Inhalte dazu, dass jemand sein Kreuz macht, sondern es sind die Personen, die dafür stehen. Und wenn man darauf verzichtet, Stars aufzubauen, damit die Leute ins Theater gehen und sagen: „Den oder die muss ich unbedingt sehen, dann finde ich, ist das ein klares Defizit.

Ich kenne eigentlich nur zwei große Namen aus der Musicalszene, das sind Uwe Kröger und Pia Douwes, wobei Letztere ihren ersten Fernsehauftritt in meiner Sendung hatte. Damals habe ich mit Michael Kunze, der die Lieder meiner ersten Schallplatte getextet hat, gearbeitet. Ich kenne ihn schon viele Jahre und bin ein großer Fan von ihm. Er hat Maßstäbe gesetzt. Dann kam es dazu, dass er sein erstes Musical geschrieben hat. Pia Douwes hat damals in meiner Sendung ‚Ich gehör‘ nur mir‘ gesungen, und ich war hin und weg.

Seinerzeit hatte Musical jedoch noch keinen solchen Stellenwert wie heute. Am Anfang meiner Musikkarriere hieß es:„Du kannst den Freddie spielen in ‚My Fair Lady‘, und die Straße auf und ab gehen“. Und ich hörte immer: „Das Musical kommt in Deutschland, Du wirst sehen, es kommt.“ Aber es kam nicht, und irgendwann war Freddie längst weit hinter mir. In den 1970er Jahren hätte ich zweimal die Chance gehabt, ins kalte Wasser zu springen. Man hatte mir in Wien ‚Pippin‘ angeboten, und das zweite wunderbare Musical war ‚Aggiungi un Posto a Tavola‘ (Uraufführung am 8. Dezember 1974 im Teatro Sistina in Rom, Anm. d. Red.). Die direkte Übersetzung aus dem Italienischen wäre: „Fügt noch einen Platz am Tisch dazu“. In Deutschland spielte es dann Freddie Quinn unter dem Titel ‚Himmel, Arche und Wolkenbruch‘. Ich habe dieses Stück damals in Bologna gesehen, und es war einer der schönsten Theaterabende meines Lebens. Es geht um einen Pfarrer, der von einer Chorprobe nach Hause kommt, als das Telefon klingelt. Eine wunderbare Stimme sagt: „Hallo, hier ist der liebe Gott, ich habe mir das jetzt lange genug auf der Erde angeschaut, so geht’s nicht weiter. Ich habe mich zu einer weiteren Sintflut entschlossen.“ Der Pfarrer hadert erst mit Gott, dann entschließt er sich, sein Dorf zu retten, und die Bewohner fangen an, eine Arche zu bauen. Es geht in einer wunderbaren Form um das Thema Abschied nehmen und darum, zu neuen Ufern aufzubrechen. Ich habe schon zu Jan (Ammann) gesagt, er würde perfekt in diese Rolle passen. Und die Lieder sind so schön, dass sogar ein Mann wie Andy Williams, den Titelsong „Clementina“ auf Schallplatte aufgenommen hat.

Geradezu unglaublich ist die letzte Szene: Man sieht ein Dürer’sches Abendmahl-Bild. Am Tisch ist ein Platz frei und auf einmal kommt eine abgerichtete Taube von hinten im Sturzflug über die Köpfe des Publikums geflogen und setzt sich genau auf diesen freien Platz … das ist sehr ergreifend.

Wenn ich in ein italienisches Restaurant gehe, singe ich immer zum Spaß eine Zeile aus dem Lied an und in 90 % aller Fälle antwortet mir der Wirt mit dem Anschlusstext – soviel zum Bekanntheitsgrad des Stückes. (lacht)

Es war Professor Rolf Kutschera (langjähriger künstlerischer Leiter des Theaters an der Wien, Regisseur zahlreicher Broadway-Musicals in Wien, Anm. d. Red.) der mir angeboten hat, es zu spielen, aber ich habe mir das damals nicht zugetraut. Vielleicht hätte ich sonst meine große Entscheidung Ende der 90er Jahre, mit dem Fernsehen aufzuhören und etwas in meinem Leben grundlegend zu verändern, schon früher getroffen. Ich habe in den letzten Jahren zuweilen bereut, dass ich damals noch nicht bereit dazu war, wenigstens für drei, vier Monate im Jahr nicht Fernsehen zu machen, sondern Theater zu spielen.

um: Sie spielen in Bad Hersfeld jetzt das zweite klassische Musicalstück und sind jemand, der schon immer in Sachen Musik unterwegs war. Wie war Ihre Arbeit mit den beiden musikalischen Leitern, 2012 mit Kai Tietje bei ‚Anatevka‘ und jetzt mit Christoph Wohlleben für ‚Show Boat‘?

MS: Die Arbeit mit Kai Tietje war eine Wonne. Er ist zweimal bei mir in München gewesen, wir sind die ganzen Titel durchgegangen und haben Tonarten festgelegt, nicht immer zu seiner Freude, aber ich habe ihm gesagt: „Ich will überhaupt keine Angst haben müssen vor einer Vorstellung, bitte lass uns einen Weg finden!“ Ich bin ein „Nerverl“. Wenn ich ein Hundertmeterläufer wäre, hätte ich sicherlich eine chronische Achillessehnenreizung. Nun bin ich aber in einem Beruf, wo ich mit den Stimmbändern zu tun habe. Bis vor einem dreiviertel Jahr war ich ein brutaler Schnarcher, jetzt schlafe ich mit Maske, schnarche nicht länger und mein Hals ist deshalb nicht mehr rau. ‚Anatevka‘ aber war noch in der Vor-Masken-Zeit. Wenn ich da aufgewacht bin und der Hals hat gekratzt, wurde ich nicht nervös und habe inhaliert, sondern mich umgedreht und weitergeschlafen. Denn dank Kai Tietje hatte ich ein wunderbares „Bett“ und fühlte mich mit seinen Tonarten wohl. Die Zusammenarbeit mit ihm war wunderbar. Bei einer solchen Produktion, und in einer solchen Rolle wie dem Tevje, verlierst du Nerven an Stellen, die du vorher nicht einmal erahnen konntest. Wenn die anderen anschließend abends unterm Schirm saßen und die Vorstellung haben ausklingen lassen, da bin ich mit meinem Rucksack nach Hause gelaufen, denn ich brauchte die Kraft für den nächsten Tag.

In diesem Jahr vor ‚Show Boat‘ sagte ich zu Intendant Holk Freytag: „Du, ich habe immer noch keine Unterlagen“, und er sagte: „Das kommt, das kommt“. Aber es kam nichts. Irgendwann habe ich eine SMS geschrieben, dass der Erfolg von ‚Anatevka‘ unter anderem etwas mit einer ganz tollen Vorbereitung zu tun hatte, und mir jetzt der Popo auf Grundeis geht. Daraufhin hat Christoph Wohlleben sich wahrscheinlich gedacht: „Was ist denn das für Einer, der hat doch gar nichts zu singen“. Doch ich wusste nicht, dass ich nichts zu singen habe. (lacht) Das war ein Kennenlernen von beiden Seiten, das nicht skurriler hätte sein können. Mittlerweile sind wir ein Herz und eine Seele, seit er gehört hat, dass ich im Windsbacher Knabenchor gesungen habe, und festgestellt hat, dass ich Ahnung von Musik habe. Da ist er ein super Fachmann, ein fabelhafter Dirigent, und seine Kompetenz wird von keinem infrage gestellt.

Es ist eine Wonne für mich, zu Christoph in den Graben zu schauen. Du musst ab und zu mal Blickkontakt aufnehmen, da ‚Show Boat‘ zu den Musicals gehört, wo sehr viel Musik noch unter dem Text läuft. Deshalb musst du genau im Timing sein, damit du fertig bist, wenn das Thema unten fertig gespielt ist. Daran haben wir hart gearbeitet. Und auch wenn ich nicht die großen Gesangspartien im Stück habe, schaue ich immer wieder mal nach unten in den Orchestergraben und es ist mir eine Freude – so streng er bei den Proben war, als es auf die Premiere zuging. Nach der Fotoprobe sagte er: „Wenn das morgen nicht anders ist, dann ist übermorgen Vormittag, am Tag der Premiere, nicht frei und wir proben bis zum Abend“. Letztlich kam es uns zugute, heute können wir alle stolz auf uns sein.

um: Wie ist die Arbeit mit so einem Riesenensemble auf der Bühne, was verlangt das von Ihnen?

MS: Ich glaube, es sind 40 Leute. Bisher hatten wir Glück mit dem Wetter – ich will es jetzt nicht beschreien, wir haben ja noch einige Vorstellungen vor uns. Die Situation würde dann brutal, wenn mal wirklich ganz schlechtes Wetter wäre. Dann könnte sich das Ensemble nicht mehr so auf die Seiten verteilen, sondern alles wäre geballt unten in den Katakomben. Ich selbst habe den Vorteil, mir mit Jan ein kleines Kabäuschen teilen zu dürfen.

um: Sie haben in ‚Show Boat‘ laut Buch eine Nebenrolle, aber in Bad Hersfeld und mit Ihrer Präsenz wirkt das nicht so. Man hat sogar den Eindruck, dass alle Paarungen in ‚Show Boat‘ Hauptrollen sind. Wie sehen Sie das?

MS: Ich habe kürzlich mit einem Regisseur und Autor gesprochen, der ‚Show Boat‘ sehr gut kennt und der sagte: „Michael, das ist so pfundig, was Dir da gelungen ist, in der Regel ist dieser Käpt’n Andy eine recht eindimensionale Rolle. Bei Dir geht es von diesem Marktschreierischen am Anfang: ‚Hey, kommt alle rein!‘, bis hin zu dem Moment, in dem er fast zusammenbricht, als er diesem ehemals jungen Mann, den er von Anfang an gut fand, sagen musste: ‚Du hast einfach kein Glück gehabt‘. Dass dieser Bogen auch etwas Tiefe bekommt, ist großartig.“ 

In meinen Augen lebt das Stück ganz stark von den sogenannten Nebenrollen: Sophie Berner als Julie ist großartig! Sie hat zwar die Nummer, die am wenigsten Operette ist, aber ich weiß, was es bedeutet, sich so aus dem Stand auf einen Charakter zu fokussieren. Sie hat keinen Anlauf und keine zweite Chance, doch sie kommt und singt dieses „Bill“ … da bekomme ich Gänsehaut. Das ist für mich ein Sternmoment in unserem Stück. Inez Timmer als Parthy ist glänzend, und dass uns jetzt noch gelungen ist, in die Beziehung zwischen ihr und Käpt’n Andy einen anderen Akzent zu bringen, das ist wunderbar. Denn obwohl sie sich immer anmotzen, wie das in so einer langjährigen Verbindung schon einmal sein kann, wenn es darauf ankommt, sind sie doch ein Team. In der Hochzeitsszene wird sie ohnmächtig und ich sage: „Wenn sie wirklich ohnmächtig ist, dann können wir ja jetzt weitermachen“, (lacht) dann gehe ich fast ab, sehe sie da liegen und mache mir doch Sorgen. Ich gehe zu ihr, fächle ihr Luft zu und führe sie behutsam weg. Damit zeigen wir, wenn es ernst wird, dann sind sie doch ein Pärchen.

um: Haben Sie nach den vielen Jahren, die Sie auf der Bühne sind, ein Rezept dafür, dass die Arbeit miteinander auch in besonderen Bühnensituationen, wie hier in Bad Hersfeld, funktioniert? 

MS: Ich halte mich nicht für einen Menschen, der sich durch ausgefahrene Ellenbogen auszeichnet. Wenn neben mir noch andere stattfinden, ob es 40 sind oder auf jeder Seite einer, beeinträchtige ich diese nicht. Grundsätzlich gilt das, was man auch in jungen Jahren beispielsweise schon im Chor lernt: Eigenheiten passen nicht in einen Chor, die muss man zurückstellen.

Es ist immer ein Balanceakt zwischen dem Streben, sich selbst zu verwirklichen, und dem Streben desjenigen neben dir. In dem Moment, wo du dran bist, musst du dann doch deine Eigenheiten durchziehen, aber ohne die anderen zu überrollen.

Es gibt da ein tolles Büchlein von Michael Caine, ‚Weniger ist mehr‘, in dem es um Regeln in Schauspiel und Regie geht. Was er da schreibt, begegnet einem überall auf der Bühne. Davon abgesehen lautet eine Grundtheaterregel:„Wenn du nicht dran bist, bist du nicht dran, ganz egal, was du gerade denkst“.

um: Sie spielen in diesem Jahr zum zweiten Mal nach ‚Anatevka‘ mit Milica Jovanovic als Tochter an ihrer Seite. Stellt sich mit einer Kollegin oder einem Kollegen da so etwas wie ein vertrautes Gefühl ein?

MS: Im Schauspiel merkt man ziemlich schnell, ob der andere eine verlässliche Größe ist. Es ist schön, wenn man das von seinem Partner weiß, und das kann ich im besten Sinne über Milica sagen. Das war in ‚Anatevka‘ jedes Mal wichtig, wenn wir unsere ganz besondere Szene hatten, bei der Verabschiedung, wenn sie nach Sibirien geht und Tevje wirklich den Tränen nahe ist und geradezu mütterlich sagt: „Und sorg‘ dafür, dass sie immer warm angezogen ist. Stefan hat durch seine Inszenierung diese Emotionalität bis zum letzten Moment zurückgehalten, und dann hatten wir die Zuschauer gefangen.

An einer Stelle in ‚Show Boat‘ fühlten wir beide uns an das Vater-Tochter-Verhältnis erinnert: Und zwar am Silvesterabend im Trocadero, wenn Mr Green schon 5-4-3-2-1 runterzählt. Da gehe ich auf sie, die ich lange nicht gesehen habe, zu und sie sagt mir im Weggehen, dass Gay (Gaylord Ravenal) sie verlassen hat und dass sie für Geld singen muss. Dieses Aufeinanderzugehen, das ist so ein Vater-Tochter-Gefühl, wie wir es im letzten Jahr auch hatten. Ich muss es noch einmal sagen: Eine verlässliche Größe auf der Bühne zu haben, ist sehr schön.

Jan (der gerade kommt) und ich teilen uns in Bad Hersfeld nicht nur das kleine Kabäuschen in den Katakomben, wo wir uns aber fast nicht treffen, weil wir immer irgendwo in der Ruine unterwegs sind, sondern wir haben auch ein gutes Miteinander auf der Bühne. Einmal hat mich etwas gedrückt und das habe ich ihm gesagt, und noch am selben Abend hat er es umgesetzt. Das war gar keine große Sache, aber man muss als Kollege das Gefühl dafür haben, wenn man etwas ändert. Und ich weiß, wenn er etwas auf dem Herzen hätte, würde er auch mit mir reden. Und das macht Spaß.

Jan Ammann: Wir haben einen sehr kreativen Dialog.

MS: Und nur so kann man auch mal gemeinsam etwas schauspielerisch an der Schraube drehen. Jetzt liegt das Bergfest schon hinter uns und trotzdem geschieht noch mal etwas auf der Bühne, was dem Stück weiterhilft.

JA: Das ist ja auch das Schöne, dass man zusammen nicht stillsteht.

MS: Aber das ist nicht unbedingt die Regel. Es ist unter Schauspielern so, dass man sich ein bisschen wehren muss, gerade, wenn man mit 46 Leuten auf der Bühne steht, da gäbe es theoretisch 48 Meinungen, und da muss man sich abgrenzen. Wenn es dann jemanden gibt, wo man weiß: „Wenn Du mir das sagst, dann ist das okay.“ Das ist sehr angenehm. Für einen hohen Bariton ist der Jan absolut okay. (allgemeines Lachen) Und jetzt gebe ich das Mikrofon weiter an Jan …

um: Vielen herzlichen Dank für das heitere Gespräch und mögen Sie dem Musical gewogen bleiben. 

 

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