Collage ‚Kocktales‘ der Universität der Künste Berlin

Der Studiengang Musical/Show zeigt sein Können

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Foto: Mattias Heyde

Theresa Scherhag (im Vordergrund) als wartende Braut. Foto: Mattias Heyde

Theresa Scherhag (im Vordergrund) als wartende Braut. Foto: Mattias Heyd

Bereits seit 1992 kreieren Professoren und Studenten des Bereichs Musical/Show an der Universität der Künste Berlin Collagen, mit einer Mischung aus Schauspiel, Gesang und Tanz, die immer im Uni.T, dem Theater der UdK, gezeigt werden. Auch dieses Jahr präsentierte das Sommersemester – zum letzten Mal unter Regie von Peter Kock – wie auch unter der musikalischen Leitung von Adam Benzwi und mit den Choreographien von Rhys Martins einen überraschenden und abwechslungsreichen Abend.

Diese Collagen bieten den Studenten vor allem die Möglichkeit, sich auf einer Bühne vor Publikum zu beweisen, selbst an ihren Präsentationen zu arbeiten und zu wachsen. In einem vorgegeben Rahmen werden in diesem Jahr Songs aus Erfolgsmusicals wie ‚We Will Rock You‘ oder ‚Hairspray‘, aber auch Altbewährtes von Jaques Brel bis Jerry Bock präsentiert, untermalt durch Texte von Volker Ludwig bis Peter Handke. Alles zusammen ergibt dennoch ein stimmiges Bild.

Denis Edelmann (Mitte) mit 'Meine Mutter hat Hitler geküsst'

Denis Edelmann (Mitte) mit ‚Meine Mutter hat Hitler geküsst‘. Foto: Mattias Heyde

Eine junge Frau (Teresa Scherhag) wartet sehnsuchtsvoll vor einem Mikrophon in einem Radiosender. Wie wir erfahren, tat sie das auch gestern schon und den Tag zuvor, doch auch heute keine Antwort von der Front. Sie wartet auf Nachricht von ihrem Liebsten, um ihm endlich die Worte sagen zu können, die sie für immer mit ihm vereinen werden: „Ja, ich will!“ Doch sie wartet wieder einmal vergeblich und in ihr zerbricht das ausgemalte Bild einer glücklichen Ehe, denn ob Kurt noch lebt, ist ungewiss. Innerhalb dieser Rahmenhandlung entspinnen sich kleine Geschichten rund um Liebe, (Fremden-)Hass und Wünsche, die sich vielleicht nie erfüllen werden. Die Themen Nationalsozialismus und Krieg, die sich aus der Zusammenarbeit von Peter Kock mit seinen Studenten an der Collage ergaben, liegen stets wie ein schwarzer Schleier über dem Abend.

Andres Esteban mit Theresa Scherhag. Foto: Juliane Blume

Andres Esteban mit Theresa Scherhag. Foto: Juliane Blume

Manche mahnen still, manche aggressiver, dennoch schaffen die Interpreten es geschickt, davon abzulenken, in dem sie das Thema für sich neu verarbeiten und entdecken.
Ob mit einer kraftvollen und vielversprechenden Interpretation von Another One Bites the Dust durch Keren Trüger, die von Gewehrschüssen unterstrichen wird, durch ein melancholisch sanftes Meine Mutter hat Hitler geküsst von Denis Edelmann oder das kraftvolle So sieht das aus von Rubini Zöllner. Ob mit dem hoffnungsvollen und wundervoll harmonisch gesungenen Mich trägt mein Traum von Teresa Scherhag oder dem nachdenklich machenden Himmelsong von Jaqueline Reinhold. Dazu kommen die darin verwobenen, teils sehr überraschenden Spielszenen. Das alles fügt sich zusammen zu einem letzten Endes überzeugenden Ganzen.

Rubini Zöllner beim Einsatz der Videotechnik. Foto: Juliane Blume

Die eine oder andere unerwartete Szene, wie die ungewöhnliche Interpretation von Ich gehör‘ nur mir in sächsischem Dialekt, gesungen von Rubini Zöllner und untermauert vom direkten Einsatz von Videotechnik, lockert die Szenerie deutlich auf und verhilft ihr zu einem gewissen Witz und Charme. Dank Gethsemane (Lars Schmidt), das so in deutscher Sprache gesungen auf deutschen Bühnen selten präsentiert wird, und das die losen Enden verknüpft, wird wieder eine Einheit daraus.

Die Choreographie von Rhys Martin zu dem abgewandelten, wuchtigen Chorsatz O Fortuna aus Carl Orffs szenischer Kantate Carmina Burana ist kraftvoll, beeindruckend und bedrohlich, aufgrund ihrer Intensität. Große, ausladende Bewegungen, verbunden mit Gleichschritt und Videoprojektionen, die mit fratzenhaften Skeletten den Tod symbolisieren, werden zu einem starken Bild, das zweifelsohne noch lange nachhallt und aufrüttelt.

Zum Abschluss bietet das Ensemble den Titel Für immer ab jetzt von Johannes Oerding, der für jeden der Beteiligten zweifellos eine sehr eigene Bedeutung hat. Die Zeilen „Und die Zeit steht still, weil ich diesen Moment für immer behalten will. Und ich halt ihn fest für immer ab jetzt“ berühren und liefern einen gelungen Abschluss für dieses durchdachte und einzigartige Programm.

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