BUDDY in Concert

Rock'n'Rollender Abend mit vier Vollblutmusikern

Dirk Posner, Daniel Larsson, Jens Holm und Uwe Plociennik. Foto: Tilo Pomplitz

Dirk Posner, Daniel Larsson, Jens Holm und Uwe Plociennik. Foto: Tilo Pomplitz

Normalerweise geht man in ein Theater, um sich ein Schauspiel, eine Oper, ein Ballett oder ein Musical anzusehen. Doch dieses Mal, am 10. April 2013, strömt das Publikum ins beinahe ausverkaufte Landestheater Altenburg für eine konzertante Show, die die Legenden des Rock’n’Roll wieder lebendig werden lässt: ‚BUDDY in concert‘, das sind Jens Holm (Gitarre), Uwe Plociennek (Schlagzeug), Dirk Posner (Bass) und seit 2012 auch Daniel Larsson (Gesang). Dass mit diesen vier Herren nicht nur Originalstars des Musicals ‚BUDDY – Die Buddy Holly Story‘, sondern auch wahre Alleskönner und Vollblutmusiker auf der Bühne stehen, merkt man recht schnell, spätestens aber, wenn Dirk Posner auf seinem eigenen Kontrabass stehend immer noch die richtigen Saiten zupft oder alle komplett die Instrumente tauschen, und immer noch kein schiefer Ton zu hören ist.
Das Publikum reagiert zunächst verhalten, bis auf einige Fans in Petticoat-Kleidern, doch letztlich lässt sich jeder im Saal mitreißen und begeistern vom Beat des „Rock’n’Roll der 50er Jahre“. Eventuell ist ein Theater mit gemütlichen Sitzplätzen doch nicht der richtige Ort für ein Rock’n’Roll Konzert … Durch den Abend führen die vier Künstler selbst, mit viel Witz, Charme und Publikumsnähe tanzen, spielen und singen sie sich in die Herzen der Zuschauer. Kleinere Anekdoten, wie über das Leben in fragwürdigen Hotels mit dem Klo auf dem Hof, oder improvisierte Witzeleien („Es gab eine Zeit, in der der Ipod noch Mundharmonika hieß.“) lockern die Atmosphäre auf.

Dirk Posner, Uwe Plociennik, Mareike Schnitzel und Jens Holm. Foto: Tilo Pomplitz

Dirk Posner, Uwe Plociennik, Mareike Schnitzel und Jens Holm. Foto: Tilo Pomplitz

Unterstützt werden die mit stilechten Buddy-Holly-Anzügen und -Brillen stets passend gekleideten Musiker von Saxophonistin Kora Rohr (alternierend Mareike Schnitzel), die unter anderem in ihrem Solo Let’s Have a Party ihre kraftvolle Rockröhreunter Beweis stellt und auch optisch swingend im Petticoat-Kleid überzeugt. Ein weiteres Highlight für das Auge sind die beiden Tanzpaare des Leipziger Rock’n’Roll Clubs Alpha 69‚, die mit rasanten Tanzeinlagen und akrobatischen Elementen begeistern. Neben Hagen und Claudia Stichler überzeugen hier vor allem Kristin Neumeister und Michael Hans in einer Szene, die dank Perücken und charakteristischer Tanzelemente nicht nur zufällig an den Kult-Klassiker ‚Pulp Fiction‘ erinnert.
Doch auch das Publikum darf/muss tatkräftig mithelfen und das Konzert gestalten, nicht nur durch mehr oder weniger rhythmisches Mitklatschen und –wippen, sondern auch als „Chorgemeinde“, menschlicher Keyboardständer, zweite Saxophonstimme oder durch eine Abstimmung, ob der arme, selten im Rampenlicht stehende und daher oft übersehene Schlagzeuger nicht nur beeindruckende Soli trommeln – sogar im Dunkeln mit beleuchteten Sticks -, sondern auch einmal singen darf oder nicht – zuerst darf er nur schnipsen, beim zweiten Anlauf jedoch gelingt das Vorhaben …

Daniel Larsson. Foto: Tilo Pomplitz

Daniel Larsson. Foto: Tilo Pomplitz

Neben den vier Rock’n’Rollern stehen diverse, „hochkarätige Gaststars“ auf der Bühne: Josephin, die in einem Lied besungen wird, ist eine Frosch-Handpuppe; Gotthilf Fischer, der Big Bopper und Jerry Lee Louis werden allesamt von Sänger Daniel Larsson imitiert, der als Jerry …auch seine virtuosen Klavierkünste zeigen kann; der schwedische Musicaldarsteller überzeugt zudem mit einem Steppsolo, welches sich aber irgendwie nicht richtig in das Gesamtkonzept einfügen will.
Leider gibt es weder Programmheft noch Songliste, sodass nicht jeder weiß, was gerade gespielt wird, doch zeitlose Hits wie Rock Around the Clock, Buena Sera Signorina oder Let’s Twist again zünden trotzdem. Buddy Hollys It’s so Easy to Fall in Love ist sogar mit einer kleinen Weltreise verbunden und in einer jamaikanischen Reggae-, einer argentinischen Tango-, bayerischen Volksmusik- und griechischen Sirtaki-Version zu erleben. Mit Cotton Eye Joe begeben sich Musiker und Zuhörer auf eine Reise in den Wilden Westen, direkt danach flitzen alle mit Speedy Gonzales nach Mexiko – hinreißend komisch sind hier Kora Rohr und Uwe Plociennik als quietschig-singende Mausestimmen.
Direkt vor der Pause beweisen die Künstler noch einmal, dass sie nicht publikumsscheu sind, und ziehen mitsamt ihren Instrumenten durch den gesamten Theatersaal.

Daniel Larsson und Jens Holm. Foto: Tilo Pomplitz

Daniel Larsson und Jens Holm. Foto: Tilo Pomplitz

Obwohl der zweite Teil ein paar Längen hat, ist er immer noch witzig, charmant und musikalisch hochwertig – ein Highlight ist hier etwa der Chantilly Lace aus dem Buddy-Holly-Musical oder das bekannte La Bamba, präsentiert mit mexikanischen Sombreros auf dem Kopf.
Doch man hat auch den Eindruck, dass in der Pause die Tonregie (Dirk Posner) gewechselt hat, denn obwohl diese im ersten Teil ihre Sache wunderbar gemacht hat, alle Instrumente gut ausbalanciert und alle Stimmen zu verstehen waren, ändert sich das jetzt – die Musik dröhnt unangenehm, teilweise schmerzhaft laut aus den Boxen und erschwert so das entspannte und freudige Zuhören – schade.
Das Lichtdesign (Felix Vogel) ist durchweg abwechslungsreich, passend und untermalt die einzelnen Songs sehr gut.

Natürlich möchte das Publikum die Künstler nicht ohne Zugabe von der Bühne lassen und als Dank für den stürmischen Applaus gibt es dann gleich vier Songs: den Klassiker und Musical-Hit Peggy Sue, von Kora Rohr Scooby Doo, dann Stupid Cupid und zum Schluss Bye-bye Love, erneut mit tatkräftiger Unterstützung des Publikums.
Damit geht ein rock’n’rollender und beswingter Abend voller Charme und Humor zu Ende und beim Hinausgehen hört man sogar einige Zuschauer einen der vielen Ohrwürmer summen. Weitere Konzerttermine sind bereits bekannt gegeben und auf der Homepage der Künstler, www.buddyholly.de, einsehbar. Wer die Chance hat, sollte sich diese vier Multitalente nicht entgehen lassen!

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