‚Musical Moments‘ in Neu-Isenburg

Berührende und überraschende Momente - 4 große Stimmen mit 'Musical Moments' auf Tour

Musical Moments Plakat

  • 21. Januar 2011 um 20:00 Uhr
  • Hugenottenhalle in Neu-Isenburg 
  • Jan Ammann, Andreas Bieber und Carin Filipčić
  • Special Guest: Katja Berg 
  • Band unter Leitung von Marina Komissartchik am Flügel

Zur Premiere des neuen Konzertformats vernehmen wir, dass bei dieser Konzertreihe die Stimmen der Protagonisten im Vordergrund stehen sollen.

Aber sehr gerne – deuten doch schon die Namen der vier Künstler, die das Format tragen, darauf hin, dass den Zuschauer und -hörer immense Stimmgewalt erwartet. Und die Erwartungen werden nicht nur erfüllt, sondern noch übertroffen.

Vier starke Solisten. Foto: Sandra Reichel

Vier starke Solisten. Foto: Sandra Reichel

Jan Ammann, Katja Berg (als Special Guest), Andreas Bieber und Carin Filipčić sind die seit vielen Jahren im Musical Business fest etablierten und erfolgreichen Pfeiler der Show. Begleitet wird das Quartett von der fulminanten Marina Komissartchik am Flügel, Matthias Plewka an den Drums und Hannes Kühn an der Gitarre.

Die zu ca. zwei Dritteln besetzte Hugenottenhalle in Neu-Isenburg erweist sich als passende Konzertstätte mit bekannt guter Akustik, die Soundabmischung lässt keine Wünsche offen. Die Lichtgestaltung beschränkt sich auf dezentes Nebelgewaber mit viel Rot, was als Hintergrund zwar stimmig ist, zuweilen jedoch zu irritierendem Pumuckl-Farbton der Haupthaare der Akteure führt.

Foto: Sandra Reichel

Foto: Sandra Reichel

Das Programm lässt Vorfreude aufkommen. Endlich gibt es auch — neben den bewährten Fixpunkten — viel Neues zu entdecken, zu hören, mitzuerleben.

Anerkennung gebührt Mario Stork für viele interessante und unerwartete Arrangements. Bekannte Titel werden in gänzlich ungewohnten, aber dafür umso packenderen Variationen vorgetragen, so zum Bespiel das wunderbare ‚Music of the Night‘ als Duett mit Jan Ammann und Carin Filipčić. Diese Nummer und die beiden stimmgewaltigen „Kaiserinnen“ Carin Filipčić und Katja Berg als ungewöhnliche Duett-Formation der Elisabeth-Hymne ‚Ich gehör‘ nur mir‚ sind beeindruckende Performances der an Höhepunkten reichen Show.

In diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnt werden muss der gut geglückte, szenisch dargestellte ‚Ghost‚-Block. Sehr natürlich und überzeugend zeigen uns Katja Berg und Jan Ammann das junge, verliebte Paar Molly und Sam, wie sie sich ihre gemeinsame Wohnung einrichten, kistenschleppend, und sich zwischendurch immer herzend.

Für Lacher sorgen Andi Bieber und Jan Ammann als „Hellas Angels“ mit ihrer ganz speziellen Version von ‚Griechischer Wein‘. Anflüge von Sirtaki amüsieren das Publikum ebenso wie der von Jan Ammann im Lied Anwendung findende griechische Akzent — der Künstler scheint offensichtlich ein Talent für Dialekte und Akzente zu haben.

Im Einzelnen

Foto: Sandra Reichel

Foto: Sandra Reichel

Jan Ammann

Es macht Freude, mitzuerleben, wie der ausgebildete Klassikbariton immer vielseitiger wird und sein Repertoire stetig erweitert.

Das Publikum erlebt seine erstmalige Interpretation der anspruchsvoll zu singenden Musical-Gänsehautarien ‚Bring ihn heim‘ aus Les Misérables und ‚Till I Hear You Sing‘ aus ‚Love Never Dies‚. Einfach wunderbar.

Einen Vergleich mit dem großartigen Ramin Karimloo, der beide Titel aktuell (‚Les Misérables‘) bzw. bis vor kurzem (‚Love Never Dies‘) am Londoner West End in den entsprechenden Produktionen darbietet, braucht Ammann nicht zu scheuen. Chapeau! Dass er mit seiner Paraderolle als Graf Krolock erneut begeistert, versteht sich fast schon von selbst.

Seine „unstillbare Gier“ reißt die Besucher von den Sitzen, hin zu Standing Ovations und lang anhaltendem Jubel.

Stimmlich lässt Jan Ammann keinerlei Wünsche offen, woran er noch weiter arbeiten kann, ist Bühnenpräsenz bei den Titeln, die er noch nicht im Stück dargestellt hat — hier ist noch Luft nach oben.

Foto: Sandra Reichel

Foto: Sandra Reichel

 

Katja Berg

Was für eine Röhre! Als eine mehr als passende Verstärkung für die drei Stammsolisten fügt sich Katja Berg sowohl stimmlich als auch darstellerisch sehr gut in das Quartett ein.

Ihre Interpretation von ‚With You‘ aus ‚Ghost‘ geht schwer unter die Haut.

Egal ob als Solistin oder im Duett mit Andreas Bieber (‚The Last Night of the World‘), Jan Ammann (‚Totale Finsternis‘: grandios! und Here Right Now) oder mit ihrer ebenfalls stimmgewaltigen Kollegin Carin Filipčić (‚Dancing Queen‚) — Katja Berg begeistert!

Foto: Sandra Reichel

Foto: Sandra Reichel

Andreas Bieber

Seit mehr als 20 Jahren steht Andreas Bieber schon in großen und bekannten Musicals auf der Bühne, doch er ist immer noch der frische, Energie versprühende Lausbub mit enormer Stimme und Charme.

Gleich zu Beginn des Konzerts liegt ihm das Publikum zu Füßen bei seinem Vortrag ‚Ich wollte nie erwachsen sein‘. Andreas Bieber ist einfach ein Sympathieträger, und vielseitiger Künstler. Wie er ‚Electricity‚ aus ‚Billy Elliot‘ auf die Bretter zaubert, zweisprachig (wobei die deutsche Übersetzung nicht hundertprozentig punktet), das hat schon was.

Überzeugend natürlich seine Joseph-Darstellung, und enorm berührend seine Verzweiflung bei ‚Warum kannst Du mich nicht lieben, wie ich bin‘ aus ‚Mozart!‘ Beim im wahrsten Sinne des Wortes packenden Männer-Duett ‚Die Schatten werden länger‚ als Rudolf im Verbund mit dem „Tod“ Jan Ammann hätte man im Publikum eine Stecknadel fallen hören können. Großes Kino!

Foto: Sandra Reichel

Foto: Sandra Reichel

Carin Filipčić

Last but not least die „Powerlady“ aus Wien. Carin Filipčić steht ebenfalls seit bereits mehr als 20 Jahren erfolgreich auf der Bühne.

Mit ihrem wunderbar warmen Mezzosopran ist der Vortrag von ‚Gold von den Sternen‘ ein Highlight, doch ebenso berührend wie stimmsicher ihre Interpretation von ‚Ich hab geträumt vor langer Zeit‘ und besonders anrührend ‚Durch meine Finger rinnt die Zeit’.

Nicht zu vergessen ihr hingebungsvolles ‚Rebecca‚, womit sie das Auditorium in das düstere Manderley mitnimmt.

Abschließend ist festzuhalten, dass vielleicht der eine oder andere Compilation-Titel nicht unbedingt hätte sein müssen, aber so etwas ist ja Geschmackssache. Kleinere Unsicherheiten beim Timing, insbesondere bei den Ensemblenummern, werden sich im Verlauf der Konzertreihe sicherlich ausbügeln lassen. Zum Schluss des Konzerterlebnisses wünscht man sich eine mitreißendere Nummer als Zugabe, die Reprise von ‚For the Glory‚ ist sehr kurz. Überhaupt kommt das Ende des Konzerts etwas abrupt, man sollte doch ruhig der Begeisterung des Publikums für die Darsteller beim Schlussapplaus mehr Zeit und Platz einräumen.

Für die erste Jahreshälfte 2012 sind weitere Konzerte dieser Reihe angesetzt, am 1. Februar in Hamburg, am 3. Februar in Filderstadt, und am 4. und 5. Februar 2012 in Düsseldorf und am 14. Mai in Wien.

MUSIKTITEL INTERPRET/-IN WISSENSWERTES
1. Teil
Another Openin’, Another Show Jan Ammann, Andreas Bieber, Carin Filipčić Kiss Me, Kate (Cole Porter / Samuel und Bella Spewack) – UA am 30.12.1948 am Century Theatre, New York
Basierend auf Shakespeare’s ‚Der Widerspenstigen Zähmung‘ geht es im Musical um ein Stück im Stück – mit all den Irrungen und Wirrungen, bis ein Paar endlich zusammenkommt. Der Titel direkt nach der ‚Ouvertüre‘ geht einher mit den Proben für den Beginn der Aufführung – eine ideale Eröffnungsnummer für eine Musicalgala.
This is the Moment Jan Ammann Jekyll & Hyde (Frank Wildhorn / Leslie Bricusse) – UA 24.05.1990 im Alley Theatre Houston
Auf Grundlage des weltbekannten Romans von Robert Louis Stevenson ‚The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr Hyde‘ ist dieses packende Musical zwar düster, doch voll wunderbarer Balladen. Das Stück gilt in der Hauptrolle des Doppelcharakters Jekyll/Hyde als die darstellerisch größte Herausforderung im Musical-Business. In der bekannten Hymne ‚This is the Moment’ entschließt sich der Arzt Dr. Henry Jekyll, sich in einem Selbstversuch die von ihm entwickelte Substanz JH7 zu injizieren, welche nach seiner Theorie im Menschen das Gute vom Bösen abspalten soll. Dies geht schief, und das Experiment gerät außer Kontrolle, mit allen fatalen Auswirkungen.
Ich wollte nie erwachsen sein Andreas Bieber Tabaluga & Lilli (Peter Maffay / Rolf Zuckowski, Gregor Rottschalk / Helme Heine) – UA am 24.09.1999 im TheatrO CentrO in Oberhausen
In dem Musical oder besser gesagt, in der Show für die ganze Familie, kämpft der kleine Drache Tabaluga gegen den bösen Herrn des Eises, Arktos, der mit seiner Kälte die ganze Welt überziehen will. Tabaluga muss das wahre Feuer finden, um die Erde vor dem Erfrieren zu retten. Seine Liebe zu Lilli hilft ihm dabei, und natürlich siegt am Ende das Gute über das Böse. ‚Ich wollte nie erwachsen sein‘ ist das anrührende musikalische Hauptthema des Stücks.
Gold von den Sternen Carin Filipčić Mozart! (Sylvester Levay / Michael Kunze) – UA am 02.10.1999 im Theater an der Wien
Das Musical stellt den ewigen Konflikt des wilden Genies Wolfgang Mozart mit seinem gestrengen Vater und sein Streben nach persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit in den Vordergrund.
‚Gold von den Sternen’ ist die Arie der Baronin von Waldstätten, einer Gönnerin und Förderin von Wolfgangs Talent. In diesem Lied versucht sie Wolfgangs Vater, der seinen Sohn nicht gehen lassen will, mittels einer Metapher zu erklären, warum er seinen Sohn hinaus in die Welt ziehen lassen muss, denn „lieben heißt, manchmal loslassen können, lieben heißt manchmal von Geliebtem sich trennen, lieben heißt nicht nach dem eignen Wohl fragen, lieben heißt unter Tränen zu sagen: weit von hier fällt Gold von den Sternen, Du kannst es finden, da draußen wo noch keiner war.“
I’m a Woman
(Kurzversion)
Katja Berg Smokey Joe’s Cafe (Musical-Revue von Jerry Leiber und Mike Stoller) – UA 1995 am Broadway, New York
Die Show ist eine Revue und reiht 39 Songs aus den Bereichen Pop, Rock, Blues und Jazz aneinander. Der Titel ‚I’m a Woman‘ setzt eine starke weibliche Duftmarke, und geht mit seiner rockig-funkigen Melodie sofort ins Ohr.
Last Night of the World Andreas Bieber & Katja Berg Miss Saigon (Claude-Michel Schönberg / Alain Boublil) – UA am 20.9.1989 im Theatre Royal Drury Lane, London
Inspiriert von Puccinis ‚Madame Butterfly‘ spielt das Musical in der Ära des Endes des Vietnamkrieges, Schauplatz ist Saigon. Das 17-jährige Barmädchen Kim verliebt sich in den amerikanischen GI Chris. Dieser verlässt mit dem letzten US-Hubschrauber die Stadt, bevor die Truppen des Vietkongs in Saigon einfallen. Kim bleibt allein zurück, schwanger. Jahre später, Chris ist längst in seiner Heimat mit einer Amerikanerin verheiratet, kreuzen sich die Wege des einstigen Liebespaares wieder. Kim glaubt immer noch daran, dass Chris sie und ihren gemeinsamen Sohn mit nach Amerika nimmt. Als sie jedoch Chris’ Frau kennenlernt, weiß sie, dass es für sie und Chris keine gemeinsame Zukunft gibt. Sie bringt sich um, und ermöglicht somit ihrem Sohn eine gesicherte Zukunft bei seinem Vater in den USA. Im Liebesduett ‚The Last Night of the World’ zelebrieren Kim und Chris ihre Liebe.
LES MISÉRABLES
Ich hab‘ geträumt vor langer Zeit
Carin Filipčić Les Misérables (Claude-Michel Schönberg / Alain Boublil) – UA am 17.09.1980 in Paris
Das Musical nach dem Werk von Victor Hugo, ‚Die Elenden‘, beschreibt die Ära der Französischen Revolution bis in die Zeit danach. Roter Faden des Werkes ist die Lebensgeschichte des Sträflings 24601, der zu Zwangsarbeit verurteilt wurde, weil er Brot gestohlen hat. Als Jean Valjean durchläuft er eine Läuterung zum Gutmenschen, nimmt von der sterbenden Fantine deren Mädchen an Vaterstatt an, durchlebt mit den aufständischen Studenten auf den Barrikaden die 1833er oder Studenten Revolution in Paris. Verfolgt wird er sein ganzes Leben hindurch vom verbitterten Polizisten Javert, für den es ein Ding der Unmöglichkeit ist, dass sich ein ehemaliger Sträfling zum Guten ändern kann.
In der anrührenden Ballade ‚Ich hab geträumt vor langer Zeit‘ erkennt Fantine, dass ihre Lebensträume allesamt unerfüllt blieben.
Bring ihn heim Jan Ammann Die Nacht nach den Barrikaden, am nächsten Morgen steht der entscheidende Kampf zwischen den Aufständischen und der Armee an. Die Rebellen legen sich zum Schlafen. Valjean betet für den Studenten Marius, die Liebe seiner Ziehtochter Cosette, und bittet Gott, ihn zu verschonen.
Electricity Andreas Bieber Billy Elliott (Elton John / Lee Hall) – UA 12.05.2005 in London
Musical nach dem erfolgreichen Film aus dem Jahr 2000. Erzählt wird die Geschichte des 12-jährigen Billy, der mit Vater, Oma und älterem Bruder in einem Bergarbeiterort im Norden Englands wohnt. Die Mutter ist gestorben. Vater und Bruder arbeiten unter Tage, ein Streik legt die Region lahm. Billy soll Boxen lernen, doch er merkt schnell, dass das nicht seine Welt ist – stattdessen ist er fasziniert vom Tanz. Eine engagierte Ballettlehrerin fördert ihn, heimlich. Als der Vater dahinterkommt, ist er wütend und entsetzt. Doch Billy lässt sich nicht abbringen von seiner Leidenschaft, er kann nicht anders. Der Vater lenkt schließlich ein und begleitet Billy zu einem Vortanzen in der wichtigsten Ballettschule des Landes. Billy wird angenommen, und letztlich ein großer Star in Covent Garden.
Im Juni 2009 gewann das Musical 10 Tony Awards, den Oscar der Theaterwelt.
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‘Electricity’: Billy ist beim Vortanzen vor dem Gremium der Royal Ballet School in London. Von der Kommission befragt, warum er Tänzer werden wolle, fehlen Billy die Worte. Er druckst herum, doch plötzlich bricht es aus ihm heraus, und er beginnt ekstatisch zu tanzen: „Es ist Elektrizität, ich kann nicht anders, als meinen Körper zu bewegen, zu der Musik, die in meinem Kopf stattfindet.“
GHOST
Here Right Now
Jan Ammann & Katja Berg Ghost (Dave Stewart / Glen Ballard / Bruce Joel Rubin) – UA am 28.3.2011 in Manchester
Und noch ein Musical, das auf einem erfolgreichen Film basiert – (aus dem Jahr 1990, mit Demi Moore und Patrick Swayze):
Die Geschichte erzählt vom jungen Liebespaar Sam und Molly, die Opfer eines Überfalls werden, wobei Sam ums Leben kommt. Sam verbleibt in einer Zwischenwelt als Geist, da Molly sich in Gefahr befindet und Sam aus diesem Grund noch nicht ganz „gehen“ kann. Über das Medium Oda Mae Brown, die über hellsichtige Fähigkeiten verfügt, kann er mit Molly in Kontakt treten. In der Nummer ‚Here Right Now’ sehen wir das junge Paar beim Bezug ihrer Wohnung, sie sind glücklich und freuen sich auf das gemeinsame Leben, das vor ihnen liegt.
Unchained Melody Jan Ammann Molly lässt ihren Gefühlen für Sam freien Lauf und sagt ihm „ich liebe Dich“ – woraufhin von Sam lediglich ein „dito“ zurückkommt. Molly ist erbost, dass ihr Freund es nicht über sich bringt, ebenfalls die für sie so wichtigen drei Worte auszusprechen, schmollt. Sam greift daraufhin zur Gitarre, und stimmt ‚Unchained Melody‘ an – Molly ist immer noch sauer auf ihn, und erklärt ihm, dass er auf diese Tour gar nicht versuchen solle, sie wieder rumzukriegen. Doch natürlich schmilzt sie im Laufe des Liedes doch wieder dahin.
With You Katja Berg Zwei Schüsse fallen, und wir wissen, dass Sam tödlich getroffen wurde. Molly sitzt alleine in ihrem gemeinsamen Appartement, auf einem Umzugskarton, und ist fassungslos, kann nicht verstehen, warum sie plötzlich alleine ist, und bringt ihren Schmerz über den Verlust ihres Liebsten in der zu Herzen gehenden Nummer ‚With You‘ zum Ausdruck.
Wie vom Traum verführt / Schließt jede Tür Andreas Bieber Joseph And the Amazing Technicolor Dreamcoat (Andrew Lloyd Webber / Tim Rice) – UA 01.03.1968 als Schulproduktion, Überarbeitung durch Lloyd Webber 1991
Das Musical erzählt die biblische Geschichte von Joseph in Ägypten, auch Joseph der Träumer genannt. Dieser war ein Sohn des Patriarchen Jakob und späterer Berater des ägyptischen Pharaos. Jakobs Lieblingssohn Joseph wird aus Eifersucht von seinen Brüdern an den reichen Potiphar als Sklave verkauft. Dessen Ehefrau versucht, den jungen Mann zu verführen, was dazu führt, dass es in Potiphars Haushalt Ärger gibt: Joseph wird ins Gefängnis geworfen (‚Schließt jede Tür‘). Dank seines erfolgreichen Traumdeutens kann Joseph seine Haut retten, indem er den „King“ Pharao vor einer siebenjährigen Hungersnot warnt und Ägypten als eine Art Wirtschaftsminister durch diese schwierige Zeit führt. Dabei trifft er seine Brüder wieder und verzeiht ihnen, (‚Wie vom Traum verführt‘).
Music of the Night Carin Filipčić & Jan Ammann Das Phantom der Oper (Andrew Lloyd Webber / Richard Stilgoe / Charles Hart / Mike Batt – UA am 09.10.1986 am Her Majesty’s Theatre in London – das Musical läuft dort seitdem ununterbrochen
Das weltweit erfolgreichste Musical spielt Ende des 19. Jahrhunderts in der Pariser Opera Populaire. In den Katakomben der Oper hat sich ein seit Geburt entstellter, aufgrund dessen ständig auf einer Hälfte das Gesicht mit einer Maske verhüllender, höchst kreativer und musischer Mann, genannt das „Phantom“, eingerichtet. Sein Augenmerk fällt auf das Ballettmädchen Christine Daaé, das Phantom erkennt ihr außergewöhnliches Stimmtalent und erteilt Christine in einer Art Hypnose Gesangsunterricht, und verliebt sich dabei in das schöne junge Mädchen. Das Phantom fordert im Folgenden die Direktoren der Oper unmissverständlich auf, sein Protegé als neue Primadonna der Opera Populaire einzusetzen, was verständlicherweise den Unmut der Diva, die bislang diese Position innehat, hervorruft. Das Phantom bringt die eingeschüchterte Christine in sein unterirdisches Verlies in der Hoffnung, dass sie sich ihm emotional annähert – er versucht dies zu erreichen mit seiner komponierten ‚Music of the Night‘. Obwohl Christine vom Phantom fasziniert ist, wendet sie sich doch dann dem jungen, attraktiven Raoul Vicomte des Chagny zu.
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Als außergewöhnliches Duett wurde diese Nummer seinerzeit von Barbra Streisand & Michael Crawford, dem Ur-Phantom, bei einer Gala anlässlich eines Festaktes zu Ehren von Komponist Lord Andrew Lloyd Webber vorgetragen.
Till I Hear You Sing Jan Ammann Love Never Dies (Andrew Lloyd Webber / Ben Elton / Glenn Slater) – UA am 09.03.2010 in London, Sequel vom Phantom der Oper
Coney Island bei New York: In seinem sogenannten „Nest“, einem Turm hoch über dem von ihm geschaffenen Vergnügungspark Phantasma, wird klar, dass der mysteriöse Mr. Y das Phantom ist, das einige Zeit zuvor in den Katakomben der Pariser Opera Populaire sein Unwesen trieb. In diesem Turm hoch über dem Park himmelt er einen von ihm erschaffenen Roboter-Automat an, der wie Christine aussieht. Trotz der zehn Jahre, die vergingen und den Erfolgen, die er hatte, verzehrt er sich immer noch danach, mit Christine vereint zu sein, und sie wieder für ihn singen zu hören.
Die wunderschöne Arie ‚Till I Hear You Sing‘ ist der bekannteste Titel aus der Fülle von großartigen Melodien aus diesem aktuellen Werk von Andrew Lloyd Webber.
For the Glory alle Solisten The Civil War (Frank Wildhorn / Gregory Boyd / Jack Murphy) – UA am 16.9.1998 in Houston
Das Musical, das in den USA als Flop aus der Feder von Komponist Frank Wildhorn mit nur 62 Vorstellungen am Broadway in die Annalen einging, spielt während des amerikanischen Sezessionskrieges. Die Titel spiegeln die Situation aus Sicht der Union, der Konföderierten und der Sklaven wider. Es wurde als „Bestes Musical“ für den Tony Award nominiert und tourte 2000 durch de USA.
‚For the Glory‘ ist eine der großen Wildhorn-Hymnen.
2. Teil
Can You Feel the Love Tonight alle Solisten Der König der Löwen (Elton John / Tim Rice) – UA am 31.07.1997 im Orpheum Theatre, Minneapolis
Basierend auf dem Disney Zeichentrickfilm gleichen Titels wird die Geschichte vom Löwenjungen Simba, seinen Eltern, seinem bösen Onkel Scar und all den Savannentieren erzählt. Das Musical war seinerzeit eine Sensation, weil erstmals Menschen verbunden mit Tierpuppen und -masken agierten, eine grandiose Idee der Regisseurin Julie Taymor.
‚Can You Feel the Love Tonight‘ ist das Liebeslied von dem jungen, zum erwachsenen Löwen herangereiften Simba und Nala, der Löwin, die sein Herz erobert hat.
ELISABETH
Ich gehör‘ nur mir
Carin Filipčić & Katja Berg Elisabeth (Sylvester Levay / Michael Kunze) – UA am 03.09.1992 im Theater an der Wien
Das erfolgreichste deutschsprachige Musical (an die 9 Millionen Zuschauer bisher) erzählt in engster Anlehnung an die Elisabeth-Biographie der anerkannten Historikerin Dr. Brigitte Hamann und das poetische Tagebuch der Kaiserin die wahre Geschichte der als Prinzessin von Bayern geborenen und durch Heirat mit Franz Joseph von Österreich zur Kaiserin und später auch Königin von Ungarn gekrönten Elisabeth, fernab jeglichen „Sissi“-Schnulzenkitsches der früheren Romy Schneider Filme.
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‚Ich gehör‘ nur mir‘ ist die große Befreiungsarie der Elisabeth im ersten Akt, sie will nicht gehorsam, gezähmt und gezogen sein, sondern über sich selbst bestimmen, sie will niemandem gehören, nur sich selbst.
Die Schatten werden länger Jan Ammann & Andreas Bieber Im zweiten Akt des Musicals zieht sich die Schlinge um den unglücklichen und verzweifelten Sohn Elisabeths, Kronprinz Rudolf, immer mehr zu. Er sieht keinen Ausweg mehr – der Tod, Wegbegleiter Elisabeths seit Jugendtagen, insistiert Rudolf gegenüber, dass sein einziger Ausweg nur noch der Selbstmord sein kann.
Rebecca Carin Filipčić Rebecca (Sylvester Levay / Michael Kunze) – UA am 28.09.2006 im Raimund Theater, Wien
Nach dem weltberühmten gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier kreierten Levay/Kunze ein packendes Krimi-Musical in dessen Zentrum eine junge, noch naive Frau steht, im Stück nur „Ich“ genannt. Sie begegnet in Monte Carlo dem anziehenden doch gleichwohl mysteriösen Adligen Maxim de Winter, die beiden heiraten überstürzt. Zurück auf dem mächtigen Landsitz Manderley der de Winters in Cornwall, trifft die junge Ehefrau auf die gestrenge Haushälterin des Anwesens, Mrs Danvers. Diese lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die junge Frau hier unerwünscht ist. Auf Manderley herrscht noch der Geist der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen ersten Frau Maxims, der schönen Rebecca.
Im Titelsong ‚Rebecca‘ beschwört Mrs Danvers auf dramatische Weise den Geist Rebeccas, sie droht der jungen Ehefrau: „Wer hier eindringt, soll verdammt sein und verloren – Rebecca, es geht nicht ohne Dich“.
Warum kannst Du mich nicht lieben, wie ich bin Andreas Bieber Mozart! (Sylvester Levay / Michael Kunze) – UA am 02.10.1999 im Theater an der Wien
Wolfgang Amadeus Mozart feiert Triumphe in Wien, berauscht von seinem Erfolg will er seinen Vater an diesem teilhaben lassen, doch dieser weist ihn nur harsch zurück. In der bewegenden Arie ‚Warum kannst Du mich nicht lieben, wie ich bin?‘ fragt sich Wolfgang verzweifelt, warum es ihm nicht gelingen mag, die Zuneigung und Anerkennung seines Vaters zu erlangen.
TANZ DER VAMPIRE
Die Einladung zum Ball
Jan Ammann Tanz der Vampire (Jim Steinman / Michael Kunze) – UA am 04.10.1997 im Raimund Theater, Wien
Graf Krolock erscheint im Wirtshaus-Badezimmer, in welchem Sarah gerade – wieder einmal – in der Wanne liegt, und überbringt sowohl verführerisch als gleichzeitig auch keinen Widerspruch duldend seine Einladung zum Mitternachtsball.
Totale Finsternis Jan Ammann & Katja Berg Die junge Sarah kann der Anziehungskraft des Grafen Krolock nicht mehr widerstehen und lässt sich auf die ‚Totale Finsternis‘ ein. Der Vampirgraf ist kurz davor, seine Fangzähne in den verlockend unter ihm befindlichen jungfräulichen Hals zu schlagen – gerade noch besinnt er sich: „Nein, es wär’ verkehrt, den Kopf zu verliern’, wir wollen nicht vor der Zeit den Genuss ruinieren, mit jeder Stunde des Wartens wird die Lust neu entfacht, ich lass Dich spüren, was Dich unsterblich macht, wenn wir zwei tanzen, auf dem Ball morgen Nacht“.
Die unstillbare Gier Jan Ammann Auf dem Friedhof, zwischen den Gräbern stehend, erinnert sich Graf Krolock melancholisch all der Lieben, die in den letzten 400 Jahren seinen Weg gekreuzt haben, und die er als „Kreatur, die alles zerreißen muss, was sie liebt“ zu Untoten gemacht hat. Diese Arie ist der Showstopper jeder „Tanz der Vampire“-Show.
Hinterm Horizont alle Solisten Hinterm Horizont (Udo Lindenberg / Thomas Brussig) – UA am 13.01.2011 im Theater am Potsdamer Platz, Berlin
Diese von Udo Lindenberg als East-West-Lovestory titulierte Compilation-Show vereinigt die größten Hits des Schlapphutträgers. Erzählt wird eine fiktive Geschichte des Ostmädels Jessy, die sich bei einem Lindenberg-Auftritt in den Sänger verliebt. Jahre später entdeckt der Sänger, dass Jessy seinerzeit für den Überwachungsstaat tätig war und fühlt sich verraten. Bis zu einem bittersüßen Happy-End ist noch ein weiter Weg, doch „Hinterm Horizont geht’s weiter“.
Fragezeichen / Leuchtturm Andreas Bieber Ich will Spaß (Musical mit Schlagern der Neuen Deutschen Welle) – UA am 05.10.2008 im Colosseum, Essen
In diesem Musical werden die deutschsprachigen Hits der 80er Jahre verbunden mit Geschichten von Generations- und Weltbildkonflikten zwischen Jugendlichen, die erwachsen werden, Hippies und streng Konservativen, und von großen Sehnsüchten nach fernen Ländern.
MAMMA MIA!
Durch meine Finger rinnt die Zeit
Carin Filipčić Mamma Mia! (Benny Andersson / Björn Ulvaeus / Catherine Johnson)– UA am 06.04.1999 im Prince Edward Theatre, London
Noch ein Compilation-Musical, aber diesmal wenigstens mit der unsterblichen Musik von Abba und einer halbwegs nachvollziehbaren Story. Die patente Donna lebt alleinerziehend mit ihrer Tochter, 20, auf einer griechischen Insel und betreibt dort mehr schlecht als recht eine Taverne. Als Sophie heiraten will, steht – mal wieder – die Frage nach ihrem leiblichen Vater im Raum. Auf Drängen Sophies räumt Donna ein, dass sie es nicht genau wisse – es kämen gleich drei Männer für die Vaterschaft in Frage. Sophie lädt alle drei auf die Insel zur Hochzeit ein, und das Tohuwabohu kann beginnen …
Im Titel ‚Durch meine Finger rinnt die Zeit‘ sinniert Donna anrührend darüber, wie schnell doch ihre Tochter groß geworden sei, und wie wenig sie doch von all dem, was sie mit ihr unternehmen wollte, realisieren konnte.
Dancing Queen Carin Filipčić & Katja Berg In ‚Dancing Queen‘ singt und tanzt Donna mit ihren beiden Freundinnen Rosie und Tanja, mit denen sie früher in aberwitzigen Kostümen der 1970er Jahre als ‚Donna and the Dynamos‘ auftrat, und schwelgt in der Unbeschwertheit der damaligen Zeit.
Griechischer Wein Jan Ammann & Andreas Bieber Ich war noch niemals in New York (Udo Jürgens / Christian Struppeck / Gabriel Barylli) – UA am 02.12.2007 im Hamburger Operettenhaus
Ein Compilation-Musical, diesmal mit den Hits von Udo Jürgens. Die Geschichte ist schnell erzählt: 2 Senioren brechen aus ihrem öden Alltag aus und beschließen, in New York unter der Freiheitsstatue zu heiraten. Ihre beiden Kinder aus ihren ersten Ehen, Lisa und Axel, haben da was dagegen, und folgen samt Enkel Florian den rüstigen Senioren auf das Schiff gen New York. Nach den üblichen Wirrungen findet alles ein Happy End, und auch die sich anfangs wie Hund und Katze gebärdenden Lisa und Axel finden schließlich noch zueinander.
‚Griechischer Wein‘ ist einer der Stimmungshits aus der Feder von Udo Jürgens.
Hinterm Horizont – Reprise alle Solisten Hinterm Horizont
– Beschreibung siehe weiter oben –
Zugaben
Erinnerung Carin Filipčić Cats (Andrew Lloyd Webber / T.S. Eliot / zusätzliche Liedtexte von Trevor Nunn – ‚Memory‘ -) – UA am 11.05.1981 im New London Theatre, London
Die alte, gebrechliche Glamourkatze Grizabella, die sich vor Jahren vom Katzenclan abgewandt hatte, erinnert sich in ‚Memory/Erinnerung‘ der längst verblassten Tage, als sie noch jung und schön war. Beim Jellicle Ball wird sie, durch die Fürsprache einiger jüngerer Kätzchen, doch wieder in die Gemeinschaft aufgenommen und wird sogar letztlich von Old Deuteronymus erwählt, ein neues Katzenleben zu erhalten.
For the Glory – Reprise alle Solisten The Civil War
– Beschreibung siehe weiter oben –
unitedmusicals.de