‚Borchert Beglückt‘ – Thomas Borchert und Band in Oberhausen

Wunschkonzert mit vielen Farben

Foto: Stephan Drewianka

Foto: Stephan Drewianka

  • 15. Mai 2010
  • Ebertbad Oberhausen um 20:00 Uhr
  • mit Thomas Borchert
  • und Band: Harry Peller, Stephan Först, Gerald Gratzer
  • Special Guest am Klavier: Marina Komissartchik

Ein Entertainer, der von seinem Programm überzeugt ist – eine kleine Band aus handverlesenen Musikern und eine Pianistin, die ihrem Instrument vorsteht wie ein Dirigent seinem Orchester – das waren die Zutaten für ein Wunschkonzert, das Thomas Borchert am 15. Mai 2010 im Oberhausener Ebertbad gab. Aus den Songvorschlägen seines Publikums hatte er ein musikalisch vielfältiges Programm aus Pop, Rock, Swing und Musical zusammengestellt, wobei er jedem Titel seinen individuellen Stempel aufdrückte.

Thomas Borchert mit Gitarrist Harry Peller. Foto: Stephan Drewianka

Thomas Borchert mit Gitarrist Harry Peller. Foto: Stephan Drewianka

Besondere Freude machten ihm die Jazz-Titel wie Mr. Bojangles, der zum Jazz-Standard gewordene Song von Jerry Jeff Walkers, aber auch die Swing-Klassiker Singin‘ in the Rain aus dem gleichnamigen Musical-Film von Arthur Freed und Nacio Herb Brown oder Fly Me To the Moon von Bart Howard. Hier konnte sich der Pianist in Klaviervariationen ausleben, bei denen aus dem Swing bei Singin‘ in the Rain auch mal ein schneller Bebop wurde und die zweite Variation von Fly Me To the Moon mit Einsatz des Falsett und spontanem Umtexten einher ging. Getreu seinem Motto, nichts so zu singen, wie es geschrieben steht, entstand aus dem dramatischen Titel Falcon In the Dive – zu Deutsch „Falke auf der Jagd“ – aus dem Frank Wildhorn-Musical ‚Scarlet Pimpernel‘ ein intensiver Rocksong mit Kultcharakter.

Dagegen berührte er mit seinem Send In the Clowns, bei dem seine Augen sehnsüchtig die Clowns zu suchen schienen, die im Zirkus immer dann in die Manege geschickt werden, wenn etwas schief gegangen ist und eine komödiantische Nummer die Stimmung retten soll. Das ist der Hintergrund des Evergreens aus Stephen Sondheims ‚A Little Night Music‘ und Thomas Borchert befand sich als männlicher Interpret in bester Gesellschaft. Auch Frank Sinatra interpretierte diesen Titel, der im Stück von einer Frau gesungen wird. Für den Gastgeber bedeutete er eine Premiere, wie so mancher Song in diesem Wunschkonzert. So gab er zu, den Song If I Sing aus dem Musical ‚Closer Than Ever‘ von Richard Maltby Jr. und David Shire, das im April seine deutsche Erstaufführung in Hamburg erlebte, nicht zu kennen. Dabei hatte ein Fan dem Sänger, Pianisten und Songwriter nicht umsonst dieses Lied zugedacht, in dem die Kraft der Musik Vater und Sohn über den Tod hinaus verbindet: Immer wenn der Sohn am Klavier sitzt, wird der Vater in seinem Spiel lebendig.

Lust an der Musik. Foto: Stephan Drewianka

Lust an der Musik. Foto: Stephan Drewianka

Mit dem Elton John-Titel Don’t let the Sun Go Down On Me hatte das Publikum Thomas Borchert einen besondere Freude gemacht, inspirierte ihn – nach eigener Aussage – doch neben Billy Joel vor allem der große Songwriter Elton John zu seinen eigenen Kompositionen. Im ersten Teil des Konzerts ließ sich der Gastgeber während des Titels mit viel Elan am Klavier aus, bei der späteren Zugabe dirigierte er zusätzlich auch noch den Publikumschor, den er mit Stimmübungen vorbereitet hatte. Der Entertainer kam auch bei seinem Elvis-Medley in Bewegung und ins Schwärmen, wobei er In the Ghetto erfreulich schnörkellos interpretierte.

Mit Ausnahme von Herbert Grönemeyers Kultlied Männer wurden alle Titel des Abends, auch die Musicallieder, in englischer Sprache vorgetragen. Das galt nicht nur – verständlicherweise – für Anthem die ergreifende Hymne aus dem Musical ‚Chess‘, den der Gastgeber als einen der schönsten Musical-Songs bezeichnete oder für Phil Collins‘ You’ll Be In My Heart (Tarzan), den Thomas Borchert zum Swingen brachte, sondern auch für Bui Doi (Miss Saigon), Stars / Stern (Les Misérables), Out There / Draußen (Disneys Der Glöckner von Notre Dame) und vor allem Falcon In the Dive (Falke auf der Jagd) aus dem Musical ‚Scarlet Pimpernel‘. War es so schwer, die Rechte für den deutschsprachigen Vortrag zu bekommen, oder wollte Thomas Borchert eine bewusste Distanz zu seinem Alltag als Musicaldarsteller herstellen? Seinen Vortrag von Out There leitete der Künstler mit einer treffenden Charakterisierung des Quasimodo ein, der „das beste Herz der Welt“ besitze, bevor er bewegend dessen Sehnsucht auf das „Draußen“ zum Ausdruck brachte.

Ein Ständchen für Marina Komissartchik - aus 'Maria' wird "Marina". Foto: Stephan Drewianka

Ein Ständchen für Marina Komissartchik – aus ‚Maria‘ wird „Marina“. Foto: Stephan Drewianka

Thomas Borchert unterhielt sein Publikum mit einer abwechslungsreichen Mischung an Songs und einem launigen Schlagabtausch mit Musikerkollege und Bandleader Harry Peller (Gitarre), der bei Don’t let the Sun Go Down On Me die Position eines instrumentalen Duett-Partners einnahm. Zu den handverlesenen Musikern gehörten außerdem Bassgitarrist Stephan Först und Gerald Gratzer an den Percussions (Komponist von ‚Tutanchamun‘ und ‚Gustav Klimt‘). Wenn Thomas Borchert nicht selbst seine Pianistenkünste bewies, begleitete ihn die wunderbare Marina Komissartchik am Klavier. In seinen Zugaben wurde einmal mehr deutlich, wie sehr der Gastgeber selbst Lust und Freude an seinem Konzert empfand, das mit einem intimen I Did It My Way, das geradezu das Motto des Abends hätte sein können, ausklang.

 

MUSIKTITEL INTERPRET/-IN WISSENSWERTES
1. Teil
Angels Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Robbie Williams and Guy Chambers (1997)
Originalinterpret: Robbie Williams
Mr. Bojangles Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Jerry Jeff Walkers (1968)
Originalinterpret: Jerry Jeff Walkers
Berühmt machte den Song v.a. Sammy Davis Jr.
Bui Doi Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
Miss Saigon (Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg)
John erzählt Chris und den amerikanischen Zuhörern vom Schicksal der amerikanisch-vietnamesischen Kinder, die als Bui-Doi = „Staub der Zeit“ beschimpft wurden und in keinem Land Heimat finden.
Send In the Clowns Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
A Little Night Music (Stephen Sondheim)
Die Protagonistin ersehnt das Erscheinen der Clowns, um die zerbrochene Beziehung vergessen zu können.
Dance With My Father Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Luther Vandross (2003)
Originalinterpret: Luther Vandross
Singin‘ In the Rain Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Arthur Freed und Nacio Herb Brown (1929)
Originalinterpret: Doris Eaton Travis
Ursprünglich entstand der Titel für ‚The Hollywood Revue‘, wurde aber berühmt durch Gene Kellys Interpretation in dem Film-Musical ‚Singin‘ in the Rain‘.
Don’t Let the Sun Go Down On Me Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Elton John (1974)
Originalinterpret: Elton John
You’ll Never Walk Alone Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
Carousel (Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II.
Das Lied, 1945 kompononiert, sprach die Hoffnung derer aus, die während des Zweiten Weltkrieges um einen Angehörigen an der Front bangten. Im Musical ist es die Botschaft des verstorbenen Vaters, der seiner kleinen Tochter einen Stern vom Himmel mitbringt.
In the Ghetto Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Mac Davis (1968)
Originalinterpret: Elvis Presley
Suspicious Minds Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Mark James (1969)
Originalinterpret: Elvis Presley
2. Teil
If I Sing Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Closer Than Ever (David Shire und Richard Maltby Jr.)
Mit großer Freude dankt der Sohn seinem Vater, der ihm die Liebe zur Musik und zum Leben beigebracht hat.
Stars Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
Les Misérables (Alain Boubil und Claude-Michel Schonberg)
Inspektor Javert versteht seine fieberhafte Suche nach Javert als Mission, die er im Dienste Gottes und seines Weltgesetzes zu erfüllen hat.
Fly Me To the Moon Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Bart Howard (1960)
Originalinterpret: Mabel Mercer
Der Orignaltitel lautet: „In Other Words“ (1954) und wurde von Felicia Sanders auf der Konzertbühne gesungen, aber erst unter dem Titel „Fly Me To the Moon“ wurde der Song durch die Jazz-Sängerin Mabel Mercer und dann vor allem durch die Interpretation von Frank Sinatra im Jahre 1964 bekannt.
You Can Leave Your Hat On Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Randy Newman (1972)
Originalinterpret: Randy Newman
Berühmt wurde der Song durch Joe Cockers Interpretation 1986.
Out There Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
Disneys Der Glöckner von Notre Dame (James Lapine, Stephen Schwartz und Alan Menken)
Quasimodo sehnt sich nach der Welt da draußen, die ihm Frollo verschließt, nicht nur, um ihn vom Spott der Leute fern zu halten.
Anthem Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
Chess (Tim Rice and Björn Ulvaeus & Benny Andersson)Der russische Schachspieler Anatoly Sergievsky kehrt der Sowjetunion den Rücken. In dieser Hymne bringt er zum Ausdruck, dass seine Heimat dennoch in seinem Herzen bleibt, auch wenn ihn eine äußere Grenze von ihr trennt.
Männer Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Herbert Grönemeyer (1984)
Originalinterpret: Herbert Grönemeyer
Falcon In the Dive Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Scarlet Pimpernel (Nan Knighton und Frank Wildhorn)
Chauvelin, der fanatische Agent Robespierres sieht in seinem Kampf gegen Scarlet Pimpernel, den Retter des Adels, einen Kampf von Recht gegen Unrecht.
You’ll Be In My Heart Thomas Bochert
begleitet von Marina Komissartchik
Tarzan (Phil Collins und David Henry Hwang)
Tarzan sagt seiner Affenmuter Kala, dass er mit Jane nach England geht, dass er sie aber nie vergessen wird. Es ist eine Reprise ihres großen Liedes, in dem sie ihre große Mutterliebe zu Tarzan zum Ausdruck bringt.
Zugaben
Don’t Let the Sun Go Down On Me Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Elton John (1974)
Originalinterpret: Elton John
My Way Thomas Borchert und Band:
Harry Peller (Leading Gitarre) / Stephan Först (Bassgitarre) / Gerald Gratzer (Schlagzeug)
Komposition von Claude François und Jacques Revaux, english Lyrics: Paul Anka (1969)
Originalinterpret: Claude Francois
Der Originalsong hieß „Comme d’habitude“ und hatte einen ganz anderen Text als der Song, den Frank Sinatra mit seiner Interpretation von „My Way“ berühmt gemacht hat.
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